„Afrika! Afrika!“ in der Jahrhunderthalle

Weltklasse mit einem Schuss Bittersüße

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Das große Finale von „Afrika!Afrika!“ bringt noch einmal alle Artisten gleichzeitig auf die Bühne. Im Hintergrund sind die Videowand und das Live-Orchester zu sehen.

Frankfurt - Bastrock und Basketball; Ritualmaske und Breakdance; augenrollender „Waterman“ mit Roberto-Blanco-Charme und die weltentrückt blickenden Handstandakrobaten von „Human Balance“, Jongleure, Menschenpyramiden, Tanz. Von Michael Eschenauer

Andre´ Hellers „Afrika! Afrika!“ reizt voll die Bandbreite des Schwarzen Kontinents aus. 77 Artisten, größtenteils zum ersten Mal dabei, bestritten die Premiere in Frankfurt am Freitagabend in der praktisch ausverkauften Jahrhunderthalle. Sie taten es in erwarteter Brillanz. Mitreißend ist die fast zwei Stunden dauernde Show in ihrem achten Jahr noch immer. Aber eigentlich gehört Derartiges in ein Zirkuszelt, wie es bei früheren Inszenierungen der Fall war. Der leicht muffige Charme der 60er Jahre, den die Höchster Halle verströmt, mindert die Chance, dass die emotionale Wucht dieses einst revolutionären Projekts voll überspringt. Mittlerweile haben es Millionen Menschen in aller Welt gesehen.

Apropos Altbauten: Freuen kann sich das Publikum nicht zuletzt auch auf sehenswerte „Neubauten“. Wohlgeformte männliche Muskulatur, gerne archaisch bemalt, dominiert die Show. Frauen bilden eher - Ausnahmen wie die Schlangenfrau Helene Sano bestätigen die Regel - hüftschwenkendes Beiwerk.

Sixpack und Bizeps

Sixpack und Bizeps sind natürlich nicht alles bei „Afrika! Afrika!“. Geboten wird Weltklasse. Eingebettet jeweils in modernes oder eher traditionelles afrikanisches Ambiente. Einzigartig sind die lachenden, schreienden, grimassierenden Tänzer, die explodierende Farbenpracht, die Dynamik. Eine geniale Bereicherung schafft die den Bühnenhintergrund komplett ausfüllende LED-Videowand. Der Veranstalter spricht in seiner Werbung von „rauschhaften, multimedialen Bilderwelten“. Das ist nicht übertrieben. Grobkörnige Filmchen aus alten Dokumentationen, Tierbilder, Plakate, Graphiken verstärken die Emotionen, werden zur Show in der Show.

Da stampfen und toben die Minenarbeiter in Blaumännern und Sicherheitshelmen vor historischen Aufnahmen aus einer Diamantmine in Johannesburg. Die sich in Zeitlupe bewegenden Zebras zeigen, dass es für die Bodenartisten in ihren schwarzweiß gestreiften Trikots in der Natur ein Gegenstück gibt. Die furiosen Basketball-Cracks schlagen ihre Saltos vor einer Stadtautobahn und dunklen Hochhaus-Fassaden.

Gewinnspiel

Bei einer der Darbietungen schauen aus dem Hintergrund verständnislos grinsende hellhäutige Menschen Schwarzen bei einem Kult-Tanz zu. Die in Schwarzweiß gedrehte Sequenz aus den 60er oder 70er Jahren schreibt in Grobkorn den Subtext zu „Afrika! Afrika!“: Es geht nicht nur um Spaß, es geht auch um die Entfremdung von Schwarz und Weiß, um die harte Vergangenheit des schwarzen Kontinents, um eine geschundene Kultur. Auf einem der projizierten Plakate steht „Free Mandela!“ Es zeigt den jungen inhaftierten Freiheitskämpfer. Es sind Einfälle wie dieser, die der fröhlichen Show - wo bitte küsst der Jongleur seine Partnerin während der Darbietung diskret aber nicht minder zärtlich auf den Hals? - Bittersüße und Tiefgang verleihen. „Afrika! Afrika!“ spielt modernen „Ethno-Zirkus“ in der höchsten Liga.

Leser unserer Zeitung können mit etwas Glück die Show gratis genießen. Die ersten drei, die am morgigen Dienstag um 15 Uhr unter der Gewinnhotline Tel.: 069 8570681 anrufen und durchkommen, gewinnen je zwei Tickets für Freitagabend.„Afrika!Afrika!“ ist bis 21. Dezember in der Jahrhunderthalle Höchst zu sehen. Karten gibt es an den Vorverkaufsstellen sowie unter www.AfrikaAfrika.de.

Quelle: op-online.de

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