Von wegen reine Männersache

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Frauen ohne Pokerface – das „Skill7“ Ladies Skat Team: Carmen Hentschel, Ruth Herr und Stefanie Bergener – Vize-Weltmeisterin 2008 und Offenbacher Unternehmerin.

Drei Frauen gegen neun hessische Spieler: Es ist ein Turnier, bei dem es nicht nur um Spaß und Geselligkeit geht, sondern auch um eine beachtliche Summe Geld. Von Domenico Sciurti

Im Marriott-Hotel Frankfurt treffen sich etwa 25 Skat-Liebhaber bei einer Veranstaltung des Online-Spieleportals „Skill7“. Darunter auch Stefanie Bergener, die Vize-Weltmeisterin im Frauen-Poker aus dem Jahr 2008. „Ich wollte schon immer die Sachen machen, die Jungs machen“, erklärt sie. Deswegen spielt sie Poker, und so ist sie auch zum Skat gekommen. Beides ist für sie eine von Männern dominierte Welt. Bergener findet sich in dieser Welt jedoch sehr gut zurecht. Denn obwohl sie erst 2006 mit dem Kartenspielen angefangen hat, machte sie eine steile Karriere.

Mit Black Jack fing sie in einem Casino an, bis ein Croupier ihr sagte, dass Poker spannender sei. Sie übte im Internet, dann wieder im Casino. Später nahm sie an einem Online-Casting teil, wo sie sich unter 30.000 Mitstreitern bewährte. Nur zwei Jahre später wurde Bergener in London zur Vizeweltmeisterin im Frauenpoker gekürt.

Das Turnier beginnt. Sie setzt sich an den Tisch.

Heute spielt sie Skat. „Beim Poker gehört eine große Portion Glück dazu“, erklärt sie. „Das hat mich immer geärgert. Skat beinhaltet mehr Taktik.“ Die zweifache Mutter, Fotografin und Inhaberin einer in Offenbach ansässigen Werbe- und Marketingfirma freut sich über das Turnier: „Ich möchte, dass das Skat-Spiel denselben Boom erlebt wie Poker. Es soll vom Hinterzimmer-Image weg und mehr Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit erhalten.“

Das Turnier beginnt. Sie setzt sich an den Tisch. Ihre Spiel-Kolleginnen – Schauspielerin und Moderatorin Carmen Hentschel und Journalistin Ruth Herr – setzen sich je an die anderen Tische. Die restlichen Mitstreiter verteilen sich auf die leeren neun Plätze. Sofort geht‘s los.

Es ist nicht wie beim Poker. Keine von Konzentration gespannte Atmosphäre, keine ernsten Mienen – kein einziges Pokerface ist zu sehen. Fast wie beim Kaffeeklatsch unterhalten sich alle sehr entspannt. Es wird viel gelacht. „Woa bis du hea“, fängt eine bayerische Mitstreiterin fröhlich an zu plaudern.

Die jüngste Skatspielerin ist 21 Jahre alt

Drei Runden mit je zwölf Spielen werden ausgetragen. Keiner der Teilnehmer zeigt Starallüren, auch wenn unter den Anwesenden mehrere bereits wichtige Titel gewonnen haben. Da ist zum Beispiel Martina Schmidt, 42 Jahre alt. Sie ist amtierende Hessenmeisterin bei den Frauen. 2005 und 2007 war sie sogar Europameisterin. Dann ist da noch der 48-jährige Jürgen (Jogi) Engler. Er ist amtierender Deutscher Meister. Auch die jüngste Skatspielerin im Raum kann mit einigen Titeln prahlen. Nicole Rehorn ist 21 Jahre alt und ehemalige Deutsche Schüler- und Jugendmeisterin. Heute spielt sie in der ersten Damen-Bundesliga.

Alle neun Spieler wurden vom Präsidenten des Hessischen Skat-Sport-Verbandes Peter Luczak ausgewählt. Die Wahl von Rehorn bezeichnet er als eine Investition in die Zukunft: „Sie ist jung, sympathisch und spielt gut.“ Gut in die Zukunft investiert hat Luczak allem Anschein nach wirklich, denn es gewinnt tatsächlich die jüngste Spielerin im Raum – mit 1485 Punkten.

„Mit dem Sieg bekommt sie eine Geldprämie über 400 Euro. Außerdem wird sie mit den Zweit- und Drittplatzierten an noch einem Turnier teilnehmen, dass online stattfindet und bei dem wahrscheinlich eine höhere Geldsumme zu gewinnen sein wird“, sagt Christian Prechtl von der Heidelberger „Skill7“-Agentur Feuerstein.

Nach dem Turnier in Frankfurt zockt Nicole Rehborn noch mit Stefanie Bergener, Carmen Hentschel und Ruth Herr bei einem Freundschaftsspiel. Zufrieden und lachend sitzen die Frauen am Tisch. Skat ist wirklich keine reine Männersache.

Quelle: op-online.de

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