Innenministerium warnt vor Extremismus

Hessische Salafisten in Syrien

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Wiesbaden - Das Land Hessen rechnet auch im neuen Jahr mit einer Gefährdung durch Salafisten. Vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund seien potentiell anfällig für deren Werbung von neuen Anhängern.

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 „Das ist kein Thema, das in sechs Monaten abgelöst wird“, sagte der Leiter des Hessischen Kompetenzzentrums für Extremismus, Gregor Dietz, der Nachrichtenagentur dpa. Sorgen bereiteten ihm Menschen aus Hessen, die als Dschihadisten zum Kampfeinsatz nach Syrien gingen und dann nach Deutschland zurückkehrten. Diese hätten sich dann oftmals weiter radikalisiert. Nach Angaben des Innenministeriums in Wiesbaden haben sich 30 Menschen aus Hessen auf den Weg nach Syrien gemacht. Sechs von ihnen sind laut Staatsanwaltschaft inzwischen wieder ins Rhein-Main-Gebiet zurückgekehrt.

Eine Untersuchung in Hessen hat gezeigt, dass Salafisten intensiv an Schulen um neue Anhänger werben. Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund scheinen die Islamisten am schnellsten Gehör zu finden. „Wenn Jugendliche Identitätskonflikte haben, sich von der Gesellschaft benachteiligt fühlen und zu wenig Beschäftigungsmöglichkeiten haben, können sie empfänglich für Salafisten sein“, so Dietz.

Hintergrund:

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islam, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. Sie vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und wenden sich gegen jede theologische Modernisierung. Das arabische Wort "Salaf" steht für: Ahnen, Vorfahren. Salafisten tragen Bärte und lange, knöchelfreie Gewänder oder Hosen. Sie vertreten diskriminierende Positionen gegenüber Frauen und bestehen auf deren Vollverschleierung.

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In Deutschland zählten die Salafisten nach Angaben der Innenbehörden 2012 rund 4500 Anhänger, 2011 waren es noch 3800. Teile der Bewegung stehen beim Verfassungsschutz im Verdacht, ein Sammelbecken für gewaltbereiten Islamismus zu sein und Verbindungen zu Terrornetzwerken zu pflegen. In der Bundesrepublik stand die terroristische Sauerland-Gruppe unter salafistischem Einfluss. Fast alle Islamisten in Deutschland, die den Dschihad ("Heiligen Krieg") befürworten, sind laut Verfassungsschutz mit dem Salafismus in Berührung gekommen.

dpa

Quelle: op-online.de

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