Frankfurt

„Stadtpolizei“ zieht Bilanz: Die Waffe soll bleiben

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Die Kontrolle der „Shisha“-Bars war eines der Haupteinsatzgebiete der „Stadtpolizei“.

Frankfurt - Die Ausrüstung der 200 Mitarbeiter der „Stadtpolizei“ von Frankfurt mit Polizeiwaffen steht nicht zur Debatte. Bei einer Tätigkeitsbilanz erklärte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU): „Unsere Hauptwaffe ist das Wort“. Von Michael Eschenauer

Aber die besondere Klientel einer Großstadt erfordere auch stärkere Symbole der Autorität. Außer in Frankfurt tragen nur in Stuttgart und Dresden die Ordnungsamtsmitarbeiter eine Waffe.

Frank hält die Bewaffnung von Ordnungsamtsmitarbeitern in Großstädten insgesamt für empfehlenswert - auch zum eigenen Schutz, wie er betonte. Jörg Bannach, Leiter des Ordnungsamtes, und Stadtpolizei-Chef Matthias Heinrich berichteten von Vorfällen im Bahnhofsgebiet, wo die Stadtpolizisten von der Waffe profitiert hätten. Dort und in der Innenstadt sei ein Einsatz ohne Waffe „undenkbar“ - „zum Beispiel, wenn Sie im Bahnhofsviertel einem Klienten die Zulassungsplakette bei seinem Auto abnehmen“, so Heinrich. Unlängst seien die Mitarbeiter auch bei der Kontrolle einer Spielhalle mit einem Messer bedroht worden. Hilfreich bei dem Aufbau von Respekt sei neben der Waffe auch die Bezeichnung „Stadtpolizei“. So nennen sich die Frankfurter Ordnungsamtsleute seit 2007.

„Widerstandsneigung“ zugenommen

Insgesamt, so Heinrich, habe die „Widerstandsneigung“ in der Bevölkerung zugenommen. In den vergangenen Jahren habe man immer nur die Waffe zücken, aber niemals schießen müssen. „Wir müssen mit sozialer Kompetenz gegenhalten“, so Heinrich.

Als extrem wichtig erachten die Sicherheitsfachleute die Präsenz der Polizisten im öffentlichen Raum. Hier steigerte man den Anteil der Fußstreifen an den Gesamtstreifenstunden - man ist auch mit Auto, Motorrad und Sicherheitsmobil unterwegs - auf über 30 Prozent. Schwerpunkte waren die Innenstadt und das Bahnhofsviertel. Präsenz zeigen will man aber auch in den 43 Stadtteilen. Hier hat man im vergangenen Jahr erstmals mehr als 50 000 Streifenstunden zurückgelegt.

Die Vermittlung des Gefühls subjektiver Sicherheit, so Bannach, sei auch in wirtschaftlicher Hinsicht von großer Bedeutung. „Wenn wir Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit nicht gewährleisten, sind alle Investitionen in den Standort Frankfurt umsonst“, so Bannach. 20 Millionen Euro lässt sich die Mainmetropole die städtischen Polizisten kosten. „Gut angelegtes Geld“, so der Ordnungsamtschef. Auch bei Kleinigkeiten müsse der Bürger das Gefühl haben, mit Beschwerden Gehör zu finden. Die Landespolizei übernehme die schwereren Fälle, die Aufgabenabgrenzung funktioniere. „Das ist unser großer Bruder“, so Bannach.

Bürger fühlten sich zunehmend sicher

Insgesamt fühlten sich die Bürger zunehmend sicher, so Stadtrat Frank. Habe vor 20 Jahren eine Umfrage ergeben, dass 56 Prozent aller Frankfurter Sorge hatten, in nächster Zeit Opfer einer Straftat zu werden, liege dieser Anteil nun bei 14 Prozent. Auch sei „Sicherheit“ nicht mehr wie lange Jahre zuvor die Sorge Nummer eins bei den Bürgern. Im Unterschied zu der Jahr für Jahr fälschlicherweise nachgebeteten Meldung von „Frankfurt, der Hauptstadt des Verbrechens“ schätze die einheimische Bevölkerung ihre Stadt als sicher ein. Einen Schwerpunkt bildete im vergangenen Jahr die Kontrolle der „Shisha-Bars“. Nach mehreren Vorfällen in Wiesbaden und andernorts, wo Wasserpfeifen-Raucher wegen unzureichender Belüftung Kohlenmonoxid-Vergiftungen erlitten hatten, intensivierte man in Frankfurt die Überwachung der Betriebe. Allerdings, so Frank, sei aufgefallen, dass sowohl Inhaber als auch Gäste eine erschreckende Sorglosigkeit hinsichtlich der Gefahren durch die benutzte Holzkohle an den Tag gelegt hätten. Man sei bei Hinweisen auf die Erstickungsgefahr bisweilen ausgelacht worden, so Frank. Allerdings sei bei den Gastronomen trotzdem die Bereitschaft da, bessere Belüftungsanlagen einzubauen. Frank rät den Betreibern zu Kohlenmonoxid-Warngeräten. Diese seien schon für rund 30 Euro erhältlich.

Aufrecht erhalten wird man den auf 3 455 Kontrollen gesteigerten Überwachungsdruck bei Hundehaltern (2011: 2 667 Kontrollen). Insbesondere die Halter von gefährlichen Hunderassen, gaben Anlass zu Beanstandungen. Bei 42 Prozent aller Kontrollen von Kampfhunden oder in 126 von 297 Fällen verhängte die Polizei ein Buß- oder Verwarnungsgeld, weil die Herrchen „ihren erhöhten Sicherheitspflichten nicht nachgekommen waren“. Bei normalen Hunden gab es nur in sechs Prozent der Fälle Beanstandungen. Grund für Bußgeld sind hier das Fehlen der Steuermarke, fehlende Leine in Hundeverbotszonen, und das Unterlassen der Kotbeseitigung.

Quelle: op-online.de

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