Wo der Hirsch zum Elefanten wird

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Die Kollision mit einem Auto endet für das Wild in aller Regel tödlich. Ist das Tier aber größer, besteht auch erhebliche Gefahr für den Autofahrer. Ein Hirsch entfaltet da schnell die Rammwirkung eines Elefanten.

Frankfurt - Tiere können Geschwindigkeiten von Autos nicht einschätzen. Tausende Rehe, Wildschweine oder Hirsche kommen deshalb jedes Jahr allein in Hessen unter die Räder. Das ist auch für Autofahrer gefährlich.

Pendler und Wildtiere könnten sich in den kommenden Wochen häufiger in die Quere kommen: An diesem Sonntag (26. Oktober) wird es nach der Umstellung auf die Winterzeit eine Stunde früher dunkel. Schon kurz nach 17 Uhr geht die Sonne unter - damit rückt die Dämmerung in den abendlichen Berufsverkehr. In der Dämmerung sind aber auch viele Wildtiere unterwegs. Der Oktober gilt daher als besonders wildunfallträchtig. Rund 13.000 Rehe, 2500 Wildschweine und 200 Hirsche werden jedes Jahr in Hessen nach Angaben des Landesjagdverbandes bei Unfällen getötet. Nicht immer sind die Zusammenstöße so spektakulär wie am vergangenen Donnerstag, als ein Wildschwein in Baden-Württemberg einen neuen Porsche ruinierte. Der Fahrer hatte den Keiler übersehen. Der 44-Jährige blieb zwar unverletzt, aber der Schaden beläuft sich auf 140.000 Euro, das Wildschwein verendete.

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Andreas Hölzel vom ADAC warnt: Vor allem auf Landstraßen, die durch Felder und Wälder führen, könnten plötzlich Tiere auftauchen. Rund 16 300 Verkehrsunfälle mit Wildtieren gab es nach dem Verkehrsbericht des hessischen Innenministeriums im vergangenen Jahr landesweit, das entspricht gut 12 Prozent aller Unfälle. Ein Mensch kam ums Leben, über 200 wurden verletzt. Im Rekordjahr 2012 hatte es 17.900 Wildunfälle gegeben, 2009 krachte es etwa 13.000 Mal. Vermutlich liegt die Zahl aber viel höher, weil nicht jede Kollision gemeldet wird.

Regional gibt es große Unterschiede: Im Lahn-Dill-Kreis etwa hat sich die Zahl der Wildunfälle in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt, wie die Kreisverwaltung mitteilt. Rund 1450 solcher Unfälle habe es 2013 im dicht bewaldeten Kreis gegeben - sie machen dort fast 30 Prozent aller Verkehrsunfälle aus. Auch im Taunus beobachtet die Polizei wachsende Unfallzahlen: „Wir haben mehr Wild und mehr Verkehr“, sagt ein Sprecher der Polizei Bad Homburg. Beteiligt seien viele Arten - vom Hirsch bis zum Waschbär.

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Gerade Hirsche, Rehe und Wildschweine könnten erheblichen Schaden verursachen, sagt ADAC-Experte Hölzel. Ein Rothirsch schlage bei Tempo 60 mit einer Wucht ins Auto ein, die dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten entspricht. Zwar könnten auch Füchse und Hasen gefährlich werden, das Risiko dort sei aber ein anderes: Wer sich erschreckt und ruckartig ausweicht, könne von der Straße abkommen oder in den Gegenverkehr geraten. Für den Winter hoffen die Jäger auf einen leichten Rückgang der Unfälle. In diesem Jahr gebe es viele Bucheckern, so dass Rehe, Hirsche und Wildschweine nicht weit wandern müssten, um Futter zu finden, sagt Klaus Röther vom Landesjagdverband. Mit Zäunen, Reflektoren oder Schaumkugeln, die nach Wolf, Bär oder Mensch riechen, wird versucht, an riskanten Stellen die Tiere fernzuhalten. Letztlich ist aber nach Angaben der Experten angepasste Geschwindigkeit die beste Methode, sich vor gefährlichen Begegnungen zu schützen.

(dpa)

Quelle: op-online.de

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