Wachsames Auge fährt immer mit

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Eine Videokamera in einer Straßenbahn. Fühlen sich potentielle Vandalen und Schläger beobachtet, scheint ihre Neigung zu Straftaten zu sinken. Zumindest dort, wo gerade überwacht wird.

Frankfurt ‐ Angriff auf eine U-Bahn-Fahrerin, Bedrohung eines Zugbegleiters, Streit zwischen Fahrgästen: Die Zwischenfälle im Nahverkehr häufen sich auch in Hessen.

Trauriger bundesweiter Höhepunkt war vor wenigen Wochen in München der gewaltsame Tod des 50-jährigen Dominik Brunner, der bedrohte Kinder schützen wollte. Viele Verkehrsträger in hessischen Kommunen arbeiten nicht erst seitdem an einer Verbesserung der Sicherheit in Bussen und Bahnen.

Mit konkreten Angaben zu den Sicherheitsvorkehrungen sind Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) eher zurückhaltend: „Natürlich ist das ein Thema, das uns sehr stark bewegt“, sagt RMV-Sprecherin Petra Eckweiler. „Aber wenn man sagt, wo was ist, sagt man gleichzeitig, wo nichts ist.“ Das schaffe Freiräume für potenzielle Täter. Alle neuen Ausschreibungen des RMV für S-Bahn-Wagen seien an eine Video-Überwachung gebunden.

Nach 21 Uhr fährt in den S-Bahnen immer Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn mit. Bewährt hätten sich die seit 2002 eingesetzten neuen S-Bahnen, die durchgängig zu begehen sind. „Die Einsehbarkeit verstärkt das Sicherheitsgefühl natürlich“, sagt Eckweiler.

Erster Straßenbahnwagen 2003 ausgestattet

In FRANKFURT haben 11 von 103 Straßenbahnen Kameras. 54 weitere sind dafür technisch vorgerüstet, wie der Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), Bernd Conrads, sagt. Seit 2007 wurden Busse mit Videokameras ausgestattet, inzwischen sind es 37 von 180 Bussen. Das kostet pro Fahrzeug rund 20 000 Euro. Bei den U-Bahnen werden gerade die Kosten für die Nachrüstung einer Generation geprüft. Der erste Straßenbahnwagen wurde im Herbst 2003 ausgestattet. Bei den U-Bahnen war dies erst mit der Inbetriebnahme des Wagentyps U5 im September vergangenen Jahres der Fall.

Vandalismusschäden wie aufgeschlitzte Sitze oder verkratzte Scheiben seien seitdem deutlich zurückgegangen. An den Stationen gebe es auch weniger Rauschgiftkonsum und -handel. „Zur Verhinderung von anderen Straftaten, kann man nichts sagen, das ist eine Dunkelziffer“, meint Conrads.

In WIESBADEN sind bei der Verkehrsgesellschaft ESWE 74 oder ein Drittel der 226 Busse mit Videokameras ausgestattet. Erstmals eingesetzt wurde die Überwachungsmethode 2005. Die Kosten für die Kameras liegen jeweils zwischen 2000 und 2500 Euro. „Die Vandalismusschäden sind deutlich zurückgegangen, das Fahrpersonal fühlt sich sicherer, und die Polizei konnte bei Ermittlungen von Straftaten unterstützt werden“, sagt eine ESWE-Sprecherin. Die Fahrer hätten außerdem einen besseren Einblick in den hinteren Teil der Busse, vor allem an den Türen. 2010 sollen Kameras in 17 weiteren Bussen installiert werden. Auch sieben größere Haltestellen in der Wiesbadener Innenstadt werden videoüberwacht.

Die HEAG mobilo, zuständig für den Nahverkehr in der Stadt DARMSTADT und der Region DARMSTADT-DIEBURG, setzt an allen zentralen Haltestellen Livekameras - etwa 60 Stück - ein. Die Bilder dort werden jedoch nicht aufgezeichnet, sondern nur bei Bedarf eingesehen und dienen nicht der Personenüberwachung, wie Sprecherin Silke Rautenberg mitteilt. In den Bussen gibt es keine Kameraüberwachung. Die Fahrzeuge sind aber per Funk mit der Verkehrsleitstelle verbunden. Von dort aus gebe es rund um die Uhr einen direkten Draht zu Polizei und Rettungskräften.

In Straßenbahn-Beiwagen sind Videokameras installiert

Busse und Bahnen verfügen zudem über spezielle Notruffunktionen, die der Fahrer unbemerkt betätigen kann. In den Bahnen gibt es auch Notruftasten für Fahrgäste, so dass der Fahrer informiert wird. In den Straßenbahn-Beiwagen sind zusätzlich Videokameras installiert. Anhand dieser Daten konnten bereits Täter ermittelt werden.

In HANAU wird verstärkt auf die Videoüberwachung in Bussen gesetzt. Jedes der 35 seit 2002 angeschafften Fahrzeuge verfüge über Filmtechnik, teilte die Hanauer Straßenbahn (HSB) GmbH mit, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs aber nur noch Busse besitzt. Fast zwei Drittel der 59 Busse sind überwacht. Die Kosten dafür betragen pro Fahrzeug 3000 Euro. Am Zentralen Omnibusbahnhof werden auch elf Haltestellen mit Kameras im Blick behalten. Auch hier wurden weniger Vandalismusschäden festgestellt. Für Ermittlungsbehörden dienten die Aufnahmen als Beweismittel bei Raub oder Diebstahl.

In GIESSEN trainiert die MIT Bus GmbH, die den Stadtverkehr betreibt, regelmäßig die Fahrer, damit sie in schwierigen Situationen richtig handeln. Technische Mittel alleine könnten Gewalt nicht verhindern, heißt es dort. Kamera- und Videoüberwachung würden gewaltbereite Täter nur bedingt abschrecken.

dpa

Quelle: op-online.de

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