Nile Rodgers glänzt in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Werkschau eines ganz Großen

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Immer noch vital, immer noch ein Meister des Fachs: Nile Rodgers.

Frankfurt - Könnte eine schäbige Sache sein. Eine der landläufigen Oldieshows, mit nur noch einem der ursprünglichen Musiker und einer gesichtslosen Staffage. Doch diesmal geht es um Nile Rodgers. Von Stefan Michalzik

Der New Yorker gilt, wenngleich erst spät als solche anerkannt, als Poplegende – bei Weitem nicht bloß als einer der Köpfe von Chic. Zusammen mit dem 1996 verstorbenen Bassisten, Co-Songschreiber und Co-Produzenten Bernard Edwards hat er sich mit einer Liste von Hits für andere Größen in die Geschichte eingeschrieben, vor allem in den Achtzigern. Und er ist berühmt für seine genial-reduzierte dit-dit-dit-dit-dit-dit-dit-Rhythmusgitarre, mit der er jeder Nummer seinen Stempel aufdrückt.

Nile Rodgers, mit 66 Jahren und einer überstandenen Krebserkrankung eine immer noch wendig-agile Erscheinung mit schwarzer Barrettmütze und steißlangen Rastalocken, kommt zuerst allein auf die Bühne der Jahrhunderthalle Frankfurt und lässt sich feiern, wirft Handküsschen ins Publikum und schüttelt Hände. In einer effektvollen Show mit sechs Musikern in weiß und ihm selbst sowie zwei grandiosen Sängerinnen ist er ganz der Star; Bassist Jerry Barnes, der die Stelle des einst den Sound mitprägenden Bernard Edwards eingenommen hat, darf viel mittun.

Immer die Besten, das hat Rodgers einmal in einem Interview gesagt – und das bestätigen die großartigen, so diszipliniert wie locker auftretenden Musiker an diesem Abend. Gleich am Anfang ein paar der Hitkracher vom Schlage „Everybody Dance“, „Dance, Dance, Dance (Yowsah, Yowsah, Yowsah)“ und „I Want Your Love“ in der Pracht einer exzellenten Band. Alles auf den Punkt – in einem vitalen Musizieren, das den Sängerinnen und Musikern Freiheiten erlaubt; zuweilen öffnen sich die Nummern zu improvisatorischen Jams, die aber nie unnütz ausufern.

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Gut eine Handvoll Charthits gehen auf Chic, Nile Rodgers hatte viele mehr. So ist das auch eine Werkschau seiner Arbeiten als Produzent und Songschreiber, die insgesamt über 500 Millionen mal verkauft worden sein sollen. „I’m Coming Up“ (für Diana Ross), „Like a Virgin“ (Madonna), „Notorious“ (Duran Duran), „We Are Family“ (Sister Sledge) und Daft Punk/Pharrell Williams „Get Lucky“.. Recht amüsant gibt im Übrigen der Keyboarder Richard Hilton zu „Let’s Dance“ den David Bowie. Die am Ende gespielte Chic-Nummer „Good Times“ von 1979 geht in „Rapper’s Delight“ über, den nur ein Jahr später veröffentlichten Raphit der Sugarhill Gang, der wesentlich auf der Basslinie von „Good Times“ beruht.

Das ist ein draller, rauschender Abend, irgendwann tanzt annähernd jeder in der Halle, auch die Zuschauer im bestuhlten Teil. Eine Oldieshow, natürlich. Aber eine, die keine Wünsche offen lässt.

Quelle: op-online.de

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