Körperverletzung und Beleidigung

Anklage gegen Polizisten

Frankfurt - Mehr als ein Jahr nach einem gewalttätigen Streit zwischen Polizisten und einem damals 41-jährigen Mann hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen beteiligten Beamten erhoben. Der Fall hatte im Oktober 2012 für viel Aufsehen gesorgt.

Wegen einer Attacke gegen einen Deutsch-Äthiopier nach einer Fahrkartenkontrolle muss sich ein Frankfurter Polizist vor Gericht verantworten. Gegen den 32-jährigen Beamten sei Anklage wegen Beleidigung und Körperverletzung im Amt erhoben worden, teilte die Staatsanwaltschaft heute mit. Der Polizist soll im Oktober 2012 den Deutsch-Äthiopier geschlagen und getreten und ihn dabei erheblich verletzt haben. Die Ermittlungsverfahren gegen drei andere Polizeibeamte seien eingestellt worden.

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Die Polizisten waren von Fahrscheinkontrolleuren gerufen worden. Anlass war eine Auseinandersetzung zwischen Kontrolleuren und dem heute 43 Jahre alten Deutsch-Äthiopier, der seiner Verlobte zu Hilfe gekommen war. Sie soll ohne Fahrschein unterwegs gewesen sein. Der 43-Jährige konnte sich nicht ausweisen und wehrte sich angeblich, als er in Handschellen zu seiner Wohnung gebracht werden sollte. Dabei soll es zum Gerangel mit den Polizisten gekommen sein. Der angeklagte 32-Jährige soll den Mann schließlich so schwer geschlagen und getreten haben, dass er eine Platzwunde und Prellungen erlitt und drei Tage im Krankenhaus liegen musste. Die Beamten sollen sich nach Aussage des Opfers außerdem rassistisch geäußert haben.

Es folgten mehrere Anzeigen. Der 43-Jährige zeigte die Polizisten an, ein Polizist und eine Kontrolleurin erstatteten Anzeige gegen den 43-Jährigen wegen falscher Verdächtigung und Beleidigung. Von drei Ermittlungsverfahren wurden schließlich zwei eingestellt. Laut dem Opfer sollen ihn Polizisten nach dem Vorfall im Krankenhaus weiter unter Druck gesetzt haben. Die Vorwürfe hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt, in Frankfurt waren zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus bei der Polizei zu demonstrieren. Auch die Gewerkschaft der Polizei hatte eine rasche Aufklärung des Falles gefordert.

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Es sind nicht die ersten Vorwürfe gegen die Polizei in Frankfurt: Immer wieder sollen Beamte unverhältnismäßig oder gar gewalttätig vorgegangen sein (siehe Infokasten oben). Für bundesweites Aufsehen und politische Diskussionen in Hessen sorgte der Polizei-Einsatz bei der Blockupy-Demonstration im Juni vergangenen Jahres. Beamte hatten zahlreiche Demonstranten bei der von der Occupy-Bewegung organisierten Demo eingekesselt und stundenlang festgehalten. Es kam zu Auseinandersetzungen und zahlreichen Verletzten durch den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray. Eine Woche später hatten tausende Menschen friedlich gegen den Polizei-Einsatz demonstriert.

(dpa/nb)

Demonstration gegen Polizei-Gewalt

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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