„Wer testet die Tester?“

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Da kann man sich an den Kopf fassen: Das Abi ist ja schon schwer genug, wenn dann noch die Aufgaben fehlerhaft oder unklar sind, wird‘s richtig knifflig. Immerhin: Die von der Mathe-Panne beim hessischen Landesabitur betroffenen Schüler dürfen die Prüfung auf Wunsch wiederholen.

Frankfurt/Wiesbaden (dpa) - Lehrerverbände und politische Parteien haben mit Unverständnis und Kritik auf die Mathe-Panne im Landesabitur reagiert. Die FDP- und die Grünen-Fraktion beantragten dazu eine Aktuelle Stunde im Landtag noch in dieser Woche.

Die einhellige Forderung, die Panne dürfe die betroffenen Schüler nicht benachteiligen, hat sich erledigt: Nach einer Entscheidung von Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) dürfen alle Schüler, die das wollen, ihre Prüfung wiederholen.

Aus Sicht der GEW zeigen die Fehler in den Matheaufgaben, „dass zentrale Aufgabenstellungen keineswegs besser sind als dezentrale“. „Ausbaden müssen es die Schüler“, kritisierte GEW-Landeschef Jochen Nagel gestern in Frankfurt. „Die Schüler sollen immer belegen, dass sie alles richtig machen und schreiben dauernd Tests. Aber wer testet die Tester?“,fragte Nagel. Zu dem Fachlehrer-Gremium im Ministerium, das die Fehler in den Aufgaben nicht bemerkt hatte, sagte Nagel: „Wie das Ministerium die Leute auswählt, die in solchen Kommissionen sitzen, erschließt sich nicht.“

Die Aufgaben müssten noch einmal von Unbeteiligten kontrolliert werden, bevor sie an die Schulen kämen, verlangte der Philologenverband Hessen als Vertretung der Gymnasiallehrer. „So was darf nicht passieren“,sagte Verbandssprecher Werner Meyer. Der Landesverband der Oberstudiendirektoren begrüßte die Entscheidung Henzlers. Sie werde damit ihrer Gesamtverantwortung gerecht. Die zusätzliche Chance sei „eine faire Lösung für die Schüler“, sagte der Vorsitzende des Verbands, Volker Räuber. Für die künftigen Prüfungen müssten die Sicherungssysteme verbessert werden, damit sich ein solcher Fall nicht wiederholen könne.

Die Leiterin des Taunusgymnasiums in Königstein und stellvertretende Vorsitzende des Philologenverbandes, Roswitha Stengl-Jörns, nannte es ärgerlich, dass so etwas passiert. Die Abiturienten seien sowieso schon unter Prüfungsstress, „und das macht es noch unangenehmer“.

Aus Sicht der SPD-Landtagsabgeordneten Heike Habermann haben die Kontrollmechanismen beim Zentralabitur eklatant versagt. Henzler versuche zwar, den Schaden zu begrenzen, er sei aber schon entstanden und auf eine unzureichende Vorbereitung der Prüfung zurückzuführen. „Wer gegen alle Bedenken am Zentralabitur festhält, muss es auch 110-prozentig vorbereiten“,forderte sie. Ihr Grünen-Kollege Mathias Wagner befand, „es ist unglaublich, dass Kultusministerin Henzler offensichtlich bis heute nicht weiß, wie es zu dieser Panne gekommen ist“.

CDU und FDP lobten Henzler wegen ihrer Entscheidung, Ersatzprüfungen zu ermöglichen. Damit habe die Ministerin die richtige Konsequenz gezogen, erklärte Hans-Jürgen Irmer (CDU) und Mario Döweling. FDP-Fraktionschef Florian Rentsch begründete die Aktuelle Stunde mit dem Argument, dass Ministerin und Parlament gemeinsam über die Probleme mit der Abiturprüfung aufklären sollten. Eine Alternative zum zentralen und einheitlichen Prüfung gebe es aber nicht, das Zentralabitur sei insgesamt ein Erfolgsmodell.

Quelle: op-online.de

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