Wenn alte Konflikte in Familien aufbrechen

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Kein Zweifel, die meisten Großeltern sind gern mit ihren Enkeln zusammen und freuen sich, wenn sie die Kleinen betreuen können. Dieses besondere Verhältnis ist aber auch mit Herausforderungen verbunden.

Offenbach ‐ Kein Zweifel, die meisten Großeltern sind gern mit ihren Enkeln zusammen und freuen sich, wenn sie die Kleinen betreuen können. Dieses besondere Verhältnis ist aber auch mit Herausforderungen verbunden. Von Peter Schulte-Holtey

Deswegen ist es richtig, wenn Gertrud Ennulat in ihrem Buch „Enkelkinder fordern uns heraus“ schreibt: „Was bisher im Verborgenen immer schon da war, die besondere Nähe, die Enkelkinder und Großeltern zueinander haben, verlangt nach mehr öffentlicher Anerkennung.“ In einer Zeit, in der der Blick auf ältere Menschen häufig mit der strapazierten Rentenkasse verbunden werde, sei es wichtig, „dass Großeltern selbstbewusst auf das verweisen, was sie unaufgefordert im Verbund der Drei-Generationen-Familie leisten“.

Einige kümmern sich sogar täglich, etwa wenn die Eltern berufstätig sind. Der Besuch bei Oma und Opa ist für die Enkelkinder meistens ein schönes Erlebnis, oftmals erlauben sie mehr Freiheiten. Clemens Günther vom Beratungszentrum-Mitte des Diakonischen Werkes in Dietzenbach: „Das hängt mit der traditionellen Rolle von Großeltern zusammen. Sie haben Freude beim Zusammensein mit den Enkeln und sind dann natürlich auch großzügiger.“

Der Experte glaubt auch, dass viele Großeltern mal „etwas anders machen wollen“: „Früher war es doch so, dass das Nein-Sagen zum allgemein anerkannten Stil in der Erziehung gehörte. Das hing natürlich auch oft mit den geringen materiellen Möglichkeiten zusammen. Jetzt, bei ihren Enkeln, können die Großeltern häufiger ,Ja’ sagen, einen anderen Erziehungsstil pflegen. Sie sind vielleicht auch weiser geworden.“

Interessen der jungen Familie respektieren

Oma und Opa spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung ihrer Enkel. Sie sind Vermittler von Wissen und Erfahrung, sie können als Pflegeeltern agieren aber auch als Mittler, wenn es Probleme gibt. Dabei sollte man aber auch ehrlich sein: Wenn Kinder Eltern und Eltern Großeltern werden, brechen oft alte Konflikte wieder auf. Wenn die Omi alles besser weiß, fühlt sich zum Beispiel manch junger Vater in seine Kindheit zurückversetzt und wie ein kleiner Junge behandelt. Es gibt wohl kaum einen idealeren Nährboden für Streit, als die widerstreitenden Erziehungsvorstellungen von Eltern und Großeltern.

Der Rat von Familientherapeuten an Großeltern: Sie stehen vor der Herausforderung, Balance hin zu bekommen, zwischen eigenem Erziehungsstil und dem der jungen Familie. Dabei sollte beachtet werden: Neben den eigenen Vorstellungen müssen natürlich auch die Interessen der jungen Familie respektiert werden! Und auch wenn man unterschiedlich handelt, sollte man darauf achten, keinesfalls deren Erziehungsmethoden zu durchkreuzen. Großeltern müssten akzeptieren, die eigenen Kinder nicht mehr als Kinder zu behandeln, sondern ihnen zutrauen, ihre eigenen Kinder zu kennen und zu lenken, sagen Therapeuten.

Günther erinnert an die Probleme, die es geben kann, wenn sich Eltern nicht „ausreichend abgelöst haben von den eigenen Eltern - quasi immer noch in der Pubertät verharren“. Seine Tipps, um Konflikte zu vermeiden und zu lösen: „Wenn sich Oma und Opa zu sehr einmischen, muss offen über die Beziehung zwischen Großeltern und Eltern gesprochen werden. Jede Familie muss klare Regeln festlegen. Dabei sollte deutlich gemacht werden, dass zunächst die Eltern das Sagen haben. Abmachungen fördern ein gutes Familienklima.“ Auch Achtsamkeit gehört dazu: In manchen Fällen, insbesondere wenn beide Elternteile außer Haus arbeiten, wird die Verfügbarkeit der Großeltern überstrapaziert, ohne Rücksicht auf ihr wohlverdientes Recht auf Erholung.

Quelle: op-online.de

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