Kurpark

Widerstand gegen Wimbledon-Pläne in Bad Homburg

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Der Elisabethenbrunnen im Kurpark von Bad Homburg (Hessen). Unweit davon sollen neue Tennisplätze entstehen.

Die Idee, Weltklassetennis in den Kurpark Bad Homburg zu holen, findet nicht nur Befürworter. Vor allem zwei neue Plätze auf der Kurpark-Garage sorgen für Ärger.

Weltklassetennis im Bad Homburger Kurpark – das ist eine Vorstellung, für die sich nicht nur die Verantwortlichen im Rathaus und dem örtlichen Tennisclub begeistern. Auch die Kreistagsfraktionen von CDU und FDP und sogar Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth (CDU) haben bereits ihre Unterstützung signalisiert. Doch noch fehlt die nötige Zustimmung der Woman’s Tennis Association (WTA) zu den Plänen der Stadt und der Perfect Match GmbH des einstigen Tennis-Profis Markus Günthardt, bereits im Juni 2020 in der Kurstadt ein Profiturnier für die weltbesten Tennis-Frauen auszurichten.

Währenddessen formiert sich in Bad Homburg bereits Widerstand dagegen. Denn für ein internationales Frauen-Tennis-Event müsste die Anlage des TC Bad Homburg* aufwendig umgebaut werden. Kritik entzündet sich vor allem an zwei Ausweichplätzen für den Verein, die auf der begrünten Tiefgarage von Spielbank und Kaiser-Wilhelms-Bad entstehen sollen. Betroffen wären davon vor allem die Bewohner des benachbarten Tatjana-Gerdes-Hauses, eines Alten- und Pflegeheims.

Initiative will Bau neuer Tennisplätze verhindern

„Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren“, kündigt der Vorsitzende des Heimbeirats, Heinz Bressau, an. 150 Unterschriften habe man bereits gesammelt. Derzeit sei das betreffende Areal für die Bewohner „wie eine Oase“. Mit der Ruhe und dem Blick ins Grüne wäre es aber vorbei, wenn dort von morgens bis abends Tennis gespielt werde. „Alle sind hier restlos dagegen“, sagt Bressau.

Geplant ist ein Profi-Turnier für Frauen in der Woche vor dem wichtigsten Tennis-Wettbewerb des Jahres in Wimbledon.

Dafür müssten mehrere Rasenplätze angelegt werden, unter anderem vor dem Thai-Tempel im Kurpark. Auf der Vereinsanlage des TC Bad Homburg ist der Center Court mit Tribünen für bis zu 3500 Zuschauer vorgesehen. twe

Auch andere Anwohner haben sich bereits zu einer Initiative zusammengetan, um den Bau der neuen Tennisplätze zu verhindern. Die Gruppe bestehe aus rund 20 Mitgliedern, teilte ein Vertreter der Initiative im Gespräch mit der FR mit. Es gehe neben dem Lärm auch um den Klimaschutz, erklärt er. Schließlich ist für den Winterbetrieb der zusätzlichen Tennisplätze eine Traglufthalle im Gespräch. Um das Vorhaben zu verhindern, habe man bereits Kontakt zu einem Anwalt aufgenommen.

Tennisplätze mitten im Kurpark rufen Denkmalschutz auf den Plan

Auch aus der Politik haben sich kritische Stimmen gemeldet. So fragt die Bürgerliste (BLB) nach Lärm- und Denkmalschutz. Denn für das geplante WTA-Turnier sollen auch vorübergehend zwei Rasenplätze mitten im Kurpark* direkt vor der markanten Thai Sala* angelegt werden. Außerdem gebe es bislang noch keine Zahlen über die finanziellen Auswirkungen für die Stadt, moniert BLB-Fraktionschef Armin Johnert.

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Wolfgang Hof, fühlt sich ebenfalls schlecht informiert. Profitennis im Kurpark ist für ihn „nice to have“, doch leider fehlten bislang die nötigen Fakten über „Risiken und Nebenwirkungen“.

OB Alexander Hetjes spricht von „historischer Chance“

Dagegen sieht Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) in dem Wimbledon-Vorbereitungsturnier eine „historische Chance“. Der Bekanntheitsgrad der Stadt würde erheblich steigen; Hotels, Gastronomie und Einzelhandel könnten von zusätzlichen Kunden profitieren.

Was den Bau der beiden Sandplätze auf der Tiefgarage angehe, werde man Rücksicht auf die Belange der Anwohner nehmen, sagt Rathaussprecher Andreas Möring zu. So sollen die neuen Plätze möglichst nah an die Spielbank heranrücken und aus Lärmschutzgründen tiefer gelegt werden als die heutige Oberfläche. Außerdem werde der Oberbürgermeister demnächst ein Gespräch mit der Geschäftsführung der Mathilde-Zimmer-Stiftung führen, die Trägerin des Tatjana-Gerdes-Hauses ist.

Die Bad Homburger Stadtverordneten werden sich aller Voraussicht nach in ihrer nächsten Sitzung am 12. September mit dem Thema befassen.

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