Weinlese

Hessische Winzer bauen roten Ur-Riesling an

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Oestrich-Winkel/Heppenheim - Riesling ist weiß und seine Trauben grün. Stimmt nicht ganz: Es gibt auch Riesling, der aus roten Früchten gepresst wird. Angebaut wird die exotische Sorte vor allem in Hessen - in wachsender Menge.

Die Trauben sind rot, doch heraus kommt Weißwein - und zwar Riesling. In Hessen wird eine Spielart der beliebten Sorte mit dunklen Trauben angebaut. Der rote Riesling verschwand im 19. Jahrhundert von den Weinbergen und fristete zuletzt sein Dasein als Forschungsobjekt. Bis vor einigen Jahren mehrere Winzer beschlossen, ihm neues Leben einzuhauchen.

Darunter war Ulrich Allendorf aus Oestrich-Winkel. Auf 1,5 Hektar wächst der rote Riesling inzwischen in seinen Weinbergen. Erstmals begegnet ist Allendorf dem exotischen Tropfen vor 13 Jahren bei einer Weinprobe am Rebenzüchtungsinstitut der Hochschule in Geisenheim. "Der Geschmack hat mich überzeugt, und dann ist es auch die Faszination, eine alte Sorte, den Ur-Riesling zu kultivieren", sagt er.

Bisher macht der rote Riesling aber nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktion bei Allendorf aus, die sich auf insgesamt 63 Hektar stützt. Allendorf baute die dunklen Trauben 2006 erstmals an, heute produziert er zwischen 6000 und 7000 Liter pro Jahr. Insgesamt 67 Winzer im Rheingau sowie an der Bergstraße setzen laut der hessischen Weinbaukartei inzwischen auf die Sorte. Auch auf einigen ostdeutschen Weinbergen wachsen die ungewöhnlichen Riesling-Trauben.

Im Vergleich mit anderen großen Sorten ist der rote Riesling eine Rarität, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. Marktrelevanz habe er nicht. Und dies zu ändern, sei angesichts der mehr als 100 Rebsorten, die in Deutschland angebaut würden, äußerst schwierig. Aber nicht unmöglich: "Auch der Sauvignon Blanc hat mal klein angefangen und ist jetzt ein "Shootingstar"", sagt Büscher.

Die hessischen Riesling-Winzer sind begeistert von ihrer Entdeckung, auch an der Bergstraße. "Bei uns ist die Sorte schon Kult", sagt Reinhard Antes aus Heppenheim, der die Reben nicht nur anbaut, sondern auch verkauft. Die Anfragen stapelten sich, auch aus anderen Bundesländern. Vor allem Winzer in Rheinland-Pfalz warteten darauf, dass der Anbau auch in ihrem Bundesland genehmigt werde.

Der Weinbauingenieur sagt der Exoten-Traube eine große Zukunft voraus: "Wir merken das auch jetzt in der Lesezeit, beim roten Riesling gibt es eindeutig weniger Fäulnis als beim weißen." Mit dieser Eigenschaft sei die rote Spielart besser für den Klimawandel gerüstet als die weiße: "Wenn es wärmer wird, reifen die Trauben schneller. Je früher sie reif sind, desto schneller faulen sie." Für ihn sei der rote Riesling ein Beispiel dafür, dass sich die Beschäftigung mit längst vergessenen Sorten lohne.

Auch der Rheingauer Winzer Allendorf findet, dass der rote Riesling besser auf den Klimawandel vorbereitet ist. Außer dass die Trauben feuchtes Wetter leichter vertragen, bekämen sie nämlich auch weniger leicht Sonnenbrand.

Quelle: op-online.de

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