Wettkampf der Zweiradmechaniker

Find’ den Schaden und zwar schnell!

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Wo liegt der Fehler? Markus Wagner, Teilnehmer aus Österreich, steht unter großem Zeitdruck.

Frankfurt - Zeitdruck, Lärm und technische Probleme – die Bedingungen sind hart, unter denen sich die besten Fahrrad- und Motorradmechaniker bei ihrem Europa-Cup messen. Der Wettbewerb zeigt, dass zwei Räder auch viel Intelligenz verlangen. Von Sophie Rohrmeier

Plötzlich dröhnt ein Motor durch die Halle und übertönt das Grundgeräusch: Metall, das auf Metall trifft. Acht junge Männer schrauben an Motorrädern herum, zwischendurch stieren sie auf Laptops. Wie Maximilian Hammel. „Erst mal Ruhe reinzukriegen, das ist nicht so einfach“, sagt der 23-Jährige, der in Zahlentabellen auf seinem Bildschirm nach Hinweisen sucht. Denn das Motorrad hinter ihm läuft nicht, wie es soll. Der Grund sind extra eingebaute Fehler, die Hammel beheben soll. Schafft er es, wäre er der beste Motorradmechaniker Europas. Sechs Stunden lang hat er Zeit, sich mit sieben weiteren jungen Männern seines Fachs beim Europa-Cup der Zweirad-Berufe in Frankfurt zu messen.

Ein Stockwerk tiefer, im Keller der Bundesfachschule für Zweiradtechnik, treten die besten Fahrradmechaniker aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz gegeneinander an. Fünf Männer, eine Frau. Irene Moser repräsentiert die Schweiz – und auch etwa das Geschlechterverhältnis im Beruf der Zweiradmechaniker. Unter 20 Azubis sei etwa eine Frau, schätzt Ralf Murken vom Gesellenprüfungsausschuss der Bundesfachschule. Dabei sei Intelligenz gefordert und Fingerfertigkeit. „Es ist also eigentlich nicht zu erklären, warum das nicht viel mehr Frauen machen.“

Große Herausforderung für Organisatoren

Alle, die am sechsten Europa-Cup der Zweiradberufe teilnehmen, sind die besten ihres Landes. Aber nicht alle haben die selbe Ausbildung –und darin liegt die große Herausforderung für die Organisatoren. Das sind die Zweiradmechaniker-Bundesinnung und der hessische Landesverband. In Deutschland und der Schweiz ist die Lehre dual aufgebaut, Azubis lernen im Betrieb und in der Berufsschule und haben ergänzende Kurse. In Österreich und Tschechien ist Zweiradmechaniker ein Job, den man in der Firma lernt – ohne schulische Ausbildung. Trotzdem müssen beim Cup alle die gleichen Aufgaben lösen.

Ausgedacht hat sie sich für die Fahrräder der Gesellenprüfer Ralf Murken. „Die Teilnehmer müssen erworbenes Wissen auf ein neues Problem anwenden, das so in der Berufspraxis wahrscheinlich noch nicht aufgetaucht ist“, erklärt er. Es gebe besonders elegante Lösungen – und die würden belohnt. In der Fahrradwerkstatt ist es leiser als oben bei den Motorrädern. Aber offenbar nicht leise genug. Einige Prüfer und Delegierte aus den Teilnehmerländern unterhalten sich ungehemmt – bis ein schmaler junger Mann mit Strickmütze von seiner Werkbank aufsteht und um Ruhe bittet: Sebastian Risch (21) aus Freiburg muss seine Sache gut und genau machen, wenn er seinem Meister Philipp Günsch nachfolgen will. Der war vor vier Jahren Sieger und begleitet nun seinen Gesellen.

„Die Gesamtaufgabe ist schwierig, ein großer Umbau in kurzer Zeit, vom Rad über die Schaltung bis zur Bremse“, erklärt Günsch. An jedem Arbeitsplatz ist ein Mountainbike an einem Montageständer aufgehängt, Stellwände trennen die Prüflinge. Die Mechaniker müssen aus Speichen, Felge und Nabe ein Rad zusammenbauen. Und sie müssen eine Kettenschaltung mit 27 Gängen in eine 14-Gang-Nabenschaltung umbauen – unter anderem. „Wenn man gewinnt, ist das eine Bestätigung. Man ist dann ganz vorn mit dabei“, sagt Günsch.

Frühlingsfest des ADFC

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Und für den Lebenslauf sei so ein Sieg auch gut. Günsch hat nach seinem Sieg seinen Meister gemacht, heute ist er 27, Filialleiter und blickt auf seinen eigenen Lehrling. „Das ist schon toll zu sehen, wie er sich entwickelt.“ Bei den Motorrädern müssen die Mechaniker vor allem bei der sich ständig weiterentwickelnden Elektronik dran bleiben. Die fordert auch die Cup-Teilnehmer besonders, sagt Thorsten Krader, Leiter der Bundesfachschule, unter dessen Regie die Fehler in die Räder eingebaut wurden. Sie arbeiteten an „richtig komplexen“ Maschinen. Genau das macht für Mechaniker Maximilian Hammel die Faszination an seinem Beruf aus. „Ich gehe morgens mit Freude an die Arbeit. Weil es einfach immer was Neues zu sehen gibt.“

dpa

Quelle: op-online.de

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