Weltpremiere: Stromspeicher von Siemens

Frankfurt - Einen Beitrag zur Lösung eines der größten Probleme bei der Energiewende in Deutschland hat der Industriekonzern Siemens auf der Messe Light + Building in Frankfurt vorgestellt: den Stromspeicher Siestorage - Siemens Energy Storage. Von Marc Kuhn

Von einer Welturaufführung sprach Rudolf Martin Siegers, Leiter Siemens Deutschland, auf der weltgrößten Lichtmesse, die noch bis Freitag stattfindet. Unternehmen aus 50 Ländern zeigen Neuheiten für Licht, Elektrotechnik, Haus- und Gebäudeautomation sowie Software für das Bauwesen. Die Messe sei auch für Frankfurt von wachsender Bedeutung, erklärte Michael Kassner, Leiter der Region Mitte bei Siemens. Der Industrieriese zeigt unter anderem Möglichkeiten, um die Energieeffizienz in Gebäuden zu steigern, Produkte für intelligente Stromnetze der Zukunft und für die Energieverteilung.

Neben dem unzureichenden Stromnetz ist die Speicherung des Stroms eine Herausforderung bei der Energiewende. Ihr Erfolg stehe auf der Kippe, erklärte der Verband Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). Die Volatilität des immer größeren Anteils von erneuerbaren Energien am Energiemix müsse dringend ausgeglichen werden. „Stromspeichern ist aber aufwendig und vergleichsweise teuer, bis 2020 können nicht genügend Speicherkapazitäten im deutschen Energiesystem ausgebaut werden“, warnt der VDE in einer neuen Studie. Die Diagnose des Verbands: Es müsse ein Sicherungsschirm mit flexiblen thermischen Kraftwerken gespannt werden, der die Netzregelung übernehme. Thermische Kraftwerke wandeln Wärme beispielsweise in elektrische Energie um.

Einen anderen Weg will Siemens einschlagen

Einen anderen Weg will Siemens einschlagen. „Der Speicher ermöglicht die Einspeisung einer zunehmenden Menge von Strom aus dezentralen Solar- und Windkraftanlagen in die Verteilnetze, ohne dass diese unmittelbar ausgebaut werden müssen“, berichtete Siegers. Ein Anwendungsbereich von Siestorage ist die Industrie. Sinkt ihr Verbrauch von Strom während aus Wind und Sonne viel erzeugt wird, entstehen Überkapazitäten, die mit der neuen Anlage gespeichert und später genutzt werden können. Diese besteht aus einem sogenannten Regelschrank und einer Lithium-Ionen-Batterie, wie Jürgen Moser, Manager des Siemens-Geschäftsbereichs Infrastruktur und Städte, sagte. Bis zu zehn Batterien könnten nebeneinander geschaltet werden. Jede koste etwa 50.000 Euro, die Basiseinheit rund 150.000 Euro. Eine Pilotanlage ist im Februar beim italienischen Versorger Enel aufgebaut worden. Moser sprach von einer ganzen Menge von Anfragen. Siestorage ist auch für Gebäude, Infrastrukturanlagen und Krankenhäuser geeignet. Zudem soll der Speicher einen Beitrag zur Netz-Stabilität in Deutschland liefern.

Siemens sieht Siestorage als einen Baustein für die Energiewende. Diese sei technisch machbar, betonte Siegers. Sie könne ein Treiber für die Volkswirtschaft sein. Siegers sagte allerdings: „Wir brauchen eine klare Agenda.“ Idealerweise sollte ein Energieministerium eingerichtet werden. Siegers forderte zudem, dass die Genehmigungsprozesse geändert werden. Die Bevölkerung sollte zwar beteiligt werden. Aber: „Wir brauchen keinen Volksentscheid für jeden Strommast“, sagte Siegers.

Quelle: op-online.de

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