Waschbeton-Klotz weicht Viertel mit 30 Häusern

Frankfurt ‐ Der Countdown läuft: Nach 37 Jahren naht das Ende des Technischen Rathauses in Frankfurt. Der zwischen Römerberg und Kaiserdom gelegene Betonklotz räumt den Platz für die neue Altstadt. Frankfurt plant die Rekonstruktion von Teilen seiner mittelalterlichen Stadt. Von Michael Eschenauer

Einige der markantesten Gebäude der einstmals größten zusammenhängenden Altstadt Deutschlands sollen wiedererstehen. Das Technische Rathaus wird weichen, im Januar beginnt der Abriss. Von außen betrachtet wirkt der Bau aus Waschbeton wie eine Trutzburg. Seine gewaltigen Dimensionen lassen sich nur erahnen. Bei den Frankfurtern war das in den siebziger Jahren errichtete Gebäude eher unbeliebt. Dass es 1974, zwei Jahre nach der Fertigstellung, als Beispiel für vorbildliches Bauen gekürt wurde, verbesserte die Akzeptanz nicht.

Die 550 Mitarbeiter, die hier in fünf städtischen Ämtern ihre Schreibtische hatten, sind im November 2009 ausgezogen. Ihr neues Domizil liegt nur ein paar Ecken weiter in der Nähe der Einkaufsstraße Zeil. „Unser Umzug war der erste nach außen wahrnehmbare Schritt zur Umgestaltung der Altstadt“, sagt der Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz, Mark Gellert. Noch augenfälliger wird der Neubeginn im Herzen der Stadt, wenn im Dezember die Sanierer anrücken und 2010 die Bagger.

Rathaus-Pförtnerloge bleibt vorerst stehen

Nach den derzeitigen Plänen beginnt die Zerstörungsarbeit an der zum historischen Kaiserdom gerichteten Gebäudeseite. Die Ebene der Rathaus-Pförtnerloge vis-à-vis der Frankfurter Kunsthalle Schirn bleibt vorerst stehen. Der Gebäudeteil wird noch benötigt, um den Baugrund gegen von unten drückendes Grundwasser im Gleichgewicht zu halten.

Die kompletten Abriss- und Umbauarbeiten veranschlagt die Stadt auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Für eine Reihe von Projekten laufen Vergabeverfahren. In gut einem Jahr soll das Technische Rathaus endgültig Geschichte sein. Spuren davon werden den Bürgern eventuell eines Tages zu Füßen liegen: als recyceltes Material im Straßenbau.

An Stelle des Technischen Rathauses sollen bis 2013 etwa 30 neue Häuser entstehen. Ein Ensemble aus wahrscheinlich sechs Gebäuden wird historischen Vorbildern nachgebildet. Die Fassaden der übrigen Neubauten sollen sich ebenfalls an dem mittelalterlichen Stil der ehemaligen Altstadthäuser orientieren, deren Pracht 1944 in einer Bombennacht des Zweiten Weltkriegs unterging. Im Zuge der Altstadt-Rekonstruktion könnten Frankfurter und Besucher aus aller Welt eines Tages vielleicht wieder dem Krönungsweg folgen, jenem Weg, den die Gekrönten einst nach der Zeremonie im Dom zum Festmahl im Römer nahmen. Von der „neuen“ Altstadt erhoffen sich die Frankfurter jedenfalls, dass sie zu einer ebensolchen Attraktion wird wie die „Ostzeile“ auf dem Römerberg.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Christoph-Aron / Pixelio

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