Protest gegen illegale Greifvogelfallen

Wenn Jäger zu Gejagten werden

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Ein europäischer Wanderfalke (Falco peregrinus) hat eine Krähe erbeutet. Tieraktivisten behaupten, Geflügelzüchter und sogar Jäger würden Greifvögel mit Hilfe von speziellen Fallen jagen. Die so Attackierten weisen die Anschuldigungen zurück.

Frankfurt/Kirchhain - Greifvögel gelten als Herren der Lüfte. Doch obwohl sie streng geschützt sind, werden sie immer wieder Opfer illegaler Fallen. Die Suche nach den Tätern ist schwierig, denn die Fallen werden meist nur durch Zufall entdeckt. Von Ruth Herberg

Der Habicht hat die Beute entdeckt. Im Sturzflug geht er nach unten, um sich die Taube zu greifen. Doch es ist eine Falle, das tote Tier ein Köder. Denn sobald der Vogel zugreift, aktiviert er das Tellereisen. Zwei Eisenbügel schnappen zusammen und quetschen seine Beine ein. Sollte er sich nicht selbst aus der Falle befreien können, wird er hier früher oder später verenden - oder er wird von seinen Häschern erschlagen.

So ähnlich hätten auch im zuletzt bekannt gewordenen Fall Greifvögel sterben sollen: In Kirchhain bei Marburg wurden zwei illegale Fallen entdeckt. Nach Polizeiangaben hatte ein Hühnerzüchter sie auf seinem Grundstück aufgestellt. Die Naturschützer vom Verein Komitee gegen den Vogelmord überrascht dieser Fall nicht: „Das Verfolgen und Töten von Greifvögeln ist hierzulande leider immer noch sehr verbreitet“, erzählt der Sprecher der Initiative, Axel Hirschfeld. Er und seine Kollegen glauben in vielen Fällen die Täter zu kennen: „Die Fallen werden oft von Tauben- oder Hühnerzüchtern oder sogar Jägern aufgestellt“, meint der Tierschützer. Die einen hätten Angst um ihre Tiere, den anderen sei die unliebsame Konkurrenz bei der Jagd um Kleinwild ein Dorn im Auge. Jäger und Züchter sehen sich zu Unrecht am Pranger.

Habichtkörbe oder Ähnliches aufzustellen, ist nur eine Möglichkeit, Jagd auf Greifvögel zu machen. Tiere werden auch abgeschossen oder verenden an vergifteten Ködern. Dabei ist das verboten: Wer Bussarde, Sperber oder Rotmilane fängt, verletzt oder tötet, verstößt gleich gegen zwei Gesetze: das Bundesnaturschutz- und das Tierschutzgesetz. Wer die Vögel verfolgt oder tötet, den erwartet eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Die Täter zu überführen, sei nicht ganz einfach, berichtet Hirschfeld: „Die Fallen werden in der Regel auf Privatgrundstücken aufgestellt und meist so, dass man sie nicht sieht. Deswegen werden sie nur durch Zufall gefunden.“ Um die Fälle zu dokumentieren, ist im vergangenen Jahr mit Mitteln des Bundesamtes für Naturschutz das Projekt EDGAR ins Leben gerufen worden. EDGAR steht für „Erfassungs- und Dokumentationsstelle Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität“. Tote Vögel sollen untersucht und die Fälle illegaler Greifvogeljagd dokumentiert werden.

Hierzulande sind in den vergangenen fünf Jahren insgesamt 17 Fallen gefunden worden. „Damit ist die illegale Greifvogeljagd in Hessen zwar nicht so verbreitet wie etwa in Nordrhein-Westfalen“, berichtet Maik Sommerhage vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen. Die Dunkelziffer dürfte aber weit darüber liegen, vermutet er.

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Auf Seiten der Jäger weist man den Vorwurf der Tierschützer vom Komitee gegen den Vogelmord entschieden zurück. „Schon allein aus rechtlichen Gründen dürfen wir keine Greife schießen“, sagt der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Hessen, Alexander Michel. „Die Tiere unterliegen zwar dem Jagdrecht, gleichzeitig gilt für sie aber eine ganzjährige Schonfrist.“ Mit dem Jagdrecht sei außerdem die Pflicht zur Hege verbunden, erklärt Michel. „Das heißt, dass wir nach den Tieren schauen und etwa ihre Horste überprüfen.“ Dass Jäger Greifvögel töten, könne also nicht pauschalisiert werden.

Auch Geflügelzüchter fühlen sich zu Unrecht beschuldigt. Die Greifvogelpopulation sei zwar zu groß und mache die Zucht schwierig, sagt der Vorsitzende des Landesverbands der Rassegeflügelzüchter Hessen-Nassau, Heinrich Wenzel. „Trotzdem ist das eine Vorverurteilung von uns Züchtern. Wir setzen uns schließlich auch für den Tierschutz ein.“ Bei Verbandsschulungen werde immer wieder darauf hingewiesen, dass man Hühner und Tauben anders schützen könne und die Greife nicht gleich töten müsse. „Letztendlich kann man aber natürlich nie ausschließen, dass es doch mal einer tut“, räumt der Vorsitzende ein.

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Aus Sicht des Nabu macht das Töten wenig Sinn: „Wenn man beispielsweise einen Habicht tötet, ist die Gefahr ja nicht gebannt. Dann kommt kurze Zeit später der nächste, und dann schnappt der sich eben das Huhn“, sagt Maik Sommerhage. Viel nützlicher sei es, das Zuchtgehege gegen Angriffe durch Greifvögel zu schützen, beispielsweise durch ein Netz oder einen zweiten Zaun.

Und was, wenn man selbst einen toten oder verletzten Vogel findet oder aber glaubt, eine illegale Falle entdeckt zu haben? Das hessische Umweltministerium rät, ein Foto von dem Tier oder der Falle zu machen und sich den Fundort zu notieren. Dann sollte man sich an die Untere Naturschutzbehörde im jeweiligen Landkreis wenden. Wichtig sei jedoch, dass man das Tier, insbesondere aber die Falle nicht anfasse - beides könnte mit Gift versetzt sein.

dpa

Quelle: op-online.de

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