Hessischer Klassiker in weltmännischem Gewand

Zum Welt-Gin-Tag: Grüne Soße Dry, bitte!

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Holger Henrich (links) hat den Gin aus Grüne-Soße-Kräutern zusammen mit seinem Bruder destilliert. Genießer, wie Peter Reichard (rechts), schätzen das frische Aroma des Wacholderschnapses.  

Offenbach/Kriftel  Zum Welt-Gin-Tag etwas aus der Region: Wacholderschnaps, verfeinert mit den sieben Kräutern der Grünen Soße. Zwei Brüder aus Kriftel feiern mit ihrem „Gin Sieben“ Erfolg – und zwar nicht nur in Hessen. Von Sarah Neder

Die Nase taucht zögerlich in das tulpenförmige Glas. Einige Zentimeter unter der Spitze verströmt eine hochprozentige Pfütze ihren Duft: Kerbel, Borretsch, Kresse sind da und auch ein bisschen Schnittlauch. „Film ab“, heißt es im Kopfkino, ohne einen Schluck gekostet zu haben: Frisch gemähtes Gras, Lieblings-Kneipe, Muttis Kittelschürze, scharfes Messer, das knackige Blätter hackt – das ist doch Grüne Soße! Die Brüder Ralf und Holger Henrich vom „Obsthof am Berg“ aus Kriftel haben Gin aus den sieben Kräutern des hessischen Küchen-Klassikers destilliert. Der Jüngere, Ralf, redet nicht viel. Der Ältere, Holger, schon. Am liebsten über das, was die beiden sich jenseits des Obstbaus aufgebaut haben. Auf dem „Obsthof am Berg“ brennen die Geschwister zwar schon in dritter Generation, das Geschäft mit dem Schnaps haben aber erst sie richtig groß gemacht. Dabei half die jahrzehntelange Tradition. Nicht nur in Sachen Erfahrung. Denn in Hessen herrscht ein strenges Brennrecht, das nur vererbt werden kann. „Wir hatten die Zulassung noch von unserem Großvater“, erzählt Holger. Das sei aber nur für eine kleine Anlage, sprich auf 300 Liter Alkohol pro Jahr ausgelegt gewesen. „Das hat vorne und hinten nicht gereicht“, meint Holger. Die Brüder verhandelten von 2003 bis 2005 mit den Ämtern, bis sie eine unbegrenzte Genehmigung erhielten. Ein Jahr darauf ließen sie sich eine größere Destille auf den Hof bauen.

Die Anlage, mit der die beiden Diplom-Getränketechniker hochprozentige Essenzen produzieren, steht in einer ehemaligen Garage. Die kupferne Brennblase ist die einzige Stelle, an der die Brüder Einfluss auf das Produkt nehmen können. „Der Rest der Destille ist verplombt“, erklärt Holger. Eine Maßnahme des Zolls, damit kein Tropfen unversteuert abgezwackt werden kann. Alles, was gebrannt wird, läuft durch eine Zähluhr. Viele Liter sind da schon durchgeflossen, denn der Gin aus Grüne-Soße-Kräutern ist nicht das erste Projekt der Brüder. Aber das neueste. Ein Bekannter habe sie vor einem Jahr auf die Idee gebracht. Doch Ralf und er seien davon zu Beginn nicht begeistert gewesen, meint Holger. Zu hip, sei ihnen das vorgekommen. „Jeder macht im Moment Gin“, erinnert sich Holger.

Schnittlauch ist dominant

Viele machen Gin und viele mögen Gin. Diesen Eindruck bestätigt auch Peter Reichard. Er führt den Laden „Die Genussverstärker“, in dem er im Offenbacher Nordend feinen Alkohol verkauft. Seit einiger Zeit bietet er zwei Mal im Monat Gin-Tastings an. „Ich könnte auch jede Woche eins veranstalten, die wären immer noch ausgebucht“, spricht Reichard aus seiner Erfahrung. Am „Welttag des Gins“ am heutigen Samstag (13.Juni) können sich Kunden gegen eine Spende durch das Repertoire probieren. Neben Gin aus dem Saarland oder aus Barcelona steht auch der „Gin Sieben“ aus Kriftel im Regal. Beliebt sei er. Wegen des lokalen Bezugs, glaubt Reichard. Aber auch, weil die Brüder aus dem  Taunus gute Produkte  verwendeten.

„Ich habe für die letzte Produktion 120 Kilo Grüne-Soße- Kräuter aus Frankfurt geholt“, erzählt Holger. Die würden dann für kurze Zeit in Alkohol eingelegt. Überspritten nennen das Fachleute. Die Menge der einzelnen Kräuter sei ausschlaggebend für den Geschmack, weiß er. „Schnittlauch ist sehr dominant.“ Parallel werden die Wacholderbeeren in Alkohol eingelegt. Sobald die Flüssigkeit die Aromen der Kräuter und Beeren aufgenommen hat, kommt sie in die Brennblase. Nach dem Destillieren wird der Gin, der sich mit 49 Prozent Alkoholgehalt „Frankfurt Dry“ nennen darf, in Glasflaschen abgefüllt und etikettiert. Er ist fertig für den Verkauf. Oder den Versand: „Manchmal schicke ich auch Flaschen nach München und Berlin“, sagt Holger und freut sich, das Projekt Gin doch gewagt zu haben.

www.gin-sieben.de

www.die-genussverstaerker.de

www.obsthof-am-berg.de

Quelle: op-online.de

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