Verhaltenskodex der Landesregierung

Wald bekommt Hausordnung

+

Hanau/Offenbach - Die Demonstrationen von Mountainbikern und Reitern sind noch gut in Erinnerung: Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) hatte vergangenes Jahr eine hitzige Debatte über die Nutzung losgetreten, als sie ein neues Waldgesetz ankündigte, nach dem etwa das Radfahren im Wald eingeschränkt werden sollte.

Insbesondere die Mountain-Biker fürchteten um die Ausübung ihres Sports und hatten Nachbesserungen verlangt. „Wir haben die Debatte eigentlich erst richtig losgetreten,“ sagte Thomas Kleinjohann, Vorsitzender der Deutschen Initiative Mountainbike e. V.

Die harsche Kritik zeigte Wirkung, die Ministerin gab nach, korrigierte ihre Pläne und rief einen „Runden Tisch“ mit Verbänden und Institutionen zusammen. Gestern war es dann soweit: Mitten im Grün des Klein-Auheimer Wildparks Alte Fasanerie unterschrieb Puttrich zusammen mit Vertretern von 27 Organisationen und Institutionen aus Sport und Naturschutz die „Vereinbarung Wald und Sport“.

In erster Linie geht es um Verhaltensregeln, mit denen der Konflikt zwischen Naturschutz, sportlicher Betätigung im Wald und Erholungsbedürfnis ausgeräumt werden soll. Eine „Vereinbarung des konstruktiven Miteinanders,“ wie es die Ministerin nannte. „Im gemeinsamen Gespräch sind für alle Beteiligten einvernehmliche Lösungen gefunden worden, die sich auch im Waldgesetz niedergeschlagen haben“, sagte Kleinjohann. Mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition war das Gesetz Ende Juni im Landtag verabschiedet worden.

15 Verhaltensregeln

Nach der Einigung über den Gesetzestext habe sich der „Runde Tisch“ allerdings nicht aufgelöst. „Wir machen weiter,“ hat es laut Ministerin Puttrich geheißen. Bei weiteren Treffen wurden die Selbstverpflichtungen entwickelt, die jetzt abseits des geltenden Waldgesetzes von allen Nutzern Beachtung finden sollen. Für Rolf Hocke, Vizepräsident des Landessportbundes, ist die Unterzeichnung der Vereinbarung eine gute Voraussetzung dafür, „dass wir den Wald auch weiterhin konfliktfrei betreten können.“ Es sei „ein guter Tag für den Sport insgesamt“.

Lesen Sie hierzu auch das

Pro von Michael Eschenauer

Kontra von Ralf Enders

Die Vereinbarung mahnt in 15 Verhaltensregeln zum rücksichtsvollen Umgang der Waldnutzer untereinander ebenso wie zum Schutz des Lebensraumes Wald. Dazu gehört das Mitnehmen des eigenen Mülls ebenso wie das Fahren und Reiten nur auf Wegen – bei angepasster Geschwindigkleit. Erinnert wird an das Verbot offenen Feuers im Wald und an die Leinenpflicht für Hunde. „Selbstverständlichkeiten“ zwar, wie Michael Freiherr von der Tann vom Hessischen Waldbesitzerverband sagte, „die aber nicht immer selbstverständlich sind.“

Alle Verbände werden jetzt, so wurde es gestern im Wildpark vereinbart, an der Umsetzung der Verhaltensregeln arbeiten. Sogar Eingang in die Umwelterziehung, die erklärtes Ziele vieler Verbände ist, soll die Vereinbarung finden.

Der forstpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Heinz Lotz gratulierte den Waldsportlern und Naturschutzverbänden zu den erfolgreichen Protesten gegen das geplante Waldbetretungsrecht. „Es ist das Schicksal von Umweltministerin Puttrich, dass sie ständig Lösungen finden muss, für Probleme, dessen Ursache sie selbst ist. Das geplante Betretungsrecht im ursprünglichen Waldgesetzentwurf war derart katastrophal, dass es Massenproteste von Opposition, Naturschützern und Waldsportlern ausgelöst hat“, so Lotz. Die jetzt gefundene Vereinbarung sei in Wahrheit Puttrichs Eingeständnis des eigenen Versagens. Lotz sprach sich für individuelle Lösungen vor Ort aus: „Es ist wichtig, Lebensraumkonzepte für den Wald zu erstellen, die den jeweiligen Situationen gerecht werden.“

kö/psh

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare