Wettbauen in der Region

+
Eingerüstete Wohnhäuser stehen am 23. März in einem Neubaugebiet in Frankfurt. Das Rhein-Main-Gebiet wächst und wächst, aber bezahlbare Wohnungen sind für viele schwer zu finden.

Frankfurt - Die Einwohnerzahl im Rhein-Main-Gebiet wächst und der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt.

Frankfurt zählt bereits rund 700.000 Einwohner, Wiesbaden über 280.000; in Offenbach leben schon rund 127.000 Menschen, in Darmstadt mehr als 150.000 und in Hanau über 92.000 - Tendenz überall weiter steigend. Allein Frankfurt legt derzeit jede Woche durchschnittlich um rund 280 Einwohner zu. Für einen entspannten Wohnungsmarkt fehlen nach Berechnungen der Stadt etwa 30.000 Wohnungen.

In der Metropolregion Frankfurt Rhein-Main gibt es nach Einschätzung des Regionalverbands zu wenig Wohnungen für ein Drittel der Haushalte. Besonders betroffen sind dabei Haushalte mit einem Einkommen von weniger als 1500 Euro. Was tun die Städte und der Regionalverband, um dem Wohnungsproblem Herr zu werden? Frankfurts Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) gibt die Linie so vor: „Wir räumen der Entwicklung des Wohnstandorts Frankfurt den höchsten Stellenwert in der Stadtplanung ein.“ Dabei kann sich der schwarz-grüne Magistrat der Unterstützung von SPD-OB Peter Feldmann sicher sein, der bereits bei seiner Wahl 2012 mit der Forderung nach bezahlbarem Wohnraum punktete.

Das Ausmaß, in dem Wohnbauflächen derzeit zur Verfügung gestellt würden, sei vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen, sagt Cunitz. Etwa 35 Bebauungspläne befänden sich in unterschiedlichen Verfahrensstufen. Insgesamt sieht die Stadt Flächenpotenziale für fast 30 000 Wohnungen - in Wohnbauland, Baulücken und Umstrukturierungsgebieten. „Trotz dieser Rekordbautätigkeit kann der Wohnungsbedarf durch den anhaltenden Bevölkerungszuwachs nicht vollständig gedeckt werden“, sagt Cunitz. Neben neuen Wohnbauflächen werden in Frankfurt städtische und stadtnahe Grundstücke darauf geprüft, ob sie für den Bau von Wohnungen genutzt werden können. Städtische Gebäude wie Kitas sollen flächensparend gebaut werden, dabei soll geprüft werden, ob eine Kombination mit Wohnungen möglich ist. Leerstehende Büros werden nach Möglichkeit zu Wohnungen (370 im vergangenen Jahr). Außerdem geht die Stadt stärker gegen die Umnutzung von Wohnungen und die illegale Verwendung von Wohnungen als Ferienunterkünfte vor.

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp

Für den geförderten Wohnungsbau hat die Stadt 2014 und in den folgenden Jahren je 45 Millionen Euro vorgesehen. Das Geld ist für Sozialwohnungen und Mittelstandsprogramme gedacht. Bei größeren Neubaugebieten sollen künftig 30 Prozent der Wohnfläche geförderter Wohnungsbau sein. 5310 Wohnungen wurden 2013 neu genehmigt, die höchste Zahl seit 50 Jahren und 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch Baugenossenschaften sollen auf dem stark angespannten Frankfurter Wohnungsmarkt mehr Gewicht bekommen. Ziel des schwarz-grün regierten Magistrats sei es, bei allen Neubauten mindestens 15 Prozent für Genossenschaften und Bauherrengruppen zu reservieren, sagte Cunitz. Ungefähr 650 neue Wohnungen könnten die Baugenossenschaften in den nächsten sechs Jahren zur Verfügung stellen, sagte der Sprecher einer gestern vereinbarten Kooperation der sieben größten Frankfurter Wohnungsbaugenossenschaften, Ulrich Tokarsi. Rund 10.000 Wohnungen und 13.000 Mitglieder haben die sieben Genossenschaften derzeit in Frankfurt, sagte Tokarsi. Um Mitglied zu werden, müssten Anteile für etwa 625 bis 2500 Euro erworben werden. Die Kaltmiete beträgt im Durchschnitt 5,50 Euro pro Quadratmeter. Die Genossenschaften seien insolvenzsicher, der Gewinn fließe in die Erhaltung und den Neubau von Wohnungen. Sie böten lebenslanges Wohnrecht für die Mieter, die sich mitverantwortlich fühlten. Die Wartezeiten für eine Wohnung lägen derzeit - je nach Lage - bei bis zu einem halben Jahr.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG will bis 2018 mehr als 1,6 Milliarden Euro investieren. Rund 4000 Wohnungen sollen so entstehen. Dabei baut die ABG nicht nur in Frankfurt, sondern auch gemeinsam mit Friedberg und Offenbach. In der Lederstadt entstehen so 172 Mietwohnungen, davon 50 als Sozialwohnungen. Nach Angaben der ABG Frankfurt Holding ist das Projekt auf dem ehemaligen Industriegelände des Druckmaschinenherstellers MAN Roland in Offenbach das erste interkommunale Wohnungsbauprojekt in Hessen. In Offenbach entsteht derzeit außerdem neuer Wohnraum beim Projekt „Luisenhof“ in der Innenstadt, am Hafen sowie auf dem Gelände der früheren Lohwald-Siedlung. Diese Vorhaben werden allerdings in privater Trägerschaft umgesetzt und sind daher teurer als geförderte Bauten.

Auch andere Städte im Rhein-Main-Gebiet ringen um (bezahlbaren) Wohnraum. In Wiesbaden sollen bis zum Jahr 2021 bis zu neue 1500 Wohnungen entstehen, wie die Sprecherin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (GWW), Alexandra May, sagt. 200 Millionen Euro nimmt die Gesellschaft dafür in die Hand. Etwa die Hälfte des Projekts sei bereits umgesetzt. Die GWW setzt bei ihrem Programm auf einen Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen. „Damit wollen wir Monostrukturen in den Häusern vermeiden“, sagte May. Die Objekte liegen im gesamten Stadtgebiet, teilweise werden Gebäude aufgestockt.

Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

In Darmstadt hat sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft Bauverein AG verpflichtet, pro Jahr 100 Sozialwohnungen in Darmstadt zu schaffen. Bis 2020 will das Unternehmen nach eigenen Angaben dafür 40 Millionen Euro investieren und damit rund 800 geförderte Wohnungen schaffen. Außerdem soll die Bauverein AG im Sommer eine ehemalige US-amerikanische Siedlung übernehmen - das sind 33 Wohngebäude mit knapp 60.000 Quadratmeter Wohnfläche.

In Hanau wird ebenfallsWohnraum gebraucht. Der Stadt kommt dabei die Konversion zugute. Nach dem Abzug des Militärs aus der einst größten US-Garnison in Europa werden die ehemaligen Kasernenflächen für eine zivile Nutzung umgewandelt. 177 von 340 Hektar wurden auf Hessens größtem Konversionsgebiet bereits umgewandelt. Auf den gut ein Dutzend Kasernengeländen sind mittlerweile 580 neue Wohneinheiten entstanden. Viele weitere werden folgen. Größere Baugebiete gibt es zudem in den Hanauer Stadtteilen Klein-Auheim und Mittelbuchen. Dort entstehen allerdings Ein- und Zweifamilienhäuser.

(dpa/isi)

Quelle: op-online.de

Kommentare