Razzia gegen Hells Angels in Hessen

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Die Polizei hat bei einer Razzia zahlreiche Wohnungen von Mitglieder der Hells Angels durchsucht.

Wiesbaden (ale/dpa) - Mit einer Razzia ist die Polizei am Freitagmorgen im Rhein-Main-Gebiet und in Südhessen gegen die Rockergruppe Hells Angels vorgegangen.

Erst vor kurzem gab es eine Razzia gegen die Hells Angels:

Großrazzia bei Rockern in der Region

Verletzte bei brutalem Kampf zwischen Rockerbanden

Das Landeskriminalamt bestätigte der Nachrichtenagentur dpa einen entsprechenden Bericht von „hr-info“. Erste Ergebnisse will das LKA im Lauf des Vormittags bekanntgeben. Die Aktion richtete sich nach hr-Informationen auch gegen Polizeibeamte. Ihnen werde vorgeworfen, polizeiinterne Informationen an die Hells Angels verraten zu haben.

Mehrere hundert Polizisten sollen an der Razzia beteiligt gewesen sein. Als Hintergrund gilt eine Schießerei im Motorradmilieu von Usingen/Taunus vor einigen Monaten. In den vergangenen Wochen hatte es in Hessen bereits zweimal Aktionen gegen die Hells Angels gegeben.

Die Ermittlungen erwiesen sich als überaus schwierig, schreibt die Polizei, weil die Beschuldigten extrem abgeschottet operierten. Es sei jedoch gelungen, umfangreiche Beweismittel gegen die Beschuldigten zu sammeln. So wurden in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach Empfänger von Drogenlieferungen festgenommen: Dabei wurden unter anderem 800 Gramm Amphetamin und zwei Kilogramm Marihuana sichergestellt.

Durchschuss im linken Oberarm

Unter den aktuell durchsuchten Objekten befindet sich auch ein Anwesen auf einem großflächigen Areal im Landkreis Offenbach, das von einem der Beschuldigten bewohnt wird. Das Gelände gilt als Anlaufstelle für Personen aus dem Rockermilieu.

Ein weiteres Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt geht auf einen Schuss auf einen 45 Jahre alten Mann in Usingen zurück, der der Polizei Mitte Oktober 2009 bekannt wurde. Der Mann hatte einen Durchschuss im linken Oberarm in Brusthöhe erlitten. Das Opfer ist Angehöriger der Hells Angels und hatte angegeben, am Abend des 18. Oktober 2009 aus einem fahrenden Fahrzeug heraus von Unbekannten beschossen worden zu sein. Nach dem Stand der Ermittlungen besteht der Verdacht, dass es sich um eine interne Bestrafungsaktion der Hells Angels gehandelt hat und die von einem Mitglied desselben Charters ausgeführt wurde.

Hinweise auf Kontakte zu Beamten

In diesem Zusammenhang wurden heute sieben Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet durchsucht, darunter die des Präsidenten und des Vizepräsidenten des Hells Angels Charters Frankfurt. Das HLKA und die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelten darüber hinaus gegen einen 40-jährigen Gastronom aus Wiesbaden, der Verbindungen zu Rockergruppierungen unterhalten soll, wegen des Verdachts des Waffenhandels.

Die hessischen Strafverfolgungsbehörden erhielten vor mehreren Monaten Hinweise darauf, dass seitens der Hells Angels im Rhein-Main-Gebiet gezielt Kontakte zu Polizeibeamten hergestellt worden sein sollen, um diese für ihre Zwecke zu nutzen. In diesem Kontext fanden Durchsuchungen der Wohnungen und Arbeitsplätze von Beamten der Polizei statt.

Die Vorwürfe wiegen unterschiedlich schwer und bedürfen noch weiterer intensiver Ermittlungen. Beschuldigt ist ein 50 Jahre alter Erster Kriminalhauptkommissar des Landeskriminalamts, der eine Führungsfunktion in einer Ermittlungsabteilung ausübt. Er steht im dringenden Verdacht, Informationen aus polizeilichen Systemen gegen Entgelt weitergegeben zu haben.

Informationen und Drogen verkauft?

Beschuldigt sind ferner eine 33-jährige Polizeioberkommissarin und ein 36-jähriger Polizei-oberkommissar eines Frankfurter Polizeireviers, die in dem Revier unterschiedliche Tätigkeiten im Schicht- und Tagesdienst ausüben. Über den Verdacht des Verrates von Dienstgeheimnissen hinaus stehen Erwerb und Besitz von Kokain im Raum. Diese Verfahren werden bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt geführt.

Eine 34-jährige Kriminaloberkommissarin des Polizeipräsidiums Frankfurt steht im Verdacht, zusätzlich zur Weitergabe von Informationen zu den Drogen auch Drogen selbst gehandelt zu haben: Es besteht der Verdacht, dass sie mehrfach Drogen in geringer Menge an einen 51-jährigen Polizeioberkommissar des Präsidiums Frankfurt verkauft hat.

In diesem Zusammenhang wurden durch das Polizeipräsidium Südhessen neben den Wohnungen der zwei Amtsträger auch die Wohnungen von drei Privatpersonen aus Offenbach durchsucht, die als Drogen-Lieferanten verdächtig sind. Das Verfahren wird bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt geführt. Fünf Beamte mittlerweile vom Dienst suspendiert - ihnen stehen Disziplinarverfahren bevor.

Handgranaten, Pistolen, Gewehre

Bereits Ende November waren bei einer Razzia in vier Bundesländern zwei Mitglieder in Mannheim und Worms festgenommen worden. Schwerpunkt der Aktion war damals Südhessen. Eine Woche zuvor waren die Beamten in Osthessen auf ein Waffenarsenal mit Handgranaten, Pistolen und Gewehren gestoßen.

Quelle: op-online.de

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