Friedliche Lösung

Betreutes Wohnen für Tauben

+
Tauben sind in den hessischen Innenstädten immer noch ein Problem. Doch inzwischen setzen die Kommunen auch auf eine friedliche Lösung: Vielerorts wird den Tauben eine Art betreutes Wohnen angeboten.

Frankfurt - Tauben in den Großstädten nerven viele Menschen. Die Tiere hinterlassen überall ihren Kot, zudem sollen sie Krankheiten übertragen. Vielerorts wurden zwar Taubenhäuser eingerichtet, doch es sind deutlich zu wenig. Von Sabine Maurer

Hessens Städte haben den Tauben seit Jahren den Kampf angesagt. Maßnahmen zur Vertreibung der ungeliebten Vögel gab und gibt es viele - sie reichen von B wie Bussard bis U wie Ultraschallgerät. Mittlerweile setzen die Städte aber auch auf eine friedliche Lösung: Vielerorts wird den Tauben eine Art betreutes Wohnen angeboten.

Das hat zum einen den Vorteil, dass sie nicht ihren Kot überall hinterlassen. Außerdem werden in den Taubenschlägen die Eier durch künstliche ausgetauscht, um die Population zu verringern. Auch für die Tiere hat ein solches Zuhause Vorteile: Sie leben deutlich gesünder und ungefährlicher als obdachlos auf der Straße. Diesen Weg beschreitet seit dem vergangenen Herbst auch Darmstadt. Mitten in der City wurde ein Taubenschlag eingerichtet. Dort ist Platz für 125 Paare, das ist deutlich zu wenig. Nach Angaben des Darmstädter Tierheims, das sich um die Unterkunft kümmert, leben in der Stadtmitte zwischen 500 und 700 Tauben. In ganz Darmstadt sind es etwa 5000. „Wir hätten gerne noch einen zweiten Taubenschlag. Aber wir müssten jemanden finden, der sein Dach zur Verfügung stellt“, sagt Daniel Klose von der Stadt.

Das gleiche Problem gibt es auch in Kassel. „Die Tauben sammeln sich zahlreich auf den Dächern, fliegen mitunter in Schwärmen auf die Straßen und Plätze, dort hinterlassen sie ihren Kot“, sagt Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt. Kassel hat das Füttern von Tauben verboten. Außerdem gibt es seit etwa zehn Jahren im Rathausdach einen betreuten Taubenschlag - für weitere Unterkünfte dieser Art fehlt es auch hier an Immobilien.

5000 Tauben in Frankfurt

„Man kann die Tauben nicht bekämpfen. Man muss lernen, mit ihnen zu leben“, meint Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt Frankfurt. Der Verein wurde vor sieben Jahren mit dem hessischen Tierschutzpreis ausgezeichnet. Es müssten mehr Taubenverschläge eingerichtet werden, fordert sie, stellt jedoch ebenfalls fest: Es fehlt an Hauseigentümern, die ihr Dach zur Verfügung stellen. Seit 30 Jahren engagiert sich Stürmer für die gurrenden Stadtbewohner - viel verändert hat sich ihrer Auffassung nach seitdem nicht.

Ihr Verein betreut die Taubenhäuser in Frankfurt und in Wiesbaden. Dort gibt es fünf dieser Unterkünfte, in Frankfurt sind es vier. In jedem Haus leben über 200 Tiere. Sie werden gefüttert, erhalten frisches Wasser, ihr Heim wird zweimal in der Woche gereinigt. Verletzte Tauben werden eingefangen und versorgt, verwaiste Junge werden zwecks Adoption in ein anderes Nest gelegt. Ihre Mitstreiterin Marie Bech mag es gar nicht, wenn über Tauben geschimpft wird oder gar von einer „Plage“ die Rede ist. „In ganz Frankfurt gibt es etwa 5000 Tauben. Die würden nicht weiter auffallen, wenn sie mehr Alternativen zum Leben hätten“, sagt Bech. Wenn man ihnen die Lebensräume nehme, sammelten sie sich eben an einigen Stellen. Die große Angst vor den Tieren als Krankheitsüberträger sei unbegründet - es gebe weltweit nur sehr wenige Fälle.

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare