Neue Energie-Anlage bei Frankfurter Mainova

Wasserstoff als Speichermedium

+
Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und seine rheinland-pfälzische Amtskollegin Eveline Lemke vor der Strom- zu-Gas-Demonstrationsanlage auf dem Gelände der Mainova.

Frankfurt - Ein chemisches Element zur Speicherung von überschüssiger Energie – das klingt erst mal ungewöhnlich. Doch genau nach diesem Prinzip läuft die neue Anlage, die gestern am Gelände der Mainova den Betrieb offiziell aufgenommen hat. Strom wird dabei in Wasserstoff verwandelt.  Von Sabrina Kristen 

„Speichertechnologien zu entwickeln, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die Energiewende, wenn die Integration von Wind- und Solarstrom gelingen soll. Die beteiligten Unternehmen leisten mit ihrer innovativen Anlage einen wichtigen Beitrag“, erklärte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bei der gestrigen Inbetriebnahme der Strom- zu Gas-Demonstrationsanlage in Frankfurt. Die Investition von rund 1,5 Millionen Euro haben 13 Unternehmen aus der Thüga-Gruppe erbracht, darunter der Stromversorger der Bankenstadt, Mainova. „Frankfurt macht es möglich, dass ganz Deutschland klimatechnisch vorankommt“, sagte Petra Roth, Frankfurts ehemalige Oberbürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Thüga-Gruppe.

Der unregelmäßig anfallende Ökostrom aus Sonne und Wind wird in der neuen Anlage eingesetzt, um Wasser per Elektrolyse in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten. Der Wasserstoff kann dann in begrenzter Konzentration dem Erdgas beigemischt und zur späteren Energienutzung verbrannt werden.

„Der Praxistest, der seit vergangenem November läuft, ist erfolgreich bestanden und der Probebetrieb läuft einwandfrei“, berichtete Mainova-Vorsitzender Constantin Alsheimer und ergänzte: „Zwar ist die Wirtschaftlichkeit der Anlage noch nicht gegeben, aber das wird wohl sehr bald der Fall sein.“

Veränderung der Technik

Bereits Ende März wurde die Anlage geprüft und abgenommen. Der Protonen-Austausch-Membran (PEM)-Elektrolyseur der Firma ITM Power ist das Kernstück der Anlage. Er wandelt elektrische Energie in chemisch gebundene um und macht somit den Strom speicherbar. Die Gasdruckregelmess- und Mischanlage sorgt dafür, dass die Zumischung an Wasserstoff im Gasverteilnetz zwei Volumenprozent nicht überschreitet.

„Energiewende bedeutet vor allem auch die Veränderung der Technik. Es gibt hier keinen Königsweg, denn in ganz vielen Bereichen muss etwas gemacht werden. Aber die neue Öko-Stromanlage fördert Hessens Ruf als Innovationsstandort“, sagte Tarek Al-Wazir.

Eine Erweiterung der Anlage, die derzeit 60 Kubikmeter Wasserstoff in der Stunde erzeugen kann, sei für 2016 angedacht, teilte Alsheimer mit. Aber zunächst müsse in den nächsten Monaten der Ablauf der Anlage optimiert und analysiert werden. Danach soll in einem weiteren Prozessschritt der Wasserstoff mit Kohlendioxid zum Gas Methan gewandelt werden. Dieses könnte unbeschränkt gespeichert und dem Erdgas beigemischt werden. Es sei davon auszugehen, dass das deutsche Gasverteilnetz die überschüssige Windstromproduktion von 30 Tagen aufnehmen könnte, heißt es. Die Kapazität der deutschen Pumpspeicherkraftwerke sei hingegen bereits nach sechs Stunden erschöpft.

Wie sicher ist unsere Stromversorgung?

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Fragen & Antworten

Angesichts der hohen zu speichernden Energievolumina hat die Strom- zu Gas-Technologie eine große Bedeutung. Nach einer Analyse der Thüga könnte der Speicherbedarf 2020 bei 17 Terawattstunden (TWh) und im Jahr 2050 bereits bei 50 TWh liegen. „Unser langfristiges Ziel ist, dass im Jahr 2030 der Anteil der erneuerbaren Energie bereits über 40 Prozent beträgt. Das wäre ein toller Erfolg für die gesamte Bundesrepublik“, erklärte der hessische Wirtschaftsminister Al-Wazir.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare