Wenn die wilden Biker kommen ...

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Da wird der brave Sachbearbeiter zum wilden Rocker. Harley-Fahrer brauchen die martialische Inszenierung für ihre Ausfahrten.

Fulda/Poppenhausen - Das Motorradtreffen von Harley-Davidson-Fahrern in der Rhön ist von zwei schweren Unfällen überschattet worden. Ein Polizist stürzte bei dem Treffen mit seinem Dienstmotorrad und erlitt schwere Kopfverletzungen. Von Felix Weber (dpa)

Er wurde in der Nacht zum Samstag notoperiert und befand sich nach Angaben der Polizei in Fulda am Sonntag immer noch in Lebensgefahr. Am Freitagabend war außerdem ein Teilnehmer des Motorrad-Treffens in Gersfeld nahe der Wasserkuppe in eine Fußgängergruppe gefahren. Dabei wurde ein 15-jähriger Passant schwer verletzt. Der 45-jährige Motorradfahrer wurde ebenfalls schwer verletzt. Der Fahrer hatte beim Überholen die Fußgänger übersehen.

Insgesamt versetzte das Biker-Treffen Hessens höchsten Berg in Ausnahmezustand. Eine Gruppe von Harley-Fahrern bahnt sich ihren Weg durch das sonst so beschauliche Rhöndorf Abtsroda. Sie sind auf dem Weg zum Friendship-Ride auf der Wasserkuppe. Tausende begeisterte Fahrer und Fans der amerikanischen Motorradmarke sowie ganze Familien haben sich an diesem Wochenende auf Hessens höchster Erhebung versammelt, um drei Tage lang gemeinsam zu feiern und dem Kult „Harley“ zu frönen. Auf dem Gipfel herrscht Volksfeststimmung.

Wir haben noch nie in der Rhön gefeiert und freuen uns umso mehr, jetzt hier zu sein. Der Mix aus Kurven, Landschaft und Infrastruktur bietet ideale Voraussetzungen für ein gelungenes Fest“, sagt Rudi Herzig vom Harley-Presseservice und erklärt, dass zu der Veranstaltung an drei Tagen rund 30 000 Gäste strömten.

Die Ausweich-Busse waren voll bis unters Dach

Die vielen Besucher, die ohne Motorrad gekommen waren, um das Spektakel hautnah zu erleben, mussten sich allerdings zunächst in Geduld üben. Da die Straße nur für Zweiräder frei war, mussten sie auf Busse ausweichen. Viele von ihnen waren voll bis unter das Dach. Oben angekommen wurden die Besucher für den mühsamen Aufstieg auf vier Rädern belohnt. „Hier gleicht kein Motorrad dem anderen“, sagt eine junge Besucherin und fotografiert munter, was ihr vor die Linse kommt.

Individualität wird unter Harley-Fahrern großgeschrieben. Das sogenannte Customizing bedeutet, dass sich jeder Fahrer mit seinem Bike identifizieren kann“, erklärt Herzig. Oftmals werde von der Schraube bis zur Lederjacke alles aufeinander abgestimmt, um ein einheitliches, individuelles Erscheinungsbild zu gewährleisten. Auch Tim Millers Maschine ist ein Unikat. Seit 25 Jahren ist der gebürtige Amerikaner auf seinen Harleys unterwegs. „Als Amerikaner hat man die Liebe zur Harley mit in die Wiege gelegt bekommen“, erklärt das Mitglied des Harley-Clubs Fulda-Rhön.

Trotz der großen Resonanz stoßen die Biker gerade bei Naturschützern auf Kritik. Schon zu Beginn der Veranstaltung sagte Joachim Schleicher, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Fulda: „Die Tatsache, dass so etwas stattfindet, ist bedauerlich. Das Biosphärenreservat Rhön ist ein Umweltprojekt.“

Quelle: op-online.de

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