Neue Plattform

WG-Harmonie als Geschäftsidee

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Blasius Posset

Frankfurt - Die Methode zur perfekten WG erinnert ein bisschen an diese neumodischen Evaluationsbögen, die Unidozenten nach ihren Seminaren verteilen: „Das Seminar hatte praktischen Bezug“ - trifft voll zu, trifft überhaupt nicht zu und drei Optionen dazwischen. Von Cora Werwitzke

Bloß geht’s um die tatsächlich bedeutenden Sachen im Leben: „In einer WG ist besonders der Umgang mit vielen verschiedenen Leuten spannend“ - ja, schon; „Auf Haare im Abfluss reagiere ich empfindlich“ - aber hallo; „Die Idee für ein Zeitungsabo innerhalb der WG könnte von mir stammen“ - auf jeden Fall.

Die Harmonie in der WG als Geschäftsidee – das können eigentlich nur Studenten ausgeheckt haben. „Mit einschlägiger WG-Erfahrung“, legt Blasius Posset noch einen drauf. Der Frankfurter Soziologiestudent und sein Kieler Kumpel Benjamin Pause betreiben die Internetseite „wgfinden.de“. Auf der Seite kommen Angebot und Nachfrage zusammen. Das ist nicht neu. Besonders ist die qualitative Komponente: „Wir haben einen Test entwickelt, der den Grad an Gemeinsamkeiten zwischen WG-Bewerber und Wohngemeinschaft misst“, sagt Posset.

Wie kommt man auf so eine Idee? „Als Student ist das Alltagsrealität“, argumentiert der gebürtige Ravensburger. „Es gibt verschiedene Vorstellungen vom Zusammenleben, und je ähnlicher diese Vorstellungen sind, desto besser funktioniert’s.“ 2010 setzte er sich deshalb mit Psychologiestudent Benjamin Pause zusammen, mit dem er schon die Schulbank drückte. Eineinhalb Jahre tüftelten sie an der Realisierung ihrer Idee. Der Test basiert dabei auf Methoden der Sozialwissenschaft – mit der sich ja nach landläufiger Meinung später nichts anfangen lässt: „Wir haben mit einer Faktorenanalyse gearbeitet“, konkretisiert Posset. Bewerber und WG setzen Kreuzchen, so dass sich an konkreten Beispielen der Stellenwert von Finanziellem, Sauberkeit, Geselligkeit und Kultur ermitteln lässt. Danach wird der Grad an Übereinstimmung ermittelt. Bis der Test valide Ergebnisse brachte, schildert der 27-Jährige schmunzelnd, hätten Freunde und Bekannte als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Expansion geplant

Im Mai ging die Plattform in Deutschland online. Blasius Posset war parallel mit seiner Diplomarbeit beschäftigt. „Eine anstrengende Zeit“, sagt er. Das Ende der Uni ist jetzt absehbar. Mit „wgfinden.de“ soll’s danach richtig losgehen – eine Expansion ins deutschsprachige Ausland und Kooperationen mit Umzugsunternehmen sind nur zwei von vielen Ideen, die im Raum stehen. Davon unabhängig ist das Team um das Gründerduo auf mehrere Mann angewachsen. „Die User-Zahlen steigen stetig, wir decken so gut wie alle Uni-Städte ab“, verdeutlicht Posset. Marketing, Pressearbeit und Design werden von Mitarbeitern geregelt, die lustigerweise über die Bundesrepublik verstreut wohnen. „Wir sehen uns selten“, schildert Posset. Das Schöne an so einem Projekt sei, dass niemand ortsgebunden ist: „Wir treffen uns in Skype-Konferenzen und halten uns über eine interne Internetplattform auf dem Laufenden.“

Übrigens wohnt Blasius Posset selbst in einer WG. Als er vor einigen Jahren nach Frankfurt zog, kam es vor, dass er mit 50 bis 60 Leuten um ein Zimmer buhlte. Seinen Angaben nach ohne traumatische Spätfolgen. „Es hat dann ja woanders geklappt“, sagt der 27-Jährige diplomatisch. Nun ja, woher der nette Hinweis „So sparst du dir viel Zeit und Nerven bei der WG- und Mitbewohnersuche“ auf der Seite kommt, darüber lässt sich vor diesem Hintergrund zumindest einseitig spekulieren.

Quelle: op-online.de

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