CDU-Chef liest Partei die Leviten

„Wir waren dümmer als die anderen“

+
Der neue Vorstand der Kreis-CDU: Vorsitzender Frank Lortz (Mitte) zusammen mit - von links - Jörg Rotter (Schriftführer) Frank Herzig (Schatzmeister) sowie seinen Stellvertretern Patricia Lips, Claudia Jäger, Peter Wichtel und Hartmut Honka.

Mühlheim - Als „schweren Schlag“ hat der Vorsitzende der CDU im Kreis Offenbach, Frank Lortz (MdL), den Verlust des Bürgermeisterpostens in der CDU-Hochburg Obertshausen an den unabhängigen Kandidaten Roger Winter vor einer Woche bezeichnet. Von Michael Eschenauer 

Hubert Gerhards, der Kandidat der CDU, war dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen mit 92 Stimmen unterlegen. Bei den Bürgermeisterwahlen in Langen hatte die SPD vor kurzem knapp gesiegt. Beim Kreisparteitag der CDU am Samstag in Mühlheim forderte Lortz, der mit 246 von 250 abgegebenen Stimmen (98,4 Prozent) für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt wurde, in einer ungewöhnlich kritischen Bestandsaufnahme mehr Geschlossenheit und weniger Arroganz von seiner Partei. Der Bericht des Vorsitzenden rief bei den Parteitagsdelegierten Applaus hervor, Wortmeldungen blieben aus.

„Die CDU stellte einmal neun von 13 Bürgermeistern im Kreis Offenbach“, sagte Lortz in der Willy-Brandt-Halle. „In den meisten Fällen, wo wir die Bürgermeister verloren haben, waren nicht die anderen besser, sondern wir waren dümmer.“ Wiedergewählt als stellvertretende Parteivorsitzende wurden mit hohen Zustimmungsquoten Hartmut Honka (MdL), Kreisbeigeordnete Claudia Jäger, Patricia Lips (MdB) und Peter Wichtel (MdB).

Seit 1982 Mitglied des Landtags

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:

Tacheles ohne Echo

Lortz, der seit 1982 Mitglied des Landtags ist und den Kreisverband seit vier Jahren führt, bezeichnete die Position des Kreisverbandes im Landesverband als exzellent. Nirgendwo sei die CDU so erfolgreich, dass sie wie im Kreis Offenbach drei direkt gewählte Landtags-, zwei direkt gewählte Bundestagsabgeordnete, den Landrat und die Erste Kreisbeigeordnete stellen könne. Trotzdem sprach er hinsichtlich des schlechten Abschneidens bei den Bürgermeisterwahlen von „schmerzhaften Rückschlägen“ und einer Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren, die „nicht positiv“ bewertet werden könne.

Der Mann aus Froschhausen rief die Parteiaktiven in den Kommunen dazu auf, künftig überzeugende Personalvorschläge vorzulegen. Es sei nicht hinzunehmen, dass die Volkspartei CDU als stärkste politische Kraft der Region dem Wähler bei Bürgermeisterwahlen bisweilen kein eigenes Angebot unterbreite. Damit bezog sich Lortz auf die Wahlen in Langen, Dreieich und Egelsbach. Zwar habe man bei der Bundestags- und Landtagswahl sehr gut abgeschnitten. Aber ab dem kommendem Sommer hätten nur noch zwei Bürgermeister - in Heusenstamm und Hainburg - ein CDU-Parteibuch. Desweiteren gebe es einen von der CDU vorgeschlagenen Bürgermeister in Neu-Isenbug und hauptamtliche Stadträte sowie Beigeordnete in Seligenstadt, Hainburg, Obertshausen, Heusenstamm, Dietzenbach, Rödermark und Neu-Isenburg. Das sei aber bei weitem nicht gut genug. Bei der Durchsetzung politischer Vorstellungen werde es „sehr dunkel“, wenn man nicht mehr auf die entsprechenden Posten zurückgreifen könne, erklärte Lortz.

Einigkeit müsse vor Ort praktiziert werden

Einigkeit müsse vor Ort praktiziert werden. „Dies kann der Kreisvorstand nicht befehlen“, so Lortz. In Rodgau hatte sich die CDU vor Jahren mit ihrem eigenen Bürgermeister Alois Schwab überworfen, während Jürgen Rogg in Dietzenbach das Amt erst erringen konnte als er sich nach einer verlorenen Kampfabstimmung in der CDU „unabhängig“ gemacht hatte. Für die Wahlen in Seligenstadt, Dietzenbach, Rödermark und Neu-Isenburg sieht Lortz mittelfristig immerhin gute Chancen. Allerdings könne man sich nicht „den Luxus“ erlauben, vor Ort uneinig anzutreten. Das verprelle Wähler. Lortz warnte eindringlich vor „Arroganz und Überheblichkeit“ und dem Gefühl „unnachahmlich und unverzichtbar“ zu sein.

Als weiteren Problempunkt der im Kreis Offenbach knapp 2600 Mitglieder starken CDU nannte der Kreisvorsitzende das mit 60 Jahren zu hohe Durchschnittsalter in der Partei. Lortz forderte, bei der Listenaufstellung zu den Kreistagswahlen im Frühjahr 2016 Mitglieder der Jungen Union mit sicheren Plätzen zu berücksichtigen. Er bezeichnete zudem den amtierenden Landrat Oliver Quilling als „Glücksfall“. Die Kreis-CDU werde bei der Landratswahl im Herbst kommenden Jahres wieder auf ihn setzen. Bernd Abeln, Fraktionschef der CDU im Kreistag, lobte die Zusammenarbeit mit der Kreisspitze und mit dem SPD-Koalitionspartner. Angesichts der prekären Finanzlage sei die Arbeit zwar „mühevoll“. Er sei sich aber sicher, dass man die „Lasten der Vergangenheit“ aufarbeiten und die Konsolidierung erfolgreich fortsetzen werde.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare