Wetter- und Klimaforschung

Der Leuchtturm in Rhein-Main

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Darmstadt/Offenbach - Ohne Satelliten sind Wettervorhersagen und Klimabeobachtungen kaum mehr möglich - so das Thema eines hochkarätigen Symposiums, das die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten diese Woche in Darmstadt veranstaltet. Von Axel Wölk

Am Konferenzzentrum Darmstadtium herrscht schon früh dichtes Gedränge. Wissenschaftler, Studenten und Unternehmensvertreter strömen zum internationalen Klimasymposium in die Rhein-Main-Region nach Darmstadt. Auf den Fluren präsentieren sich an vielen Ständen Firmen und Organisationen mit ihren konkreten Problemlösungen. „Die Crème de la Crème der internationalen Klimaforschung ist vertreten“, jubelt Chefwissenschaftler Johannes Schmetz von der europäischen Organisation für Wettersatelliten Eumetsat. Sie ist selbst in Darmstadt beheimatet und organisiert die Veranstaltung.

Ziel des Wissenschaftlertreffens sei es, Forschungsschwerpunkte für die nächsten Jahre abzustecken und Forscher sowie Raumfahrtagenturen zusammenzubringen, schildert Eumetsat-Direktor Alain Ratier den Zweck der Konferenz. Wie lassen sich Beobachtungen von heutigen und künftigen Satelliten für kommende Forschungsaufgaben nutzen? Auf diese Weise könne den Entscheidungsträgern - also der Politik - entscheidende Schützenhilfe bei Klima- und Budgetbeschlüssen gegeben werden.

Wettervorhersagen für die Region

„Das Symposium hat so etwas wie Leuchtturmcharakter“, erläutert Schmetz. Es ist das erste Treffen, das in dieser Art bisher stattgefunden hat. Die Organisatoren erhoffen sich durchaus „Darmstädter Beschlüsse“, die der Wissenschaft auf absehbare Zeit eine Richtung vorgeben könnten. Sie hätten dann unter Wissenschaftlern eine ähnliche Geltung wie das berühmte Kyoto-Protokoll für Umweltpolitiker. Auf absehbare Zeit wird die Darmstädter Konferenz zwar einmalig bleiben, aber vielleicht ähnlich wie Kyoto eine Reihe von Folgeveranstaltungen ins Leben rufen. Seit mehr als eineinhalb Jahren hat sich Eumetsat, die 30 Mitgliedsstaaten zählt, auf das jetzige Treffen vorbereitet.

Besondere Bedeutung kommt während der fünf Tage dem Deutschen Wetter- dienst in Offenbach zu. Zahlreiche Mitarbeiter sind in Darmstadt registriert. Vizepräsident Paul Becker selbst wird zu den Konferenzteilnehmern aus Sicht der Offenbacher Organisation referieren und sprechen.

In der Rhein-Main-Region hat sich mit Offenbach und Darmstadt in den vergangenen Jahrzehnten ein Cluster für Wetter- und Klimaforschung herausgebildet. Dabei sind Satelliten für die Wissenschaft nicht mehr wegzudenken. „Globale Klimadaten lassen sich so gut wie nur über Satelliten und kaum am Boden erheben. Gerade auch für die Messung über den Ozeanen brauchen wir Hilfe aus dem Weltraum“, sagt Schmetz. Das Gewicht der Raumfahrt in Europa und Deutschland macht mit einer Darmstädterin auch wiederum eine Stimme aus der Region geltend. Die Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung und Ex-Justizministerin Brigitte Zypries hob in ihrer kurzen Begrüßungsrede deren Bedeutung für die Zukunft des Planeten hervor.

Das Besondere an der Darmstädter Veranstaltung: Vom Chef der Welt-Meteorologie-Organisation WMO, Michel Jarraud, bis hin zu ganz einfachen Studenten sind alle Hierarchie-Ebenen und Lebensläufe vertreten. „Wir haben 500 Teilnehmer aus 50 Ländern. Davon sind rund ein Drittel Studierende und Jungwissenschaftler“, freut sich der Klimaforscher Ghassem Asrar. Direktor David Carlson vom World Climate Research Programm WCRP unterstrich auch gleich eine Schlüsselforderung der Klimaforscher: „Politische Unterstützung ist sehr wichtig.“

Der Handlungsbedarf ist seit vielen Jahren unstrittig und nicht mehr von der Hand zu weisen: Nach Meinung fast aller renommierten Wissenschaftler ist der Klimawandel von uns Menschen verursacht. Über Autoabgase oder auch Kohleverbrennung pusten wir massiv Kohlendioxid in die Atmosphäre, was die Luft aufheizt. Das Thema wird immer drängender. „Die Zeit ist nicht auf unserer Seite“, warnt Jarraud. Die Klimaforschung im Rhein-Main-Gebiet könne in dieser Hinsicht entscheidende Daten liefern und mit Prognosen den Menschen helfen, sich auf drastische Wetterumschwünge einzustellen: „Es ist etwa möglich, Dürrewarnungen für den afrikanischen Kontinent auszugeben.“

Quelle: op-online.de

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