Neuer „Masterplan für Mobilität“ fordert angesichts der Mittelknappheit Verbesserung des bestehenden Verkehrsnetzes

Für welche Straßen soll Geld fließen?

Frankfurt - Einen „Masterplan für Mobilität in der Region“ hat jetzt die Gesellschaft für Integriertes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement (IVM) vorgelegt. Von Michael Eschenauer

Besondere Brisanz gewinnt das Konzept durch zwei Tatsachen: Erstens bietet es ein Berechnungsverfahren an, mit dem bei Infrastrukturmaßnahmen von Straße und Schiene das Kosten-Nutzen-Verhältnis ermittelt werden kann. Zweitens haben die Verkehrsexperten nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf dieser Basis bereits eine Art Hitliste der sinnvollsten Straßenbauprojekte erarbeitet. Die IVM wird getragen von Landkreisen und Städten in Rhein-Main sowie von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz. Sie steht unter der Führung des ehemaligen Präsidenten des Hessischen Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen, Jürg Sparmann. Vorgestellt wurde das neue Verfahren auf dem Kongress „Zukunft der Mobilität in Frankfurt/Rhein-Main“ in der IHK-Frankfurt.

Angesichts der äußerst begrenzten Mittel, die für den Bau- und Ausbau von Straßen und Schienenverbindungen im Rhein-Main-Gebiet in den kommenden zehn Jahren zur Verfügung stünden, sei eine genaue Abstimmung der Einzelmaßnahmen erforderlich, so Sparmann. Man solle die existierende Infrastruktur effektiver nutzen, statt immer neue Straßen zu bauen. Gleichzeitig seien Ideen zu forcieren, bei denen geringe Kosten zu relativ großen Verbesserungen führten.

Die Kosten der derzeit laufenen Baumaßnahmen sind hoch. So summieren sich die Kosten der vier größten Straßenbauprojekte - Verbindung A66/A661 und Riederwaldtunnel, Neubau der Schiersteiner Brücke bei Wiesbaden, Ortsumgehung Rüdesheim mit Tunnel und der Ausbau der A67 zwischen Darmstadt und Lorch - auf eine Milliarde Euro. Geplant sind des weiteren 31 Ortsumgehungen, neun Ortsumfahrten und der Ausbau von 29 Strecken und zwölf Knotenpunkten. Beim Schienenverkehr summieren sich sechs Projekte auf 1,25 Milliarden Euro. Die Rede ist hier von der S-Bahnstation Gateway Gardens, dem neuen Bahnhof für das Flughafenterminal 3, dem Ausbau der S6 von Frankfurt-West nach Bad Vilbel, der nordmainischen S-Bahn und der Regionaltangente West.

Für den Bereich Straße stehen bis 2022 in Hessen geschätzte 100 Millionen Euro Landesgelder und 500 Millionen Euro aus Berlin bereit. Angesichts der enormen Kosten, die sich bei der bisher weitgehend vernachlässigten Renovierung der Straßen und Brücken angesammelt haben, bleiben laut IVM-Analyse für den tatsächlichen Neu- und Ausbau von Straßen nur noch 45 Millionen Euro übrig. Damit, so Sparmann und seine Experten, sei eine effizientere Nutzung der vorhandenen Verkehrswege und ein möglichst maximalen Nutzen bringender Geldeinsatz unverzichtbar.

In das vom IVM vorgestellte Bewertungsverfahren für eine Priorisierung gehen laut FAZ Mobilitätsaspekte wie Zuverlässigkeit, Sicherheit und Betriebskosten mit 55 Prozent ein. Umweltfaktoren wie Energieverbrauch, Abgas- und Partikelausstoß, Lärm und Klimaeffekte steuern die restlichen 45 Prozent bei.

Nach Einschätzung des IVM sollten folgende Autobahnprojekte mit besonderem Hochdruck realisiert werden: der sechsspurige Ausbau der A661 zwischen Nieder-Eschbach und Heddernheim (neun Millionen Euro), der Ausbau des Mainspitz-Dreiecks der A60 auf sechs Spuren (43 Millionen Euro), der Ausbau des Nordwestkreuzes der A5 auf acht Spuren (acht Millionen Euro) und der Ausbau der A5 zwischen Friedberg und dem Gambacher Kreuz (50 Millionen Euro). Bis 2020 schlagen die Gutachter insgesamt sieben Autobahn-, zehn Bundes- und acht Landesstraßen-Projekte vor. Für eine Prioritätensetzung im Bereich Schiene halten die Experten die Materie für zu kompliziert.

Das Gremium rät ferner zum verstärkten Einsatz von Verkehrsbeeinflussungsanlagen, zur temporären Freigabe der Seitenstreifen, und zum Einsatz elektronisch aufgerüsteter Straßen und Fahrzeuge. Sinnvoll seien außerdem Pendler-Portale im Internet und Car-Sharing.

Quelle: op-online.de

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