Geschichte nicht ausradieren

Bürger erstattet Anzeige wegen Darstellung eines  NS-Bürgermeisters

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Porträt vor NS-Symbolen: Bürgermeister Schulte

Wiesbaden - Die Porträts der ehemaligen Wiesbadener Oberbürgermeister sorgen seit Jahren für Diskussionsstoff im Rathaus der hessischen Landeshauptstadt. Von Katia Rathsfeld

Die Serie des Künstlers Klaus Böttger war durch dessen frühen Tod 1992 nicht fertiggestellt worden, eine komplette Reihe gibt es deshalb bis heute nicht. Nun hat ein Bürger vor kurzem Anzeige erstattet, weil er sich an Böttgers Porträt des NS-Bürgermeisters Alfred Schulte (OB zwischen 1933 und 1937) stört. Im Hintergrund des Bildes ist ein Nazi-Aufmarsch samt Hakenkreuzen zu sehen.

„Das Porträt Schultes fällt aus unserer Sicht in den Bereich der künstlerischen Freiheit“, sagte der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). Jedes der sieben von Böttger gemalten Porträts habe zudem einen in die Zeit passenden Hintergrund. „Wir können die Geschichte des Landes nicht ausradieren, indem wir ein Bild von der Wand hängen“, sagte Gerich.

Unabhängig von der Anzeige hatte der Oberbürgermeister im Frühjahr beschlossen, die unvollendete Serie Böttgers vom Maler Matthias Gessinger im Stile des Künstlers komplettieren zu lassen. Auch bei den restlichen Porträts sollen „aktuelle Dinge aus der Zeit“ im Hintergrund zu sehen sein. Aufgehängt werden sollen sie im ersten Stock des Rathauses, zudem sind biografische Tafeln geplant.

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Es ist nicht das erste Mal, dass es Wirbel um das Porträt eines Wiesbadener NS-Bürgermeisters gibt. Das von Bernd Schwering gemalte Bild von Erich Mix ließ die Stadtverwaltung entfernen, nachdem es beschmiert worden war. Mix war zweimal Stadtoberhaupt: Von 1937 bis 1945 als NSDAP-Mitglied und hoher SS-Offizier sowie von 1954 bis 1960 als FDP-Mitglied. Nach seinem Tod 1971 spendierte ihm die Stadt für seine besonderen Verdienste ein Ehrengrab - das ihm erst im vergangenen Jahr aberkannt wurde.

dpa

Quelle: op-online.de

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