Betreuung in Einrichtungen hat sich nur leicht verbessert

Zu wenig Personal in den Kitas

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In den Kitas gibt es nach einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung trotz positivem Trend noch immer nicht genügend Erzieher. Zudem unterschieden sich die Personalschlüssel und damit die Betreuungsqualität zwischen den Ländern erheblich.

Offenbach - Hessen hat sich in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Betreuung in den Kindergärten leicht verbessert, schneidet aber immer noch schlechter ab, als alle anderen westdeutschen Flächenländer - nur das Saarland liegt gleichauf. Bei der Krippenbetreuung teilt es sich mit Bayern den vorletzten Platz. Von Peter Schulte-Holtey

Mit mehr Personal wächst bundesweit die Qualität der Betreuung in Krippen und Kindergärten. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung kamen 2014 auf eine Vollzeitkraft im Schnitt 4,4 Krippenkinder in der Ganztagsbetreuung - oder 9,5 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor sei eine Erzieherin durchschnittlich noch für 4,8 Krippen- oder 9,8 Kindergartenkinder zuständig gewesen. Die Experten der Stiftung sprechen von einem positivem Trend, trotzdem sei immer noch zu wenig Personal in den Kitas. Sie gehen von einem Idealwert von 1 zu 3 in der Betreuung der Kleinsten und von 1 zu 7,5 ab drei Jahren aus. Überrascht hat die Forscher vor allem die große Zahl der befristeten Verträge. 41 Prozent der Fachkräfte unter 25 Jahren arbeiten befristet. Bei Spezialisten für Inklusion, also der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern, ist es ein Drittel.

Den besten Personalschlüssel hatten zuletzt bundesweit die Kitas in Baden-Württemberg mit 3,1 Krippenkindern und 7,7 Kindergartenkindern. Dicht dahinter folgen bei den Krippenplätzen Bremen (3,4), Rheinland-Pfalz (3,5), das Saarland und Nordrhein-Westfalen (beide 3,6).

Nach dem Ländermonitor der Bertelsmann-Stiftung kommen auf eine Vollzeit- Kita-Fachkraft in Hessen durchschnittlich 3,8 ganztags betreute Krippen- oder 9,8 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor war eine Erzieherin in Hessen durchschnittlich noch für 4,1 Krippen- oder zehn Kindergartenkinder zuständig. Das Betreuungsverhältnis für Kinder ab drei Jahren in den hessischen Kindergartengruppen bleibt somit das ungünstigste aller westlichen Bundesländer.

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Laut Ländermonitor der Stiftung stehen hessische Erzieher zudem unter einem starken Zeitdruck. Um einen besseren Betreuungsschlüssel zu erreichen, gibt es nach Ansicht von Anette Stein, Expertin bei der Bertelsmann-Stiftung, nur einen Weg. „Es geht nicht ohne mehr Investitionen. Es kostet nun mal Geld, Personal einzustellen“, sagte sie im Hessischen Rundfunk. Diesen Weg müsse man jedoch gehen, und Kommunen und Länder könnten diese Aufgabe nicht alleine stemmen. Hier sei der Bund mit in der Pflicht.

Der sozial- und familienpolitische Sprecher der hessischen SPD-Landtagsfraktion, Gerhard Merz, wunderte sich nicht über die schlechten Hessen-Werte. „Mit dem Kinderförderungsgesetz - KiföG - wurde der unzureichende Personalschlüssel im Prinzip festgeschrieben, der Eckwert liegt bei 1,75 Fachkräften/25 Kinder.“ Erschwerend komme hinzu, dass die Personalbedarfsberechnung durch Umstellung auf die tatsächlich besetzten Plätze kompliziert worden sei und für die Träger und Einrichtungen eine erhebliche zusätzliche Belastung darstelle. „Erste Erfahrungen belegen zudem, dass der auch von der Bertelsmann-Stiftung bemängelte Trend zu befristeten Beschäftigungsverhältnissen verstärkt wurde, auch das trägt nicht zur Steigerung der Qualität bei“, so Merz. Hinzu komme, dass die sogenannten mittelbaren pädagogischen Zeiten, also Zeiten, die für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung nötig wären, nicht in die Personalbedarfsermittlung nach dem KiföG einbezogen würden.

„Rund ein Viertel der Arbeitszeit ist notwendig, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Das hebt auch die Bertelsmann-Studie erneut zu Recht hervor. Dass sie vom Land nicht angerechnet werden, ist kurzsichtig und realitätsfern“, sagt der SPD-Politiker. Zentrales Problem bleibe nach wie vor die „vollkommen unzureichende Finanzierung der frühkindlichen Bildung durch das Land“. Auch daran habe sich durch das KiföG nichts geändert. Das Land müsse seinen Anteil an den Personal- und Betriebskosten in Kitas deutlich erhöhen. Merz: „Es sollte sich dabei an dem bundesweiten Spitzenreiter Baden-Württemberg orientieren. Dort beteiligt sich das Land aufgrund einer Vereinbarung mit den kommunalen Spitzenverbänden zu einem Drittel an diesen Kosten. Unter dieser Messlatte läuft Hessen - wie insgesamt bei der finanziellen Ausstattung der Kommunen - meterweit durch.“

Hermann Dorenburg, Leiter des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (Eko), weist auf Anfrage unserer Zeitung darauf hin, dass der Personalschlüssel in den städtischen Kitas zuletzt verbessert worden sei. Das Hauptproblem in Offenbach sei aber, dass immer mehr Erzieherinnen-Stellen nicht besetzt werden könnten, da Bewerber fehlten. Die Situation werden immer dramatischer, sagte Dorenburg.

Quelle: op-online.de

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