„Medien-Scouts“ helfen an Schulen

Ärger in der Netzwelt: Wenn Whatsapp wehtut

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Bei regelmäßigen Schulungen werden die „Medien-Scouts“ in technischen und rechtlichen Fragen auf dem Laufenden gehalten. Mit im Bild: Referentin Beate Kremser (vorne rechts) und der Rektor der Kreuzburgschule Eckhard Finger (Vierter von links)

Hainburg - Der „Streber“ aus der ersten Reihe wird über Facebook derb geschmäht. Der „schöne Jens“ verbreitet per Whatsapp anzügliche Fotos über seine Nacht mit Janine nach dem Klassenfest. Bennie versorgt seinen Freundeskreis mit illegal heruntergeladenen Filmen und Musik. Von Michael Eschenauer

Moderne Medien, das Internet sind faszinierend und teilweise brandgefährlich. Vieles ist strafbar. Seit einem Jahr schützen und beraten „Medien-Scouts“ ihre Mitschüler an den Schulen des Kreises Offenbach.

Jetzt besuchte Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) einen Ausbildungstermin der jungen Internet-Berater an der Kreuzburgschule in Hainburg. „Medien-Scouts“ sind Schüler, die eine spezielle Ausbildung durchlaufen haben, so dass sie ihren Altersgenossen bei Fragen der Internet-Sicherheit mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Der Kreis Offenbach bildet in Zusammenarbeit mit einigen Schulen in der Region seit 2013 „Scouts“ aus. Derzeit nehmen 25 Schülerinnen und Schüler an fünf Schulen an dem Projekt teil. Jedes Jahr steckt der Kreis mindestens 1500 Euro in ihre Ausbildung. Das Projekt an der Kreuzburgschule startete im Schuljahr 2013/2014 als „Tandem“ mit der Merianschule in Seligenstadt und wird nach Angaben der Beteiligten durch Rektor Eckhard Finger „vorbildlich unterstützt“. Weitere Medien-Scouts gibt es in Dreieich an der Heinrich-Heine- und an der Ricarda-Huch-Schule sowie am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Mühlheim. Für die Betreuung und Ausbildung der „Medien-Scouts“ gibt es zehn Lehrer.

„Eure Beratungen finden auf Augenhöhe statt. Ihr kommt mit euren Warnungen und Hinweisen oft viel glaubwürdiger rüber als eure Eltern oder Lehrer“, macht Müller einen der größten Vorteile der „Medien-Scouts“ aus. Referentin Beate Kremser nimmt an diesem Morgen die Sicherheit bei Whatsapp durch. Was ist zu tun, wenn illegale Fotos oder Filme auf dem Handy ankommen? Wie kann man eigene Daten schützen, die häufig durch Apps abgesaugt werden? Wie kann man verhindern, dass ankommende Dateien automatisch gespeichert werden? Was kann ich tun, wenn mich Whatsapp-Gruppen mit Dauermiteilungen bis in die Nacht hinein nerven? Wie schütze ich mich gegen Viren und Trojaner?

Die jungen Leute sind motiviert. Ein bis zweimal pro Woche, so die „Medien-Scouts“ Rico, Marcel, Daniel und Kati und Laura würden Mitschüler jeden von ihnen mit Problemen oder Fragen konfrontieren. Nicht immer ist hartes Mobbing der Auslöser. „Da geht es manchmal nur um ein paar Tipps, wenn irgendein Programm nicht funktioniert.“ Immer wieder treffe man aber auch auf die völlig falsche Einschätzung, man könne schräge Filmchen über einen selbst „nullo problemo“ auf YouTube stellen, weil die für Unbeteiligte sowieso nicht zu finden seien. So was dauere für ihn kaum länger als ein paar Minuten, verrät einer der „Scouts“.

Groß ist der Informationsbedarf auch bei juristischen Fragen.

  • Wer Fotos hochlädt, auf denen andere Personen zu sehen sind, sollte sich vorher deren Erlaubnis holen.
  • Nur die wenigsten Jugendlichen wissen zudem, dass man Mitschüler nur mit deren Einverständnis fotografieren darf.
  • Wer andere online beleidigt, macht sich strafbar.
  • Belästigung per E-Mail gilt als Stalking.
  • Drohung und Nötigung im Netz sind Straftaten.

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Ist der Schuldige minderjährig, sind unter Umständen seine Eltern haftbar. Das kann bis zur existenzgefährdenden Beschlagnahme von Geschäftscomputern gehen.

„Viele Jugendliche erzählen zu Hause nichts mehr“, berichtet Bernhard Koch, der an der Kreuzburgschule den Medienkurs leitet. Gerade hier kämen die „Medien-Scouts“ als Ansprechpartner ins Spiel. Dass das lustige Hin- und Her in den sozialen Netzwerken explosive Wirkung entfalten kann, hat Medienexperte Koch mehrfach miterlebt. Zum Beispiel bei einem Schüler, der sich um ein Praktikum bei einer Firma bewarb. Nach einen phänomenal verlaufenen Bewerbungsgespräch mit dem Inhaber schien dem jungen Mann die Stelle sicher. Er war gerade wieder zu Hause angekommen, da klingelte das Telefon. „Sie können die Sache vergessen“, würde ihm schmallippig mitgeteilt. Koch: Die Chefsekretärin hatte auf Facebook über den Schüler recherchiert und wilde Party-Fotos entdeckt.

Quelle: op-online.de

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