Wider den Fehler im Detail

Offenbach - Viele Ex-Abiturienten und Eltern werden sich noch gut an den letzten Freitag im März 2009 erinnern. Ein Debakel mitten in der Abitur-Prüfung: In den zentral gestellten Mathematik-Arbeiten wurden mehrere Fehler entdeckt. Von Peter Schulte-Holtey

Die Alarm-Mail aus dem Kultusministerium kam für manche Schule zu spät. Ein Teil der 15 000 Mathe-Abiturienten schwitzte schon über einer Integralrechnung, bei der ein Fachlehrer-Gremium Plus und Minus verwechselt hatte. Verwirrende Fehler fanden sich sowohl in den Prüfungen für die Leistungskurse als auch in denen für die Grundkurse. Ein fehlendes Minuszeichen, der fehlende Verweis auf die Variable „y“ und der ausgefallene Hinweis auf ein „Baumdiagramm“ hatten Schüler wie Lehrer verunsichert.

Die Schulen kritisierten daraufhin, dass die Panne vermeidbar gewesen wäre, wenn Fachlehrer die Aufgaben nicht erst morgens zur Prüfung, sondern einige Tage vorher erhalten hätten. Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hatte daraufhin einen Entschuldigungsbrief an die betroffenen Schüler und Lehrer geschickt und einen freiwilligen Nachschreibetermin anberaumt.

Das Ministerium versprach Besserung. Aber auch die Informationspolitik kam inzwischen auf den Prüfstand. Weil Henzlers Haus trotz bohrender Nachfragen der „Bild“-Zeitung den Namen des Verantwortlichen nicht preisgeben wollte, zog der Springer-Verlag vor den Kadi. In der ersten Instanz hatte das Wiesbadener Verwaltungsgericht die Landesregierung dazu verurteilt, den Verantwortlichen zu benennen. Gegen diese Entscheidung hatte das Land Berufung eingelegt. Inzwischen wird vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel verhandelt. Demnächst will das Gericht den zuständigen Abteilungsleiter als Zeugen hören.

Mehr Personal und mehr Zeit

Nach der Panne mit den Aufgaben fürs Mathematik-Abitur 2009 hat Hessens Kultusministerium Konsequenzen gezogen. Insgesamt wurde die Zeit zur Erstellung der Prüfungsaufgaben verlängert. Die Ausarbeitung der Aufgaben in den Fachkommissionen beginnt nun drei Monate früher und ist zwei Monate vor den Prüfungen abgeschlossen. „Auch haben wir mehr Personal eingesetzt. Die Zahl der Fachkoordinatoren am Institut für Qualitätsentwicklung und die Ressourcen für die Fachkommissionen wurden um insgesamt sechs Stellen erhöht“, teilte Horst Günther Herold, Sprecher des Kultusministeriums, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Demnach wurden auch im Fachreferat des Ministeriums zwei weitere Stellen geschaffen, „um damit die Organisation der Durchführung und Nachbereitung der Prüflesungen sowie die Beurteilung der Prüfungen zu verbessern“. Für die externe Prüflesung im Institut für Qualitätsentwicklung, bei der Lehrkräfte aus allen Regionen Hessens, die selbst nicht Mitglied der Fachkommissionen sind, die Aufgabenvorschläge vorwiegend inhaltlich prüfen, wurde ebenfalls mehr Personal zur Verfügung gestellt und mehr Zeit eingeräumt. Die Prüflesung wurde um zwei auf insgesamt fünf Tage verlängert. Pro Fach beschäftigen sich nun drei statt bisher zwei Prüfleser mit den Aufgaben.

Herold: „In dieser Prüflesung werden die Aufgabenvorschläge noch intensiver gesichtet und – im Gegensatz zu früher – zunächst ohne Kenntnis der Lösungshinweise bearbeitet. Damit können Probleme und Unklarheiten mit großer Zuverlässigkeit frühzeitig erkannt und beseitigt werden.“ Als zusätzliches Kontrollinstrument sei eine abschließende Prüfung der Aufgabenvorschläge im Ministerium durch beauftragte Lehrkräfte eingeführt worden. „Auch hier werden die Aufgaben zunächst unter Prüfungsbedingungen bearbeitet und einer abschließenden formalen Prüfung unterzogen, bevor sie für die Übermittlung an die Schulen und die Staatlichen Schulämter vorbereitet werden“, teilte der Ministeriumssprecher weiter mit.

Quelle: op-online.de

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