Der Wahlkampf hat schon begonnen

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Werben Rücken an Rücken: Petra Roth und Boris Rhein.

Frankfurt - Frankfurts scheidende OB Petra Roth und ihr Wunschnachfolger Boris Rhein (beide CDU) posieren auf dem Wahlplakat wie „Zwei gegen den Rest der Welt“. Von Ira Schaible

Rücken an Rücken werben die dienstälteste Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt und der hessische Innenminister im OB-Wahlkampf. „Auf ein neues Gutes“ lautet - passend zum Jahreswechsel - der Slogan. Ob der 40-jährige „Frankfurter Bub“ am 11. März zum Oberbürgermeister der fünftgrößten Stadt Deutschlands gewählt wird, ist aber noch längst nicht ausgemacht.

Nach 17 Jahren ist Schluss für Petra Roth

Die 67 Jahre alte Roth tritt aus Altersgründen nicht mehr an. Nach rund 17 Amtsjahren hört die erste Frau an der Spitze Frankfurts ein Jahr früher auf als geplant. Sie wolle einen Generationswechsel einleiten und die OB-Wahl möglichst unbeeinflusst von der Bundestags- und der Landtagswahl belassen, hatte sie ihren überraschenden Rückzug Anfang November begründet. Dabei präsentierte sie zugleich Rhein als CDU-Kandidaten für ihren Posten.

Rhein ist zwar der einzig prominente Kandidat, muss im ersten Wahlgang aber mit mindestens acht Mitbewerbern rechnen. Und um zu gewinnen, braucht er bei der Direktwahl die absolute Mehrheit. Noch nicht absehbar ist auch, ob die Wähler Rheins Haltung zum Nachtflugverbot abstrafen oder belohnen. Als Innenminister vertritt Rhein die Klage der schwarz-gelben Landesregierung gegen das Nachtflugverbot mit. Zugleich forderte er als OB-Kandidat als erstes Mitglied der Landesregierung „ohne Wenn und Aber“ ein striktes Nachtflugverbot.

Leipzig entscheidet zwei Tage nach OB-Wahl über Nachtflugverbot

Fluglärm ist das Hauptthema im beginnenden Wahlkampf - auch wenn fraglich ist, welchen Handlungsspielraum ein Frankfurter OB noch hat. Voraussichtlich zwei Tage nach der OB-Wahl beginnt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit der endgültigen Verhandlung über das Nachtflugverbot. Die Landesregierung begründet ihre Klage inzwischen offiziell damit, Rechtssicherheit haben zu wollen.

Die größten Chancen gegen Rhein werden in der schwarz-grün regierten Metropole Rosemarie Heilig von den Grünen eingeräumt. Die 55-Jährige betont seit ihrer Nominierung die Probleme des Flughafenausbaus und macht sich laut „Frankfurter Rundschau“ für eine Schließung der neuen Landebahn und deren Rückbau stark. Möglicherweise bringt dies der designierten Umweltdezernentin Stimmen ein, zumal sie bislang nicht dem Magistrat angehört. Vielleicht nehmen es viele grüne Wähler ihrer Partei aber auch übel, dass sie das Thema Flughafenausbau in der Koalition mit der Befürworterin CDU jahrelang ausgeklammert hat.

Die Flughafenausbaugegner (FAG) jedenfalls - deren oberstes Ziel die Stilllegung der neuen Landebahn ist - schicken Ursula Fechter (66) in den Wahlkampf um den Chefsessel im Rathaus Römer. Auch Janine Wissler (30) hat sich die Stilllegung der Nordbahn auf ihre Fahnen geschrieben. Die Fraktionschefin der Linken im Landtag will auch OB werden.

SPD sieht sich nicht in der Favoritenrolle

SPD-Kandidat Peter Feldmann (53) steht dagegen weiter zum Flughafen als Jobmotor, will sich aber für die Ausweitung des derzeitig gültigen Nachtflugverbots um zwei Stunden auf 22 bis 6 Uhr stark machen. Frachtflüge sollten zudem auf den Flughafen Hahn im Hunsrück verlagert werden. „Gemeinsam gut Leben“ steht auf den Wahlplakaten, die den Überraschungssieger des Mitgliederentscheids seiner Partei lächelnd vor dem Rathaus Römer zeigen. Für den Fall seiner Wahl kündigte er auch ein 100-Millionen-Programm für bezahlbare Wohnungen an. Der Sozialpolitiker hat allerdings selbst nach Einschätzung von SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel keine Favoritenrolle.

Die Piratenpartei schickt Tee-Sommelier Herbert Förster ins Rennen. Der 45-Jährige sieht sich selbst als linksliberal und wechselte vor zwei Jahren von der SPD zu den Piraten.

Die FDP verzichtet auf einen eigenen Kandidaten. Als Außenseiter gelten der frühere Chefredakteur des Frankfurter Satiremagazins „Titanic“, Oliver Maria Schmitt (45) von Der Partei sowie die Einzelbewerber Carl Maria Schulte und Jean-Jules Tatchouop. Plötzlich ohne Kandidat sind Medienberichten zufolge die Freien Wähler: Der von ihnen nominierte Reinhard Kölsch hatte jüngst erklärt, dass er aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht.

Quelle: op-online.de

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