Vorsicht bei der guten Tat

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Viele fragen sich: Wie spende ich richtig und auf welche Fallen sollte man achten?

Offenbach - Weihnachten rückt näher und damit auch die Zeit der großen Spendenaufrufe. Viele Menschen geben in dieser Zeit gerne etwas für wohltätige Zwecke. Von Peter Schulte-Holtey

Doch leider nutzen manche die vergrößerte Spendenbereitschaft der Menschen in dieser Zeit aus: zweifelhafte Spendeneintreiber.

Für Aufsehen sorgte jetzt in Hessen der international operierenden Spendenorganisation „World Children’s Fund“ (WCF) mit Sitz in Mainz. „Dort fließen offenbar Millionenbeträge in die privaten Taschen der Gründer-Familie“, meldete der Hessische Rundfunk (hr). Der WCF sammelt in Deutschland nach Angaben des hr seit Mitte der 90er Jahre unter verschiedenen Namen („Welt Kinder Fonds“, „World Children‘s Fund“ und „Medical Mission International“). Auch der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, kritisierte den Umgang des WCF mit Spendengeldern. „Das Ganze macht den Eindruck eines familiären Selbstbedienungsladens“, sagte er auf Anfrage des Senders.

Wo bleibt der Staat? Staatliche Kontrolle ist in Sachen Spendenwesen die absolute Ausnahme. Wie zum Beispiel in Rheinland-Pfalz: Dort werden Organisationen, die Geld sammeln, geprüft – und mitunter wird sogar offensiv vor Organisationen gewarnt. Die Folgen sind dennoch sehr begrenzt. Experten von Wohlfahrtsorganisationen fordern deshalb, der Staat müsse genauer hinschauen.

Mangelnde Transparenz beim „World Children‘s Fund“

Angesichts der mangelnden Transparenz beim „World Children‘s Fund“ erneuerte Wilke seine Forderung, dass die Länder für einen „Basisschutz“ der Bürger bei der Kontrolle des Spendenmarktes sorgen sollen. Auch die Landtagsfraktion der Grünen in Wiesbaden forderte jetzt, in Hessen eine Spendenaufsicht einzuführen. In Hessen sei vor zwei Jahren das bestehende Sammlungsgesetz ausgelaufen. Grünen-Sprecher Jürgen Frömmrich kritisierte: „Die Spenden der Menschen müssen dort ankommen, wofür sie eingesammelt werden. Damit diese Spenden nicht in den Taschen dubioser Organisationen landen, fordern wir eine zentrale landesweite Spendenaufsicht, um groß angelegten Missbrauch von Spendengeldern zu verhindern. Der Staat hat hierfür Sorge zu tragen.“

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass deutschen Spendern das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt wie noch im vergangenen Jahr. Die 30 größten Organisationen mit DZI-Spendensiegel nahmen im ersten Halbjahr 2011 rund 19 Prozent weniger Geld ein als im Vorjahr. Lässt man die Sonderspenden für große Katastrophen unberücksichtigt, sank - laut DZI - die Spendenbereitschaft um 1,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2010 nahmen die DZI-Organisationen rund 627 Millionen Euro ein, in diesem Jahr waren es 508 Millionen Euro. Das Spendenjahr sei aber noch nicht vorüber. Gerade der Dezember sei ein spendenstarker Monat.

Aber wie erkenne ich als Laie, ob mein Geld auch am Ziel ankommt?

Wie unterscheide ich Helfer von Heuchlern?

- Bei Straßensammlungen sollte man nur dann mitmachen, wenn die Organisation tatsächlich bekannt ist. Achten sollte man dabei auch auf Namensähnlichkeiten, denn zweifelhafte Organisationen wählen oft Namen, die bekannten Institutionen stark ähneln und einen guten Zweck suggerieren.

- Um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, sollten sich Spender laut Klein auf wenige Projekte konzentrieren. Denn jede Spende verursacht Verwaltungskosten - durchschnittlich etwa ein Viertel des Spendenbetrags. Weiterer Vorteil: Es landet weniger Werbung im Briefkasten.

- Vorsicht! An der Haustür sollte nicht gleich ein Vertrag unterschrieben werden. Auch im Internet sollte man aufpassen und nicht in die Spendenfalle tappen. Es kann sich um gefälschte Spendenformulare handeln, wenn diese per E-Mail zugesandt werden. „Deshalb nie Geld auf Konten überweisen, deren Nummer in einer E-Mail genannt wird“, sagen Experten

- Inzwischen nutzen einige Organisationen auch eine umstrittene Form der Werbung: Sie zahlen Provisionen für Spender, die über das Internet zu ihnen gefunden haben. Nach Recherchen der Hörfunkprogramme hr-iNFO und NDR-Info können die Provisionen bei Kleinspenden größer sein als der Spendenbetrag, ohne dass die Spender das erfahren. Eine Beispielrechnung anhand der von einer der beteiligten Agenturen veröffentlichten Zahlen zeige, wie wenig tatsächlich zum Beispiel bei einer Sammlung für den Tierschutz beim Empfänger ankommt: Von einer 20-Euro-Spende würden nach Angaben von hr-iNFO zunächst 10,50 Euro an den Betreiber der werbenden Internetseite fließen, weitere 30 Prozent des Spendenbetrags, also 6,60 Euro, an die vermittelnde Agentur. Von den ursprünglich 20 Euro kämen so keine drei Euro beim Empfänger an- und dort gehen noch die üblichen Verwaltungskosten ab. Der Tipp: Wenn es heißt „Die gute Tat ist nur einen Klick entfernt“ sollte man sich genau über die Kosten informieren.

Quelle: op-online.de

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