Wenn Tapeten an den Wänden leuchten

Frankfurt ‐ Die chemische Industrie will bei der zukünftigen Energiegewinnung eine größere Rolle spielen. Das geht aus einem Positionspapier des Koordinationskreises chemische Energieforschung hervor. Von Thomas Holzamer

Demnach könne allein durch die Fortschritte der Chemie-Forschung in den nächsten 20 Jahren rund ein Fünftel des deutschen Energiebedarfs durch Einsparungen und durch das Erschließen von neuen Ressourcen gedeckt werden. „Wir können derzeit lediglich 40 Prozent der bereits erschlossenen Erdölvorkommen nutzen“, erläuterte Andreas Kreimeyer, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im Verband der chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt. Das soll sich in Zukunft durch die Nutzung von speziellen Ölfeldchemikalien ändern. Sie sollen die Fließeigenschaften des Erdöls verbessern und damit die Ausbeutung der unterirdischen Lagerstätten erleichtern.

Große Erfolge im Bereich der Einsparung von Energie könne man beispielsweise mit Brennstoffzellen und modernen Stoffen zur Wärmedämmung erzielen. „Deutschlandweit sind etwa 20 Millionen Wohneinheiten schlecht isoliert“, sagte Kreimeyer. Ausgestattet mit einer modernen Wärmedämmung könnten 80 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr eingespart werden. Das entspreche in etwa der Menge, die alle Autos in Deutschland im selben Zeitraum erzeugen.

Bessere und leichtere Batterien für die Zukunft

Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld der Chemieindustrie sei die Entwicklung von besseren und leichteren Batterien, nicht zuletzt, wenn es um die flächendeckende Nutzung von Elektroautos gehe, erläuterte Kreimeyer weiter. Diese benötigten eine hohe Speicherkapazität und möglichst kurze Ladezyklen, um alltagstauglich zu werden. Innerhalb der nächsten zehn Jahre solle das der Fall sein. Auch bei den Solarzellen werde sich in den nächsten Jahren einiges tun, kündigte der Vorsitzende des Koordinierungskreises, Professor Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, an. Die derzeit erhältlichen Solarzellen könnten lediglich 15 bis 20 Prozent des auftreffenden Lichts in Energie umwandeln. Dieser sogenannte Wirkungsgrad könne künftig wesentlich verbessert werden. Gleichzeitig sind die Forscher auch im Bereich der Lichterzeugung aktiv. So lassen die Entwicklungen im Bereich der sogenannten „organischen Leuchtdioden“ die Forscher bereits von Produkten wie aufrollbaren Bildschirmen und ganzen Wänden aus leuchtenden Tapeten träumen. Zudem leiste die Forschung in der Chemiebranche durch Maßnahmen zur Einsparung von Energie und zu Effizienzsteigerungen bei der Nutzung alternativer Energien einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Quelle: op-online.de

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