Experte Armin Heßler vom Steuerberaterverband gibt Tipps

Wann Rentner Steuern zahlen müssen

Offenbach - Viele Senioren werden im nächsten Jahr mit weniger Geld auskommen müssen. Grund ist, dass mehr Rentner steuerpflichtig werden. Von Peter Schulte-Holtey

Armin Heßler, Vizepräsident für Öffentlichkeitsarbeit beim Steuerberaterverband Hessen, erklärt, wann Rentner Steuern zahlen müssen:

Wer ist betroffen?

Insbesondere Rentner mit weiteren Einkünften, zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung oder aus einer betrieblichen Versorgung sowie diejenigen mit höheren Rentenbezügen. Wenn einer der Eheleute noch im aktiven Erwerbsprozess steht oder beide Ehegatten Rentenbezüge erhalten, wird ebenfalls in vielen Fällen eine Steuererklärung abzugeben sein. Neurentner müssen mit einer höheren Besteuerung rechnen als solche, die bereits vor zehn Jahren in Rente gegangen sind. Damals betrug der zu versteuernde Anteil nur 50 Prozent, während solche, die 2015 in Rente gegangen sind, bereits 70 Prozent versteuern müssen. Bei denjenigen, die 2016 in Rente gehen, werden 72 Prozent der Bezüge einer Besteuerung unterzogen.

Was wird besteuert?

Das ist der Anteil der Renten, der für den jeweiligen Jahrgang gilt, zum Beispiel Eintrittsjahrgang 2005 und früher: 50 Prozent. Der Anteil erhöht sich jedes Jahr um zwei Prozent, 2015 unterliegen also 70 Prozent der Besteuerung.

Was passiert bei einer Rentenerhöhung?

Rentenerhöhungen werden in voller Höhe versteuert.

Welcher Freibetrag gilt denn für die Rente, was muss beachtet werden?

Die höchste Jahresbruttorente 2015, die noch steuerfrei bleibt, liegt dann im Falle eines Rentenbeginns im letzten Jahr bei 14 820 Euro. Der Besteuerungsanteil beträgt dann 68 Prozent. Bei einem Rentenbeginn 2010 sind es 16 508 Euro und bei einem Rentenstart 2005 und früher 19 186 Euro. Daneben gibt es noch einen Werbungskostenfreibetrag von 102 Euro pro Jahr.

Gibt es ein steuerfreies Existenzminimum für Rentner?

Ja, das gibt es natürlich auch. Es beträgt für einen Alleinstehenden 8 472 und für Eheleute 16 944 Euro.

Und alles über dem Existenzminimum wird dann auch versteuert?

Oft haben Rentner und Rentnerinnen deutlich höhere steuerlich abzugsfähige Aufwendungen – zum Beispiel Vorsorgeaufwendungen, nicht erstattete Krankheitskosten, Pauschbeträge für behinderte Menschen. Dann fällt auch für eine höhere Rente keine Steuer an.

Können Sie auch Beispiele nennen ...

Beispiel 1: A und B sind verheiratet. Sie erhalten Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung – Rentenbeginn vor 2005, keine Rentenanpassungen. Die Bezüge 2015 betragen monatlich insgesamt 2200 Euro, das sind im Jahr 26.400 Euro. Andere Einkünfte erzielen sie nicht. Der Besteuerungsanteil der Altersrente beträgt 50 Prozent, der steuerfreie Teil der Rente 13.200 Euro. Abzüglich des Werbungskosten-Pauschbetrags – also 102 Euro x 2 = 204 Euro – ergeben sich Einkünfte in Höhe von 12.996 Euro. Da das zu versteuernde Einkommen unter dem Grundfreibetrag – 2015 sind das 16.944 Euro – liegt, fällt keine Einkommensteuer an.

Ein zweites Beispiel 2: C und D sind verheiratet. Sie erhalten Altersrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung – Rentenbeginn 2015, keine Rentenanpassungen. Die Rentenbezüge 2015 betragen monatlich insgesamt 2200 Euro, das sind im Jahr 26.400 Euro. Außerdem erzielen sie aus einer vermieteten Wohnung einen Überschuss von 10.000 Euro. Der Besteuerungsanteil der Altersrente beträgt 70 Prozent, der steuerfreie Teil der Rente 7 920 Euro. Abzüglich des Werbungskosten-Pauschbetrags von 204 Euro ergeben sich Einkünfte in Höhe von 18.276 Euro. Die anzuerkennenden Sonderausgaben betragen 2000 Euro. Die Rechnung sieht also so aus: Zu versteuernde Renten 18.276 Euro, Überschuss aus Wohnungsvermietung 10.000 Euro, abzüglich Sonderausgaben von 2000 Euro, es bleibt ein zu versteuernde Einkommen von 26.276 Euro. Es fällt also eine Steuer in Höhe von 1740 Euro an.

Quelle: op-online.de

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