"My Zeil": Vorhang hoch für den riesigen Geldstaubsauger

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Gläserner Himmel überm Konsumreich: "My Zeil" wird mit mehreren Kilometern Schaufensterlänge die Verkaufsfläche der inneren City um fast 25 Prozent vergrößern.

Frankfurt/Rhein-Main - Im Riesen-Trichter turnen die mit Seilen Gesicherten herum. „Ey voll fett“, ruft ein Junge, der die Hand seiner Freundin abrupt loslässt, um zum Handy zu greifen und ein Foto von dem „Ding mit den Typen im Trichter“, zu machen. Er ist nicht der einzige, der dies tut, und so für einen Fußgänger-Stau in der ohnehin seit Wochen wegen Bauarbeiten beengten Zeil sorgt. Von Kathrin Rosendorff

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Schaut man genauer und aus der Nähe hin, erkennt man Fassadenkletterer. Die gehören aber nicht zu einer Akrobatentruppe. Sie sind Bauarbeiter und verfugen die Glasdreiecke des neuen sechsstöckigen Einkaufszentrums „My Zeil“, das am heutigen Donnerstag nach knapp einem Jahr Bauzeit und mit 80 000 Quadratmeter Verkaufsfläche eröffnet wird. Das erhöhe die Gesamtverkaufsfläche der Innenstadt, also von Zeil, Freßgass' und Nachbarstraßen, um ein Viertel, schätzen die Makler von Kemper‘s Jones Lang LaSalle.

„My Zeil“ - der Name, von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth als „geradezu genial“ bezeichnet, aber in den Medien und bei den Frankfurtern eher belächelt, war bis vor wenigen Wochen noch von weißen Absperrwänden verdeckt. Das Mega-Einkaufszentrum ist Teil des Großprojekts „Palais Quartier“, dem fast eine Milliarde Euro teuren Großbau zwischen Zeil und Eschenheimer Tor: Dazu gehören noch zwei bis zu 135 Meter hohe Büro- und Hoteltürme, die an „My Zeil“ grenzen. Originalgetreu soll im Laufe des Jahres auch das im zweiten Weltkrieg zerstörte Stadtschloss „Thurn-und-Taxis-Palais“ wieder aufgebaut werden. Wie viel genau von der fast eine Milliarde Euro schweren Investition in „My Zeil“ gesteckt wurde, verrät der Bauherr Bouwfonds MAB nicht.

Bis zu 485 Euro Monatsmiete kostet hier der Quadratmeter Ladenfläche: Das hat aber nicht abgeschreckt: Rund 100 Läden sind eingezogen, mit der festen Hoffnung, dass der Trichter wie eine Art gigantischer Staubsauger die Geldscheine der täglich erwarteten 50 000 bis 70 000 Besucher anzieht. Am Eröffnungstag, so versprechen es die bunten Plakate in der Stadt, „gibt es 20 Prozent auf alles“ - Tiernahrung ist bei „My Zeil“ noch nicht erhältlich. Trotzdem ist die Laden-Mischung bunt und auf acht Etagen verteilt: Da gibt es den Rewe im „Market Place“ im Untergeschoss, aber auch den „Walk of Young Fashion“ im Parterre mit Shops wie „Lloyd-Schuhe“, die bisher keine Repräsentanz in Frankfurt hatten. Im ersten Stock ist der „International Place“ mit „Hilfiger Denim“ und „Promod“ zu Hause. Im zweiten Stock finden die Kunden alles zu „Sports & Leisure“, vom Samsonite Koffer bis zu den bunten Ed Hardy-Shirts.

Unter den jungen, nicht immer ganz günstigen Model-Labels findet sich auch „Pepe Jeans“ und die Dessousmarke „Princesse Tam Tam“: Bei 50 Euro pro Slip eher etwas fürs dicke Portemonnaie von Papa. „H&M“ zieht nicht ein und bleibt mit seinen drei Filialen „auf der Zeil“ statt in „My Zeil“. Dafür zieht Saturn aus seiner bisherigen Bleibe (über Esprit) aus. Seinen DVD-Player oder die neue Waschmaschine bekommt man jetzt im vierten Stock.

In diesen soll man mit „Europas längster freitragender Rolltreppe“ gelangen. Dort ist der „Gastro-Boulevard“ angesiedelt mit „Jansen Soup“ oder „New Deli“. Im fünften und sechsten Stock gibt es eine 1000-Quadratmeter-Spielwiese: Kinder können in Abenteuerwelten toben, die Eltern Kaffee trinken. Gegen Gebühr passt der „Vizz Kidz Club“ auf die bis zu Zwölfjährigen auf.

Wem der Konsum-Rausch nicht reicht, um sich ausreichend ausgepowert zu fühlen, der hat die Option, sich bei „Fitness First“ (Black Label) anzumelden. Fitness, Aerobic und Schwimmen mit Skyline-Blick - alles natürlich „top exklusiv“.

So geht´s los:

„My Zeil“ wird heute um 10 Uhr von Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth eröffnet. Ab 9.30 Uhr gibt es eine Eröffnungsfeier mit einer Inszenierung des Vertical Ballets und der Flying Drummers von Jochen Schweizer. Saturn öffnet am ersten Tag bereits um 6 Uhr. Bis Samstag haben die Geschäfte von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Danach gelten die Kernöffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 10 bis 20 Uhr, Donnerstag bis Samstag 10 bis 21 Uhr.

Quelle: op-online.de

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