„Wir bauen keinen Erlebnispark“

Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt kommt gut voran

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Blick vom Dom hinab auf die Baustelle der Frankfurter Altstadt, die zur Zeit errichtet wird. Ende 2017 sollen die 35 Gebäude fertiggestellt sein. Bereits in diesem Jahr wird das Stadthaus (auf dem Bild mit dem braunen Giebeldach) eröffnet.

Frankfurt - Der Wiederaufbau der 1944 bei einem Bombenangriff zerstörten Frankfurter Altstadt wird für die Stadt noch einmal teurer als gedacht. Eine von mehreren Ursachen ist eine umstrittene Pergola vor der Kunsthalle Schirn. Von Ira Schaible

Der historische Krönungsweg vom Kaiserdom zum Römerberg ist in der neuen Frankfurter Altstadt schon gut erkennbar. Der Hühnermarkt zeichnet sich auch bereits deutlich ab: Auf dem neuen Platz sind rund um den Stoltze-Brunnen mehrere Cafés geplant. 15 Häuser werden auf dem fußballfeldgroßen Areal im Herzen Frankfurts rekonstruiert und 20 neu gebaut. Bis Ende 2017 soll das viel diskutierte städtebaulich Projekt fertig sein. „Die offizielle Eröffnung ist Anfang 2018“, sagt Projektmanager Patrik Brummermann.

Im umstrittenen Stadthaus werden derzeit die letzten Arbeiten ausgeführt - gut zehn Meter neben dem Dom. Die Nähe zeigt, wie eng es in der bei einem Bombenangriff 1944 zerstörten Altstadt zuging. Der Blick auf den Dom ist versperrt. Das gefällt vielen nicht; ist aber historisch und daher gewollt, wie Brummermann von der DomRömer GmbH, erläutert, die das Projekt für die Stadt abwickelt. In der ersten Jahreshälfte soll das Veranstaltungsgebäude mit einer Feier eröffnet werden. Brummermann hofft auf Ostern; die Stadt geht dagegen vom 2. Quartal aus.

In Spitzenzeiten werkeln derzeit bis zu 70 Arbeiter an ganz unterschiedlichen Aufgaben: Rohbauten werden hochgezogen, Trockenbauwände gefertigt und Schächte für Technik eingerichtet. Steinmetze rekonstruieren die gotische Gewölbedecke im Haus „Klein Nürnberg“. „Eine solche Decke gab es nur in dem Haus und im Römer. Die Technik ist die gleiche wie damals“, sagt Brummermann. Weil die gesamte Baustelle so eng ist, müssen einige, wenige Rohbauten noch warten. Der Neubau in der Brauchbachstraße 23a dagegen steht schon komplett, die Fenster sind eingesetzt, das Schiefer-Dach ist gedeckt. Im Haus „Zur Flechte“ sind schon die rekonstruierten Fenster, die Lehmziegel und das Fachwerk zu sehen - das nach historischem Vorbild allerdings auch innen verputzt wird.

Die Sandsteinfassade am auffälligsten Haus, der „Goldenen Waage“, ist gerade zum Schutz mit Holz verpackt. Mit den Holz- und Fachwerkarbeiten an dem Schmuckstück soll im Februar begonnen werden. Altbauspezialisten aus Lemgo haben das Eichenfachwerk des prunkvollen Renaissance-Gebäudes wieder erstehen lassen. Die Rekonstruktion des Baus, den einst ein reicher flämischer Gewürzhändler erbauen ließ, schließt direkt an das Stadthaus an und bleibt im Besitz der Stadt. Im Erdgeschoss soll Gastronomie einziehen und den Platz vor dem Dom neu beleben. Die oberen Stockwerke werden vom Historischen Museum genutzt.

Der Stoltze-Brunnen mit der Büste des Mundartdichters (1816-1891) soll noch im ersten Quartal auf dem Friedrich-Stoltze-Platz abgebaut und gereinigt werden und gegen Ende des Projekts auf dem etwa 450 Quadratmeter großen Hühnermarkt aufgebaut werden. Dort stand er einst unweit des Geburtshauses des Schriftstellers. Zu den letzten Bauvorhaben gehört auch eine Pergola. Sie soll den Krönungsweg zur Kunsthalle Schirn abgrenzen. „Der Krönungsweg war ursprünglich auf beiden Seiten bebaut und eine Gasse“, erklärt Brummermann. „Die Leute haben ihre Fenster vermietet, wenn der Kaiser kam.“

Weil es ein solches Bauwerk aber niemals vorher gab, ist die insgesamt etwa 60 Meter lange und bis zu 5,50 Meter hohe mit rotem Mainsandstein verkleidete Pergola umstritten. Noch nicht entschieden hat die Stadt, ob in das Stadthaus auch Teile des Dom- und Ikonenmuseums verlagert werden. Und ob das Struwwelpeter-Museum eine Zukunft in den Rekonstruktionen der Altstadt hat, werde derzeit untersucht, sagt Brummermann. Mit der Vermietung der Geschäftsflächen, die mehrheitlich bei der Stadt bleiben, solle ebenfalls im ersten Quartal begonnen werden.

Wiederaufbau der Altstadt Frankfurt

Trotz der großen Nachfrage und eines Losverfahrens sind drei große Wohnungen in den Neubauten noch nicht verkauft. Zwei davon gehören zur Braubachstraße 23, in die ursprünglich ein Hotel einziehen sollte. Die Quadratmeterpreise stehen noch nicht fest, sind aber höher als die zuvor verlangten 5000 bis 7200 Euro. Auch in die Rekonstruktionen kommen mehr Wohnungen als ursprünglich geplant, diese sind deutlich teurer als die in den Neubauten und werden möglicherweise per Gebot vergeben. „Damit die deutliche Lücke zu den Herstellungskosten nicht zu groß wird“, sagt Brummermann.

186 Millionen Euro soll das Projekt jetzt kosten, das seien unterm Strich noch einmal 13 Millionen Euro mehr für die Stadt, rechnet Brummermann vor. Gründe dafür gebe es viele. Einer ist die Pergola, ein anderer der Ausbau der U-Bahn-Station, ein dritter ein Elektrounternehmen, das im vergangenen Herbst während der Arbeiten im Stadthaus Insolvenz anmelden musste.

Bürgermeister, Planungsdezernent und Historiker Olaf Cunitz (Grüne) freut sich jedenfalls auf „ein lebendiges Quartier“ und verspricht denen, die ein „Disneyland“ befürchten: „Wir bauen weder ein Museum noch einen Erlebnispark.“

dpa

Quelle: op-online.de

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