Autofahrer wird Teil des Kampfs gegen den Stau

Frankfurt (mic/dpa) - Hessens Autofahrer stehen immer weniger im Stau. Das hessische Verkehrsministerium registrierte im vergangenen Jahr auf den Autobahnen des Bundeslandes noch 16.000 Staustunden - das sind 1000 weniger als im Jahr zuvor.

Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) führte diese positive Entwicklung auch auf die mittlerweile etwa 80 Kilometer langen Abschnitte mit temporärer Seitenstreifenfreigabe zurück. Ferner seien 220 Richtungskilometer auf den Autobahnen mit Verkehrsleitsystemen versorgt, und an 21 Standorten seien Systeme zur Netzbeeinflussung installiert, beispielsweise am Wiesbadener Kreuz. „Noch in diesem Jahr werden wir eine weitere Streckenbeeinflussungsanlage zwischen Reiskirchener Dreieck und Homberg/Ohm sowie dynamische Wechselwegweiser in allen Zufahrten am Frankfurter Kreuz in Betrieb nehmen“, stellte Posch in Aussicht.

Ein wesentlicher Schritt zum reibungslosen Verkehrsfluss in Hessen war nach seiner Darstellung die Veränderung der Baustellenplanung durch das sogenannte Slotmanagement. Hier würden zum ersten Mal konkrete Zeitvorgaben für die Durchführung einer Baustelle vergeben. „Das heißt: gebaut wird, wenn’s verkehrlich passt - und nicht, wenn die Baufirma gerade Zeit hat“, so der Minister. Das Projekt Staufreies Hessen sei so erfolgreich, dass viele der darin aufgegriffenen und umgesetzten Themen in der neuen EU-Direktive zu Intelligenten Verkehrssystemen enthalten seien. „Auch andere Bundesländer verfolgen unsere Initiative mit großer Aufmerksamkeit.“

Unfälle verursachen häufig Stau

Eine weitere Reduzierung der Stauzeiten sei nach den großen Anfangserfolgen nun eher Detailarbeit, so Posch. Potenzial böten kooperative Systeme, die mit Hilfe einer Vernetzung der Fahrzeuge über die Verkehrszentrale und die Navigationssysteme der Autos die Fahrer direkt vor Gefahrensituationen warnen könnten. „Denn was wir jetzt noch an Staus haben, wird häufig durch Unfälle verursacht“, sagte Posch. Deshalb sei die Unterstützung der Fahrer eben auch ein Beitrag, um das Stauniveau auf Hessens Autobahnen weiter senken.“

Bausteine dazu würden beispielsweise im Projekt „Diana II“ (Dynamic Information and Navigation Assistance) erarbeitet: „Ziel ist es“, so Burkhard Vieth, Präsident von „Hessen Mobil“, dem früheren Amt für Straßen- und Verkehrswesen, „die Verkehrsteilnehmer direkt, individuell und vor allem rechtzeitig vor aktuellen Gefahren auf den einzelnen Strecken zu warnen - beispielsweise vor Stauenden hinter Kurven oder Baustellen.“

Hinter der VZH steckt ein immenses Know-how

An „Diana II“ ist neben Hessen Mobil die BMW AG beteiligt. Erprobt wird beispielsweise, die jeweils aktuelle Position von Tagesbaustellen über die Verkehrszentrale Hessen (VZH) an die sich nähernden Autos zu übertragen. Die Positionsdaten werden von den Baustellenfahrzeugen automatisch an die VZH gemeldet und dort aufbereitet. BMW entwickelt die Komponenten im Auto zur Integration der Baustellendaten in die Bordnavigation.

Für Gerd Riegelhuth, Chef der VZH und Projektleiter der Initiative Staufreies Hessen bei Hessen Mobil, steht fest: „Das Vorhaben, Staus trotz steigendem Verkehrsaufkommen auf den hoch belasteten Autobahnen vor allem im Rhein-Main-Gebiet immer weiter zu reduzieren, ist auch eine Leistung von qualitativ hochwertigen Informationen. Hinter der VZH steckt ein immenses Know-how, so dass wir aus vielen über die Jahre gewonnenen Verkehrsdaten nützliche Informationen generieren, die die Verkehrssicherheit erhöhen.“

Keine offizielle Definition für Stau

Die entscheidende Größe bei der Stauproblematik sind sowohl aus Sicht des Ministeriums als auch nach Einschätzung des ADAC die Staustunden: Für den Fahrer ist wichtig, ob er drei oder fünf Minuten im Stau steht und nicht, ob es drei oder fünf Kilometer sind. Die Verkehrszentrale Hessen misst das Verkehrsaufkommen über automatische Systeme entlang der Autobahn, der ADAC wertet Polizeimeldungen und Flottendaten aus.

Eine offizielle Definition, was unter einem Stau zu verstehen ist, gibt es übrigens nicht. Der Laie würde sagen: wenn der Verkehr steht. Dabei sprechen Experten schon von Stau, wenn der Fahrer den Verkehr noch als zähfließend oder stop-and-go empfindet. Die Verkehrszentrale Hessen definiert einen Stau auf einer Autobahn nach Angaben des Verkehrsministeriums so: „Wenn die mittlere Kraftfahrzeug-Geschwindigkeit in einem Minutenintervall unter 35 Stundenkilometer abfällt, gleichzeitig die dadurch bestimmte Staulänge mindestens 1 Kilometer beträgt und dieser Zustand mindestens fünf Minuten anhält.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare