Vorbereitungen für die perfekte Illusion

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Fast ein Kilometer Stoff ist in der eigenen Schneiderei für rund 400 Kostüme verarbeitet worden.

Mainz-Kostheim ‐ Wo einst Kühltruhen fabriziert wurden, ging es in den vergangenen Wochen und Tagen immer heißer her. Die fast schon fiebrige Erwartung, die in den riesigen Fabrikhallen in Mainz-Kostheim zu spüren war, hätte auch kein Produkt des früheren Nutzers abkühlen können. Von Christian Riethmüller

Dort, wo früher die Linde AG Kühltechnik produzierte, tüftelten nun Künstler, Designer und Handwerker an einem Konzept, das im Idealfall zuverlässig wie eine Maschine funktioniert und gleichzeitig die Phantasie auf eine märchenhafte Fernreise schickt. In den Kostheimer Werkshallen wurden bis zum vergangenen Wochenende die Vorbereitungen für das Showspektakel „India“ getroffen, das ab 17. Dezember in Frankfurt zu sehen sein wird und danach auf Welttournee geht.

„India“, von den selben Produzenten wie der Welterfolg „Afrika! Afrika!“ verantwortet, entführt die Besucher auf das Fest eines Maharadschas. In der Atmosphäre eines prächtigen indischen Palasts warten Tänzer, Musiker, Akrobaten, Magier und Fakire mit ihren bezaubernden, betörenden oder unfassbaren Darbietungen auf.

Die Mysterien und Wunder , die während der gut zweistündigen Show bestaunt werden können, sind allerdings nicht der Magie, sondern der fleißigen Arbeit hinter den Kulissen zu verdanken. Sechs Millionen Euro haben Produzent Matthias Hoffmann und die in Mörfelden sitzende Prime Time Entertainment AG in die Entwicklung der Show gesteckt, die von einem Regie- und Design-Team des früheren „Cirque du Soleil“-Regisseurs Franco Dragone umgesetzt wird.

Geschickt angeordnete Zeltstadt

Während die Artisten und Künstler die letzten Proben in Mainz-Kostheim schon zur Abstimmung von Licht und Ton auf der Bühne nutzen und Regisseur Brian Burke nochmals jede einzelne Bewegung wie auch jeden einzelnen Lichtstrahler überprüfen zu wollen scheint, sind in den weitläufigen Hallen noch Dutzende Handwerker mit der Herstellung der Kostüme, der Requisiten und des Bühnenbilds beschäftigt. Martin und seine Kollegen aus Amsterdam etwa arbeiten an einem meterhohen Gebilde, das sich beim Näherkommen als gewaltiger Elefantenkopf erweist, der so geschickt konstruiert ist, dass er sich bequem in acht, neun Teile zerlegen lässt, die in große Kisten passen. Die sind dann noch nicht einmal schwer, weil das wie Metall aussehende Geflecht in Wahrheit aus mit Schaumstoff umhüllten Aluminiumstangen besteht.

Ähnlich erfinderisch geht es eine Halle weiter zu, wo Planen bemalt und Reliefs aus Acryl gefertigt werden. Die sollen zusammen mit dank ihrer Bemalung wie Marmor wirkenden, tatsächlich aber aus Pappe bestehenden Säulen die Illusion eines Palastes erzeugen. Dieser ist in Wahrheit aber eine geschickt angeordnete Zeltstadt. Die verschiedenen Zelte sind wie Säle und Empfangsräume eingerichtet und durch Gänge miteinander verbunden.

Von antiken Möbeln abgesehen, die aus Indien herangeschafft worden sind, ist in Mainz-Kostheim nahezu die gesamte Ausstattung der Show selbst gefertigt worden. Bis zu 250 Menschen waren dort im Vorfeld tätig, um eine Anlage vorzubereiten, die insgesamt 400 Tonnen wiegt und für deren kompletten Transport 50 Sattelschlepper nötig wären, wie „India“-Sprecherin Marie-Theres Schweizer sagt. Zu diesem Volumen würden übrigens auch die rund 400 Kostüme ihren Teil beitragen, für die fast ein Kilometer Stoff verarbeitet worden ist. Geschneidert wurde nach Mustern, die nach originalen Vorbildern entworfen worden sind.

„Indo-Jazz Dance Movement“

Authentizität ist auch die Maxime bei etlichen der künstlerischen Darbietungen, die teils jahrhundertalte Rituale, Fertigkeiten und Tänze aufgreifen. Weil Indien aber nicht nur ein Land voller jahrtausendealter Traditionen ist, sondern gleichwohl als Wirtschaftsnation das 21. Jahrhundert mitbestimmt, sind die traditionellen Eigenarten des Subkontinents bei dieser Show mit der Moderne konfrontiert, für die etwa die Choreografien von Ray Leeper und Shiamak Davar, einem der bekanntesten Tanzkünstler des Landes, stehen. Shiamak hat das „Indo-Jazz Dance Movement“ angestoßen, das nicht nur ein Impuls für die „India“-Show war, sondern auch eine prominente Rolle in den beliebten „Bollywood“-Filmen spielt.

Indiens erfolgreiche Filmindustrie ist aber nur eine von vielen Facetten, auf die während der „India“-Show die Aufmerksamkeit der Zuschauer gelenkt werden soll. Zusammen sollen die Auftritte des ausschließlich indischstämmigen Ensembles nichts weniger als das Panorama einer Weltkultur ergeben.

Quelle: op-online.de

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