Kommentar: Wenn‘s brenzlig wird

So ist das halt mit der Zivilcourage: Sie lässt sich trefflich fordern, gar beschwören. Wenn es aber in einer brenzligen Situation soweit ist, weiß keiner von uns, wie er sich verhalten würde. Von Ralf Enders

In Frankfurt hat der 21-jährige Emeka Okoronkwo seinen Einsatz für zwei bedrohte Frauen mit dem Leben bezahlt. Erinnerungen an Dominik Brunner werden wach, der sich in München schützend vor Kinder gestellt hatte und dafür getötet wurde.

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Dramatische Fälle wie diese machen niemanden mutiger, couragierter eben. Soll man sich selbst in Lebensgefahr begeben? Wie erkennt man Lebensgefahr? Verbindliche Antworten darauf gibt es nicht. Nur zahlreiche Ratschläge, umsichtig zu sein, andere Passanten auf seine Seite zu ziehen und schnell die Polizei zu holen. Dabei sind die Todesfälle absolute Ausnahmen im täglichen Ringen um Gerechtigkeit im öffentlichen Raum. Vielleicht sollten wir öfter von positiven Beispielen berichten, um die Wahrnehmung zu entzerren.

Getrost ignorieren darf man dagegen Politiker wie den stellvertretenden Frankfurter SPD-Chef Eugen Emmerling. Der hat bereits gefordert, Okoronkwo mit einer Bürgermedaille für Zivilcourage auszuzeichnen, weil dieser „ein Zeichen gegen die Unkultur des Wegschauens“ gesetzt habe. Das ist Unsinn. Erstens weil die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, mithin niemand genau weiß, was sich zugetragen hat. Zweitens weil posthum Ausgezeichnete herzlich wenig davon haben. So ist das halt mit der Zivilcourage.

Quelle: op-online.de

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