Wichtiger Standortfaktor

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Avantgardistisch wirkt das neue Treppenhaus im Historischen Museum in Frankfurt.Die meisten Menschen der Rhein-Main-Region sind mit dem Kulturangebot zufrieden und schätzen dessen Bedeutung hoch ein, ergab eine Umfrage.

Frankfurt - Hilmar Hoffmann darf sich freuen. „Kultur für alle“, jenes vom früheren Frankfurter Kulturdezernenten vor bald zwei Jahrzehnten geprägte Motto, ist im Bewusstsein der Bevölkerung des Rhein-Main-Gebiets mittlerweile fest verankert. Von Christian Riethmüller

Darauf lässt zumindest eine repräsentative Umfrage schließen, die das Bonner dimap-Institut im Auftrag des Kulturfonds Frankfurt RheinMain durchgeführt hat. Laut dieser Erhebung legen die Bewohner der Rhein-Main-Region sehr großen Wert auf kulturelle Angebote. Fast 80 Prozent der Befragten hätten angegeben, dass ihnen etwa Museen, Theater, Konzerte, Bibliotheken und Kinos „sehr wichtig“ oder „wichtig“ sind. Für den „Kulturbarometer Frankfurt Rhein-Main 2012“ genannten Bericht wurden vom 7. bis 15. Mai dieses Jahres insgesamt 1002 zufällig ausgewählte Teilnehmer in den Städten Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie in den Landkreisen Offenbach, Darmstadt-Dieburg, Main-Kinzig, Hochtaunus, Main-Taunus, Rheingau-Taunus, Groß-Gerau und Wetterau befragt.

Der Grad der Wertschätzung des kulturellen Angebots ist dabei weder vom Bildungsniveau der Befragten noch von deren monatlichem Einkommen abhängig. Wie Klaus Gotto von dimap gestern in Frankfurt bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse sagte, wichen die Werte von Befragten mit Bildungsniveau Hauptschule oder mit geringem Einkommen (bis 1 500 Euro) kaum von den Durchschnittswerten ab. Wie Vertreter des Kulturfonds sagten, wurde der Begriff „Kultur“ für die Umfrage allerdings nicht genau definiert. Ob ein Befragter darunter eine Opernaufführung, den neuesten Hollywood-Film, den Besuch der Stadtteilbibliothek oder die Blasmusik im Festzelt verstehen wollte, blieb ihm überlassen. Vielleicht auch deshalb bewerteten jeweils rund 80 Prozent der Befragten das Kulturangebot in der Region sowohl für sich persönlich als auch im Allgemeinen als „gerade richtig“.

Kulturelle Angebote seien wichtig

Wer persönlich mit einer Situation zufrieden ist, gibt dies auch anderen weiter, weshalb jeder zweite (52 Prozent) der Befragten in Gesprächen über die Rhein-Main-Region Kunst und Kultur einen hohen Stellenwert einräumt. Immerhin ein Drittel (34 Prozent) der Befragten befindet das kulturelle Angebot in der Region sogar besser als in anderen vergleichbaren Regionen Deutschlands, während ein Drittel (33 Prozent) eine solche Aussage verneint und ein Drittel (30 Prozent) sich in dieser Frage nicht festlegen wollte.

Bedeutsam für die Diskussion um den Stellenwert von Kultur angesichts leerer kommunaler Kassen dürften zwei Ergebnisse der Umfrage sein. 76 Prozent der Teilnehmer sind der Ansicht, die kulturellen Angebote einer Region seien wichtig, um sowohl Führungskräfte für Unternehmen und Institutionen als auch Nachwuchskräfte und Studenten anzulocken.

Kultur nicht nur eine Privatangelegenheit

Und knapp Dreiviertel (72 Prozent) der Befragten sind der Auffassung, dass Kultur nicht nur eine Privatangelegenheit jedes einzelnen ist, sondern von der öffentlichen Hand - Bund, Städte und Landkreise - stärker gefördert werden sollte. Hinsichtlich der Kulturförderung durch Sponsoren waren die Befragten geteilter Meinung. Während 40 Prozent sagten, die regionalen Unternehmen täten genug, forderten 39 Prozent der Teilnehmer ein größeres kulturelles Engagement der Wirtschaft.

Die weiß schon längst um die Bedeutung der Kultur für die Standortfrage. Nicht selten richte sich die Wahl des Arbeitsplatzes und des Wohnortes nach dem kulturellen Angebot in der Umgebung, sagte Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt, in deren Räumlichkeiten der „Kulturbarometer Frankfurt RheinMain 2012“ vorgestellt wurde. Und die Vorsitzende des Kuratoriums des Kulturfonds und frühere hessische Wissenschaftsministerin Ruth Wagner (FDP) hält die Kultur gar für einen von drei Faktoren, die künftig den Wettbewerb der Regionen entscheiden werden. Die beiden anderen seien attraktive Arbeitsplätze und eine Landschaft mit Erholungswert, wie sie gestern sagte.

Eine vergleichbare Erhebung wie den Kulturbarometer gibt es für andere Regionen Deutschlands noch nicht, sagte dimap-Mann Klaus Gotto. Albrecht von Kalnein, Geschäftsführer des Kulturfonds, sprach deshalb auch von „einem Versuchsballon und einem Startblock für andere Umfragen.“ Die könnten dann auch detailliertere Daten liefern als die erste Erhebung. „Die Daten sind eher eine Skizze als ein Ölgemälde“, sagte von Kalnein, der damit auch die Werte gemeint haben könnte, die seine Institution betrafen. Immerhin 87 Prozent der Befragten sahen es nämlich als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ an, dass alle Städte und Kreise aus dem Rhein-Main-Gebiet zur Finanzierung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain beitragen sollen. Ob so viele Menschen überhaupt wissen, welche - sehr verdienstvollen - Aufgaben der Kulturfonds in der Region leistet?

Quelle: op-online.de

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