Wenn der lebenswichtige Saft fehlt

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In Hessen kommen immer weniger Blutspenden zusammen.Gründe für den Rückgang: Eine immer älter werdende Bevölkerung sowie Spende-Müdigkeit.

Wiesbaden/Langen - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Hessen beklagt einen Rückgang an Blutspendern und sieht langfristig die Versorgung mit Blutkonserven gefährdet.

Im vergangenen Jahr kamen nur noch 254.000 Spenden zusammen, 2010 waren es noch 277.000, wie das DRK in Wiesbaden mitteilte.

Täglich werden in Hessen 1000 Blutspenden, in ganz Deutschland 15 .000 Blutspenden für die Versorgung der Patienten in Kliniken benötigt. Das DRK rief zum heutigen Weltblutspendertag dazu auf, sich an den Blutspende-Aktionen zu beteiligen. Nur zehn Prozent der Deutschen ließen sich regelmäßig „anzapfen“. Dabei gehen Experten davon aus, dass vier von fünf Bundesbürgern mindestens einmal in ihrem Leben auf eine Blutkonserve angewiesen sind.

In den bevorstehenden Ferien drohen nach Angaben des DRK Engpässe in der Versorgung mit Blutkonserven. Bereits am Pfingstwochenende seien zehn Prozent weniger Spender zu den Terminen gekommen. Auch während der laufenden Fußball-EM rechnet die größte Hilfsorganisation Deutschlands mit weniger Spendern. Während der Sommerferien 2010 sei die Situation bereits so angespannt gewesen, dass geplante Operationen verschoben wurden, damit für die Notfälle genügend Blut vorhanden war.

Versorgungsengpässe in den Sommerferien vermieden

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) rief zum Blutspenden auf, damit Versorgungsengpässe in den Sommerferien vermieden werden. „Wir sind auf Blutspenden angewiesen, denn Blut ist nicht reproduzierbar und kann nur bedingt gelagert werden.“ Wer Blut spende, leiste einen großartigen Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung. Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen sieht zwar bundesweit keinen Rückgang an Blutspenden. Es könne aber regionale und saisonale Schwankungen geben, sagte eine Sprecherin.

Nach einer aktuellen Studie des DRK-Blutspendedienstes wird im Jahr 2030 das Spendenaufkommen um 11,1 Prozent niedriger ausfallen als noch im Jahr 2007. Gleichzeitig wachse der Bedarf an Blutpräparaten um 14,5 Prozent. Der medizinische Fortschritt lasse den Bedarf an Blut oder einzelnen Bestandteilen steigen, erklärten die Experten.

Frühzeitig auf die Folgen reagieren

Das DRK sichert mit 3,8 Millionen Vollblutspenden jährlich 80 Prozent der Blutversorgung in Deutschland und ist nach eigenen Angaben die einzige der großen Hilfsorganisationen, die Blutspendetermine organisiere. 2011 seien es mehr als 2600 mobile Termine gewesen.

Ursache für den allgemeinen Rückgang der Blutspender sei die Bevölkerungsentwicklung, erklärte eine DRK-Sprecherin. Die Menschen würden immer älter, während die Geburten weiter zurückgingen. Die hessische DRK-Präsidentin Hannelore Rönsch sagte: „Der demografische Wandel gefährdet die ausreichende Versorgung mit Blutkonserven. Wir wollen frühzeitig auf die Folgen reagieren, um das Blutspendewesen weiterzuentwickeln. Dazu wird im Moment eine landesweite, durchgängige Struktur aufgebaut.“

Zukünftig soll es in jedem DRK-Kreisverband einen Blutspende-Beauftragten als Ansprechpartner für die Ortsverbände geben. Durch ihn soll eine stärkere Vernetzung und ein intensiverer, landesweiter Austausch sowie die gemeinsame Weiterentwicklung der Struktur sichergestellt werden.

DRK geht in Berufsschulen und Firmen

Besonders niedrig sind laut DRK die Spenderzahlen in sehr großen Gemeinden mit einem hohen Altersdurchschnitt, einer hohen Arbeitslosigkeit und vielen Menschen mit Migrationshintergrund. Stärkste Gruppe unter den Spendern seien die 41- bis 50-Jährigen. Im Alter von 18 bis 30 Jahren spenden mehr Frauen, ab dem 31. Lebensjahr seien es überwiegend Männer, erklärten die Experten.

Um Jüngere zu gewinnen, geht das DRK in Berufsschulen und Firmen. „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, geht der Berg zum Propheten. Das ist unser Motto, denn wenn wir zum Spender kommen, spendet er auch“, hieß es beim Roten Kreuz.

Für das Blutspenden spreche auch rationaler Egoismus: Jeder Spender bekomme einen Ausweis, in dem seine Blutgruppe vermerkt sei. Der könne das eigene Leben retten, wenn im Notfall nicht genügend Zeit bleibe, um die Blutgruppe zu bestimmen. dpa/dapd

Quelle: op-online.de

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