Vorbereitung auf die Freiheit

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Die Gitter mögen bei Haftentlassung verschwinden, die Schatten bleiben.

Frankfurt - Entlassenen Häftlingen in Hessen wird der Neuanfang in Freiheit leichter gemacht. So schnell wie möglich sollen sie Wohnung und Arbeit finden oder ihren Antrag auf Sozialleistungen an der richtigen Stelle abgeben.

Ziel ist, die Betroffenen reibungslos in das normale Leben zu integrieren und gleichzeitig die Rückfallquote zu senken, die nach Angaben des Justizministeriums derzeit bei weit über 50 Prozent liegt.

Dafür unterzeichneten gestern in Frankfurt Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sowie Vertreter von Städte- und Landkreistag, der Bundesagentur für Arbeit, des Landeswohlfahrtsverbands und der Straffälligenhilfe einen Vertrag über „Integration von Strafgefangenen in Hessen“.

Wie die Verhaftung sei die Entlassung ein großer Bruch im Leben der Betroffenen, sagte Justizminister Hahn. „Darauf sollte man einen Menschen vorbereiten.“ Es müsse verhindert werden, dass jemand draußen nicht zurechtkomme und deshalb wieder straffällig werde. Sozialminister Grüttner sieht in der Zusammenarbeit der Vertragsunterzeichner ein Netz, in dem sich die Entlassenen aufgefangen fühlen könnten und das die Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben schaffe.

Zentrale Anlaufstelle für die Ex-Gefangenen sind künftig die Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit und der Kommunen. Schon in den letzten Haftmonaten kann alles vorbereitet werden. Jeder solle bei seiner Entlassung schon ein Dach über dem Kopf haben und seinen Sachbearbeiter beim Sozialamt kennen, damit er sich nicht allein durchfragen müsse, sagte der Vorsitzende des Landeszusammenschlusses Straffälligenhilfe in Hessen, Peter Rettenbeck. Die neue Vereinbarung helfe ehemaligen Häftlingen, schneller eine eigene Wohnung und Arbeit zu finden: „Beides verhindert deutlich den Rückfall.“ Das Risiko, wieder straffällig zu werden, sei in den ersten Monaten nach der Entlassung am höchsten.

Schon seit 2007 arbeiten in den hessischen Gefängnissen sogenannte Übergangsmanager, die Gefangene auf die Freiheit vorbereiten. Die Straffälligenhilfe betreute im vergangenen Jahr nach Angaben des Justizministeriums 439 Betroffene. Ein ähnliches Projekt gibt es in Schleswig-Holstein. Finanziert werden beide Vorhaben mit Geld der Länder und des europäischen Sozialfonds, in Hessen mit jährlich insgesamt 450.000 Euro.

In hessischen Gefängnissen saßen Anfang Oktober 4765 Gefangene, davon 865 in Untersuchungshaft. Unter den Häftlingen sind 4039 Männer, von denen 720 in U-Haft saßen, und 297 Frauen, 52 von ihnen in U-Haft. Außerdem saßen Anfang Oktober 429 Jugendliche und Heranwachsende hinter Gittern, 93 von ihnen in U-Haft.

dpa

Quelle: op-online.de

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