Vorstoß gegen Fachkräftemangel

Forderung nach Angeboten für Ungelernte und Flüchtlinge

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Symbolbild

Wiesbaden - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern sprechen sich dafür aus, angesichts des Fachkräftebedarfs in den Betrieben alle Potentiale zu aktivieren, um mehr qualifizierte Arbeitnehmer zu gewinnen. Von Marc Kuhn 

Sie fordern, junge Menschen frühzeitig für eine Ausbildung im dualen System zu gewinnen. „Der ungebremste ,Run“ auf die Hochschulen wird kritisch bewertet“, teilten DGB und Handwerkskammern gestern in Wiesbaden mit. Daneben gelte es, an an- und ungelernte Arbeitnehmer sowie Flüchtlinge und Asylbewerber mit konkreten Maßnahmen heranzutreten. „In unseren Betrieben arbeiten viele Angelernte, die mit passenden Angeboten motiviert werden können, zum Beispiel einen Gesellenbrief zu erwerben“, erklärte der hessische Handwerkspräsident Bernd Ehinger. Die DGB- Bezirksvorsitzende Gabriele Kailing fügte hinzu: „Wir engagieren uns gemeinsam dafür, dass die umfangreichen Maßnahmen des gemeinsam mit den Arbeitsagenturen und der Landesregierung verabschiedeten ,Konzeptes Nachqualifizierungsoffensive Hessen’ umgesetzt werden.“ Handwerksvertreter und Gewerkschaften verweisen aber darauf, dass Beratung und Qualifizierungs--schecks allein oft nicht ausreichen. „Gerade bei Vollzeitmaßnahmen besteht die Problematik, dass es keine Förderung des Lebensunterhalts während der Weiterbildungszeit für die Zielgruppe gibt“.

In der zunehmenden Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerber sehen Handwerkskammern und DGB durchaus Chancen. Wichtig sei aber, möglichst früh die deutsche Sprache zu lernen und die Kompetenzen der Menschen fest zu stellen. „Ohne alltagstaugliche, im Handwerk zum Beispiel ,baustellentaugliche’ Sprachkenntnisse ist eine erfolgreiche Integration unmöglich“, so Ehinger. Handwerksbetriebe scheuten sich nicht, motivierte und berufserfahrene Flüchtlinge einzustellen: „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will“, verwies Ehinger auf einen Slogan des deutschen Handwerks.

Die DGB-Bezirksvorsitzende Kailing unterstützt diese Position: „Für die Gesellschaft und die Volkswirtschaft ist es nicht zumutbar, diese Personen monatelang ohne Beschäftigung zu lassen. Das demotiviert die Flüchtlinge und schadet der Integrationsbereitschaft der Bevölkerung.“ DGB und Handwerkskammern unterstützen den gemeinsamen Vorschlag der Ministerpräsidenten von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Flüchtlingen, die eine Lehre begonnen haben, für die Dauer der Ausbildung und möglichst zwei Jahre darüber hinaus einen Rechtsstatus zu geben, der sie vor Abschiebung schützt.

Quelle: op-online.de

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