Es waren drei Brüder und eine Radarfalle ...

Frankfurt - Verkehrsunfälle, Ruhestörung, häusliche Gewalt - und danach noch der ganze Papierkram: Das ist Polizeialltag landauf, landab. Aber oft genug entpuppen sich Einsätze auch als derart lustige Begebenheiten, dass es den Ordnungshütern schwerfällt, nicht sofort laut loszuprusten. Von Heiko Lossie (dpa)

Sascha Lapp, Polizeireporter beim Hörfunksender hr3, sammelt solche Fälle. Jeden Freitag präsentiert er sie seinen Hörern. Eine Auswahl der besten Geschichten aus Hessens Polizeialltag hat er nun für ein Buch aufgeschrieben. 150 Anekdoten erzählen von Ganoven, die dümmer sind, als die Polizei erlaubt. Aber auch von hessischen Bürgern in den kuriosesten Notsituationen. „Mein Favorit ist die Geschichte mit dem Krähenangriff, bei dem sogar die Polizei machtlos war“, sagte Autor Lapp. Im Stadtteil Eschersheim hatte der Hund eines 69-Jährigen beim Gassigehen eine Krähe attackiert. Nach dem Angriff war der Vogel nachtragend: Immer, wenn der Hundebesitzer oder der Vierbeiner vor die Tür traten, fiel ein ganzer Krähenschwarm über sie her und hackte auf sie ein. „Die Polizei hat die Jagdbehörde zur Hilfe geholt“, erinnert sich Lapp.

Der 36 Jahre alte Hörfunkjournalist Lapp wühlt sich täglich durch gut 100 Pressemeldungen aus den sieben hessischen Polizeipräsidien. Und so findet er dann oft auch wahre Schätze. Etwa die Anekdote mit den drei Brüdern und der Radarfalle: 18 Kilometer pro Stunde zu schnell war ein 26-Jähriger in Gießen - und seine Papiere lagen zu Hause. Der herbeigerufener Bruder war dann beim eiligen Vorbeibringen des Führerscheins auch ein wenig zu rasant und wurde ebenfalls geblitzt. Den Vogel schoss aber der dritte der Brüder ab, als er sich abends selbst ein Bild vom Ort des Vorfalls machen wollte. Dumm nur: Die Polizei kontrollierte dort immer noch und erwischte Bruder Nummer drei sogar mit Tempo 114 - locker doppelt so schnell wie erlaubt.

Oft sind es auch Kriminelle, die mit ihrer Schusseligkeit Stoff für das Buch lieferten. So ließ ein Juwelendieb seinen Geldbeutel samt Ausweis in den geplünderten Auslagen liegen. Ein anderer Einbrecher schlenderte nach einem Bruch samt Beute in der Hand und Vorschlaghammer über der Schulter nach Hause. Und ein per Haftbefehl gesuchter Niedersachse nahm in Marburg einen Handwerkerjob in einer Polizeistation an - die obligatorische Sicherheitsüberprüfung von Menschen, die in Polizeiwachen arbeiten, ließen ihn nicht weit kommen. Ein ähnliches „Heimspiel“ hatten auch Beamte in Frankfurt, als ein mit Handschellen gefesselter Mann ihre Wache betrat und mit dem Satz „Ein Freund von mir hat Spaß gemacht“ um Hilfe bat. Dem kam die Polizei aber nicht nach - der Mann war von einem Sicherheitsdienst gefesselt worden und danach getürmt.

Sascha Lapp: „Polizeireport“. 95 Seiten. 9,90 Euro. ISBN: 978-3- 940168-41-2

Ein anrüchiger Fall: In Maintal verschwand ein Hotelgast ohne zu bezahlen - ließ im Zimmer aber eine dreckige Unterhose zurück. Dank der guten „Spurenlage“ fand die Polizei genug DNA, mit der sie den Mann überführen konnte. Und wer glaubt, dass es nicht kurioser geht, wird schon im Vorwort eines Besseren belehrt: Michael Schmidt, leitender Polizeibeamter aus Offenbach, fuhr eines Nachts in Obertshausen mit einer Zivilstreife an einem Blitzer vorbei, auf dem ein Mann thronte und mit einem Akkuschrauber hantierte. Seine Aussage „Ich bin vom Ordnungsamt und repariere die Messanlage“ überzeugte nicht wirklich.

Quelle: op-online.de

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