Viele Menschen leben auf der Straße

Wenn die Miete unbezahlbar ist

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Studentin sammelt viel Geld für „obdachlosen Helden“

Offenbach - Es ist eine Geschichte, die vor wenigen Tagen weltweit viele Menschen berührte: Ein Obdachloser bot ihr nachts sein letztes Kleingeld für die Heimfahrt mit dem Taxi - nun hat eine britische Studentin aus Dankbarkeit tausende Pfund für den Mann gesammelt.

„Nachdem ich meine Bankkarte verloren und am frühen Morgen kein Geld hatte, ist ein obdachloser Mann auf mich zugekommen und hat mir sein einziges Kleingeld von drei Pfund angeboten und darauf beharrt, dass ich es nehme, um ein Taxi zu bezahlen“, schrieb die Studentin Dominique Harrison-Bentzen auf ihrer Spendensammel-Website. Sie habe das Geld nicht genommen, doch sei sie berührt gewesen von dieser Geste „eines Mannes, der jeden Tag mit Ignoranz konfrontiert ist“. Die Studentin entdeckte, dass der Mann namens Robbie, der seit sieben Monaten in der nordenglischen Stadt Preston auf der Straße lebt, bereits früher durch gute Taten auffiel. Sie beschloss daraufhin, selbst 24 Stunden auf der Straße zu verbringen, um Geld für Robbie zu sammeln.

Zusammen könnten sie zu Weihnachten sein Leben ändern und ihn „endlich von der Straße holen, damit er es sicher und warm hat“, schrieb Harrison-Bentzen in ihrem Spendenaufruf. Sie rief dazu auf, jeweils drei Pfund zu geben - die selbe Summe, die Robbie ihr angeboten hatte. Schnell kamen umgerechnet 20.500 Euro zusammen. Notquartiere, Billigpensionen, Campingplätze, wechselnde Übernachtungsmöglichkeiten bei Bekannten oder auch der regengeschützte Hauseingang in der Fußgängerzone - das gibt es auch in Deutschland: Für mehr als 284.000 Menschen bundesweit ist die Wohnungslosigkeit allgegenwärtiger Alltag. Tendenz steigend.

Wohnungslose Menschen in Hessen

Auch die Lage für wohnungslose Menschen in Hessen bleibt angespannt. Betroffen sind vor allem Senioren und Jüngere, wie aus einer in Wiesbaden veröffentlichten Stichtagserhebung der Liga der Freien Wohlfahrtspflege hervorgeht. Danach suchten am 24. November 2013 insgesamt 4 707 Personen die Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe auf, dies waren etwa 900 mehr als im Jahr 2011. Von den 4 707 Personen war ein Fünftel Frauen. Die Zahl der Menschen über 50 Jahre erhöhte sich gegenüber 2011 um mehr als ein Drittel auf 1 368 Personen. Dagegen verharrte die Zahl der jungen Wohnungslosen bis 27 Jahre bei etwa 550.

„Wir sind darüber in Sorge, dass es eine deutliche Zunahme von älteren Wohnungslosen gibt und die Zahl der jüngeren auf konstant hohem Niveau verharrt“, erklärte Wolfgang Gern, Vorsitzender des Liga-Arbeitskreises „Armut, Gefährdung und Integration“ sowie Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen. Um die Jungen zu erreichen, müssten die kommunale Jugendhilfe und die Wohnungslosenhilfe enger zusammenarbeiten, forderte Gern. Die älteren Wohnungslosen benötigten geeignete Angebote zur Pflege.

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Kritisch sieht der Diakonie-Chef auch die hohe Inanspruchnahme von Notschlafstellen. Nach der Umfrage sind mehr als sieben Prozent der Wohnungslosen auf diese Zufluchtsorte angewiesen. Zudem weisen die ermittelten Zahlen einen immer noch hohen Anteil von neun Prozent der Wohnungslosen auf, die völlig ohne Unterkunft leben. Dies sei gerade im Winter problematisch, sagte Gern. Deswegen verfolge die Liga das Ziel, den Erfrierungsschutz in Hessen zu verbessern.

Mit der Stichtagserhebung, an der sich im vergangenen Jahr 181 Dienste und Einrichtungen beteiligten, will die Liga nach eigenen Angaben dazu beitragen, dass ein differenzierteres und realistischeres Bild von der Lebenssituation wohnungsloser Menschen in Hessen entsteht. Deswegen appellierte sie an das Land, künftig eine eigene Wohnungsnotfallstatistik zu erstellen. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen ist ein Zusammenschluss von sechs hessischen Wohlfahrtsverbänden, darunter die Diakonie, die Caritas und das Deutsche Rote Kreuz. Die Mitgliedsverbände betreiben rund 5 000 Einrichtungen und Dienste.

psh/epd/afp

Quelle: op-online.de

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