„Weniger Bewerbungen“

+
Leiterin einer Kindertagesstätte ist pessimistisch: Für den Kita-Ausbau fehlen weiterhin die Erzieher. Fachkräfte werden auch in Hessen vielerorts dringend gesucht.

Schwalmstadt Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Betreuungsplatz für Kleinkinder tritt am 1. August in Kraft. Erzieher sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt.

Doch wegen des stressigen Jobs und besserer Bezahlung in anderen Berufen drehen ausgebildete Fachkräfte den Kitas oft den Rücken. In vielen hessischen Kitas mangelt es an Erziehern. Anne Bertelt, langjährige Leiterin der Integrative Kindertagesstätte Hephata in Schwalmstadt, klagt wie viele andere Führungskräfte in ähnlichen Einrichtungen über fehlenden Berufsnachwuchs.

Gibt es einen regelrechten „Run“ auf die Erzieherstellen in den hessischen Kindertagesstätten?

Nein, wir stellen in den letzten Jahren gerade fest, dass immer weniger Bewerbungen vorliegen. Das gilt auch für diejenigen Erzieher, die ein Berufspraktikum für ihr Anerkennungsjahr absolvieren müssen. Auch hier gehen die Bewerberzahlen deutlich zurück.

Fehlen Bewerber für die Ausbildung?

Im Moment gibt es noch genügend Bewerber für die Ausbildung, die Klassen sind voll. Dennoch arbeiten einige Auszubildende - Männer wie Frauen - hinterher nicht in den Kindertagesstätten, sondern suchen sich andere Arbeitsbereiche. Da bemerken wir, dass viele nicht in die Kitas wollen. Das hat zum einen mit dem damit verbundenen Stress zu tun, aber auch mit dem Lohn. So verdient man zum Beispiel in der Schichtenarbeit bei der Behindertenhilfe mehr als bei einer täglichen Beschäftigung in der Kita.

Wie alt sind die Erzieher nach der Ausbildung?

Ausgebildete Erzieher und Erzieherinnen sind meistens Anfang zwanzig, wenn sie in den Beruf starten. Übrigens gibt es neuerdings die begleitende Erzieherausbildung. In diesem Bereich befinden sich häufig Menschen zwischen dreißig und fünfzig Jahren. Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene Ausbildung sowie Erfahrungen in einem sozialen Bereich. Dafür besuchen die Auszubildenden drei Jahre lang zwei Tage pro Woche die Fachschule für Sozialpädagogik und drei Tage eine Praxisstelle, die auch die Entlohnung gewährleistet.

Was fällt den Azubis am schwersten?

Das hängt ganz von der Persönlichkeit ab. Was für viele sicherlich schwierig ist, ist der Umfang und die Vielfältigkeit der Arbeit, das Reinbringen von Strukturen, also einen Ablauf gut zu organisieren und trotzdem das pädagogische Programm im Auge zu beinhalten. Das sind viele Dinge, die sie dann im letzten Praxisjahr ihrer Ausbildung lernen müssen.

Wie ist das Verhältnis von männlichen und weiblichen Erziehern?

In den Kitas haben wir generell kaum Männer. Insgesamt ist es natürlich schon so, dass viel mehr Frauen in diesen Beruf einsteigen. Und wenn sich Männer zum Erzieher ausbilden lassen, arbeiten sie später meistens nicht in den Kindertagesstätten, sondern in anderen Berufsfeldern: In der Behinderten-, Jugend- oder Altenhilfe zum Beispiel.

Welches Arbeitsgebiet ist bei den ausgebildeten Erziehern am beliebtesten?

Das ist ganz unterschiedlich. Nur bei den Männern kann man ganz deutlich feststellen, dass sie selten in die Kitas gehen und andere Bereiche bevorzugen.

Was halten Sie von dem Rechtsanspruch?

Den Rechtsanspruch für Kinder ab einem Jahr halte ich insgesamt für sehr sinnvoll. Für die anderen Kinder gibt es ja schon einen Rechtsanspruch, der bisher schon ganz gute Ergebnisse erbracht hat. Dort ist schon viel gemacht worden, damit die Kinder zwischen drei und sechs Jahren auch in die Kitas gehen können. Den kommenden Rechtsanspruch halte ich auch für angebracht, aber ich glaube nicht, dass er umgesetzt werden kann. Denn es gibt schon viele Untersuchungen darüber, dass er regional ganz unterschiedlich ausfallen kann. Beispielsweise erleben wir hier vor Ort, dass längst nicht alle Kinder einen Krippen-Platz bekommen werden.

(dpa)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare