Menschen, Tiere, Sensationen

Waghalsige Manegen-Künste

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Hals- und Beinbruch: Nancy und Carlo Triberti präsentieren ihre rasante Rollschuh-Akrobatik.

Frankfurt - Der Circus Carl Busch gastiert bis 9. Juni an der Borsigallee in Frankfurt. Rund fünfzehn Artisten präsentieren ein zweieinhalbstündiges, fesselndes Programm mit Tigern, Elefanten, Akrobatik, Zauberei und Clownerie. Von Christina Lenz

Das Raubtier reckt sich fauchend in Richtung Zuschauerreihe. Aus dem aufgerissenen Maul ragen vier scharfe Eckzähne. Für die Tigernummer hat der Circus Busch eigens ein hohes Gitter rund um die Manege aufgestellt. Die einschüchternden Posen der Dompteuse Carmen Zander machen klar: sie wird in den nächsten fünfzehn Minuten in der Manege das Sagen haben. Die fünf Tiger springen auf Podeste, durch Reifen und übereinander - aber nur, wenn es ihre Dompteuse will.

Umgang mit Tieren noch zeitgemäß?

Die Faszination an der klassischen Raubtiernummer befeuert das Kopfkino. Könnten die Tiger plötzlich zu ihrem genetisch programmierten Verhalten zurückkehren, zum Angriff übergehen oder gar zum Töten? Zunächst entsteht die perfekte Illusion, Tiger seien kuschelige Zeitgenossen, auf deren Rücken man, wie es die Dompteuse tut, entspannt Platz nehmen kann. Einmal nähert sie sich sogar mit einem Fleischspieß im Mund dem riesigen Maul eines der Raubtiere. Der Tiger leckt das Stück Fleisch mit seiner Zunge ab. Er wirkt in diesem Moment so harmlos wie ein riesiges Plüschtier. Doch hinter dem Auftritt steht nicht nur ein liebevolles Verhältnis zwischen Mensch und Tier, sondern hartes Training und konsequente Dressur. Ob dieser Umgang mit Tieren noch zeitgemäß ist, darüber lässt sich gewiss streiten

In der Pause klagt Zirkussprecher Reto Hütter über die anhaltende Kritik an den Dressuren: „Obwohl wir zertifiziert sind und ständig veterinär überprüft werden, reißt das Misstrauen nicht ab.“ Hütter schwärmt von einer Zirkuskultur, die noch wirkliches Ansehen genießt, wie in Monte Carlo, wo die monegassische Fürstenfamilie den Shows regelmäßig beiwohnt. Oder wie in der Schweiz, wo der Zirkus Knie mit seinen rund 100 Tieren nach wie vor Massen begeistert.

Clowns mit roten Knollennasen und Pumphosen

Es gibt an diesem Abend jedoch mehr als Tiernummern zu bestaunen: Ein Jongleur wirbelt bis zu sechs Keulen und Teller durch die Luft, ein Seiltänzer vollführt spektakuläre Rückwärtssalti. Die Körperbeherrschung beeindruckt. Alles ist echt, nichts kann rausgeschnitten oder nachbearbeitet werden wie in den perfekten Unterhaltungsshows im Fernsehen.

Clowns mit roten Knollennasen und Pumphosen grimassieren und blödeln. Die Grenze zwischen Manege und Zuschauern wird von den Harlekinen unbekümmert überschritten. Auch der Auftritt eines verwegenen Zaubermeisters beeindruckt. Er lässt zwei Frauen in Sekundenschnelle in einer brennenden Kiste verschwinden und zaubert sie genauso schnell wieder heraus. Offene Münder, rauschender Applaus. Wie ein Schmetterlinge fliegt eine Akrobatin durch die Manege und singt dabei sogar eine Arie. Man bestaunt den Anblick dieser schwebenden Frau, die ihren Körper spektakulär verbiegt.

Dass es einen freut, die Artisten ohne mediale Filter bei ihrem ästhetischen Spiel, ihrer Körperbeherrschung und ihrem Einfallsreichtum zu beobachten, ist der stärkste Eindruck, den dieser Abend hinterlässt.

Quelle: op-online.de

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