Flüchtlinge hoffen in Hessen auf feste Unterkünfte

Winteranfang im Zelt

Wetzlar/Wiesbaden - Der Winter steht bevor und noch immer leben viele Asylsuchende in Zeltstädten. Immer mehr bekommen zwar ein festes Dach über den Kopf, doch das Ziel der Landesregierung ist noch nicht erreicht.

Der Nadelbaum am Eingang zum Flüchtlingscamp in Wetzlar bekommt eine Lichterkette zum Advent, Asylsuchende ziehen ihre Jacken enger, um sich zu wärmen, und hinter einem Großraumzelt pumpt eine Heizung dröhnend Warmluft ins Innere. Kurz vor dem meteorologischen Winteranfang morgen leben in Hessen trotz aller Anstrengungen noch mehrere Tausend Flüchtlinge in Zelten. Zu den Zeltbewohnern gehört Maiwand (Name geändert) aus Afghanistan, der in dem Wetzlarer Camp untergekommen ist. Drinnen sei es zwar warm, berichtet er. Das Wasser fürs Duschen aber nicht immer, zumindest nicht tagsüber. Für ihn sei das kein Problem, für kleine Kinder allerdings schon.

„Der Winter fängt für die Landesregierung erst am 20. Dezember an“, meint der evangelische Diakon Harald Würges, der sich für die Flüchtlinge in Wetzlar engagiert. Die Politik habe das Problem zu lange ausgesessen. Das Camp sei zwar „so gut gemacht wie es eben geht, aber es ist nicht winterfest“.

Das Land setze alles daran, die Flüchtlinge in festen beziehungsweise winterfesten Unterkünften unterzubringen, sagt dazu die Sprecherin des hessischen Sozialministeriums, Esther Walter. Von rund 26.000 Asylsuchenden in der Erstaufnahme lebten derzeit rund 3300 in Zelten. „Das ist ein Rückgang von 4500 seit Oktober und eine Riesenleistung. Wir gehen davon aus, dass wir eine Umrüstung in winterfeste Leichtbauhallen schaffen können. Dort, wo derzeit Zelte stehen, sind diese in der Regel gut beheizt und mit festen Böden.“

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Die Zeltstadt in Wetzlar wurde im Juni eingerichtet und gehört damit zu den ersten in Hessen. Damals ging das Land davon aus, dass die Camps nur eine Übergangslösung sind, um die vielen Flüchtlinge unterzubringen. Doch deren Zahl stieg weiter und damit auch die der Camps. Derzeit werden an acht Standorten Zelte zu festen Unterkünften umgebaut. Dabei setzt das Land unter anderem auf Container, Holzhäuser oder Leichtbauhallen.

Im Herbst hatte die Landesregierung erklärt, bis zum offiziellen Winteranfang allen Flüchtlingen ein festes Dach bieten zu wollen. „Wir werden sukzessive die Belegung der Zelte zurückfahren, um in der kalten Jahreszeit möglichst keine Zeltplätze mehr zu haben“, sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) Ende September. Eine Garantie könne es aber nicht geben. Wie es in den kommenden Wochen weitergehen soll, darüber will Grüttner am Mittwoch berichten.

„Die Zelte sollten schon längst weg sein“, sagt Bettina Twrsnick, die wie Diakon Würges zum Verein Flüchtlingshilfe Mittelhessen gehört. Jetzt werde es in Wetzlar wohl erst im Januar soweit sein, weil es Container-Engpässe gebe. Twrsnick spricht von einer schwierigen Situation für die Flüchtlinge im Camp, von fehlenden warmen Aufenthaltsmöglichkeiten, von Langeweile und Konflikten. „Der Lagerkoller ist greifbar.“ (dpa)

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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