Hanauer Ombudsmann zieht erste Bilanz

Wenn Ärzte das Vertrauen missbrauchen

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Frankfurt/Hanau - Bundesweit einmalig: In Hessen gibt es eine Beratungsstelle für Missbrauchsfälle in der Medizin. Nach zwei Monaten zieht der Ombudsmann, der Hanauer Psychotherapeut und Allgemeinmediziner Meinhard Korte, eine erste Bilanz: „Es gibt großen Gesprächsbedarf.“

Ein Frauenarzt filmt heimlich seine Patientinnen, ein Therapeut begrapscht sie bei Entspannungsübungen - Fälle wie diese sind spektakulär, aber selten. Missbrauch in der Praxis oder der Klinik fängt allerdings viel früher an: etwa, wenn ein Arzt eine Handwerkerleistung günstiger bekommt oder privat Kontakt zu einer Patientin sucht. Zu klären, wo die Grenze verläuft, ist eine der Aufgaben der Ombudsstelle für Fälle von Missbrauch in ärztlichen Behandlungen der Landesärztekammer Hessen.

„Es gibt großen Gesprächsbedarf“

„Viele Patienten haben große Schwierigkeiten, mit Erfahrungen von Missbrauch in einer Behandlung umzugehen“, begründet die Kammer ihre Initiative. Etwa 25-mal haben Patienten seit Mitte März Kontakt zum Ombudsmann Korte aufgenommen. „Ein klarer Missbrauch des Arzt-Patienten-Verhältnisses lag nur in wenigen Fällen vor“, sagt der. Die meisten Patienten beklagten sich, der Arzt sei nicht einfühlsam gewesen oder habe sie menschlich schlecht behandelt. Einige berichteten von einem tatsächlichen, aber länger zurückliegenden Missbrauch.

Die Bilanz des Ombudsmannes nach zwei Monaten: „Es gibt großen Gesprächsbedarf“. Dass bislang keine strafrechtlich relevanten Übergriffe darunter waren, bedeutet nicht, dass Korte wenig zu tun hat - im Gegenteil. Seine Hauptaufgabe sieht er darin, mit den Patienten zu erörtern, ob es sich um einen Missbrauch oder eine Grenzverletzung handelt oder nicht. Seine Definition: „Missbrauch ist, wenn das Arzt-Patienten-Verhältnis ausgenutzt wird, um ein persönliches Bedürfnis zu befriedigen. Die Stelle ist erreichbar unter 069 - 97672347.

Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist heikel

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram-Arnim Candidus, findet die Ombudsstelle „eine gute Initiative“, äußerte aber auch den leisen Verdacht, dass sie eine „Schaufensterveranstaltung“ der Landesärztekammer sein könnte - vielleicht sogar mit dem Hintergedanken, Patienten davon abzuhalten, zur Polizei zu gehen.

Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist heikel. Was erlaubt ist und was nicht, erklärt die Berufsordnung. Bei besonders schweren Verstößen greift das Strafrecht. In der Berufsordnung für Ärzte in Hessen steht, dass jede ärztliche Behandlung „unter Wahrung der Menschenwürde und unter Achtung der Persönlichkeit, des Willens und der Rechte des Patienten, insbesondere des Selbstbestimmungsrechts“, zu erfolgen hat. Ein Verstoß kann berufsrechtliche Folgen haben, konkret droht der Entzug der Approbation.

dpa

Quelle: op-online.de

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